Camino del Norte (Tag 13)

 

Cóbreces → San Vicente de la Barquera


 → 22,4 Kilometer
↑ 130 Meter

Samstag, der 04.07.2009

 

steinerner Wegweiser
steinerner Wegweiser

Olli überreicht mir als Dank dafür, dass ich ihm gestern 20,- € geliehen hatte, ein selbst zubereitetes Bocadillo, dann zieht er schon mal los. Ich verlasse das Kloster gute 15 Minuten später gegen 7:30 Uhr. Alfred hingegen ist noch in der Herberge, genauso wie die das Paar auch Tschechien.
Das letzte Mal, dass ich einen so wolkenverhangenen Himmel in Spanien gesehen habe, ist gut ein Jahr her und blieb nicht ohne Folgen für Kleidung und Gepäck. Und daran soll sich auch heute nichts ändern.
Ich laufe zunächst noch geschützt von großen Alleebäumen eine einsame Straße entlang, während aus deren Kronen bereits laute Prasselgeräusche zu vernehmen sind.
Als ich die Allee verlasse und auf eine größere Landstraße stoße, sehe ich den Kräuterspanier, der in einem Buswartehäuschen Schutz gesucht hat und jetzt hier offenbar den Regen aussitzen will. Da er aber nur spanisch spricht und der Regen sicher auch nicht so schnell vorbei ist, ziehe ich bald weiter.
Außerdem hatte ich noch kein Frühstück. In der sehr dünn besiedelten Gegend bietet da nur die Bar eines Campingplatzes wenige Kilometer später die Gelegenheit, dies zu ändern. Also kehre ich ein und verbringe dort über eine Stunde. Das Wetter motiviert wirklich nicht unbedingt dazu wieder aufzubrechen.
Es nützt alles nichts, irgendwann muss ich weiter. Und nach einigen Kilometern hört der Regen langsam wieder auf. Ich durchquere ich Comillas. Eine etwas größere Stadt, in der unter anderem einige Gebäude von Gaudi stehen. Leider verpasse ich aber allesamt bis auf zwei und verlasse den Ort ziemlich schnell wieder.
Von hier an schlägt mein Wanderführer zwei Wege vor. Ich beschließe, dem offiziellen Pfad zu folgen. Dieser führt, im Gegensatz zu seiner Beschreibung, nur anfangs an der Landstraße entlang, läuft dann querfeldein und ist eine ganze Zeit lang von einem riesigen Golf-Areal umgeben. Ich habe dieses noch nicht ganz verlassen und bin gerade dabei, in mein „Tagebuch“ zu sprechen, da schießt plötzlich ein Golfball direkt neben mir senkrecht mit einem lauten Knall auf den Asphalt. Dies macht er mit einer solchen Wucht, dass er schnell wieder abprallt und im Nichts verschwindet. Gute zwei Meter weniger Abstand, und ich hätte zumindest keine Knie- oder Fußprobleme mehr…
Also entweder kann hier jemand überhaupt kein Golf spielen, den die eigentlichen Plätze liegen bereits hinter mir, oder die mögen hier keine Pilger. In jedem Fall sehe ich zu, dass ich wegkomme.

Stier
Spanien halt…

Es dauert nicht mehr lange, und ich überquere die einst längste Brücke Spaniens und treffe damit in meinem heutigen Zielort ein: San Vicente de la Barquera. Eine nette, kleine Hafenstadt, deren Herberge man über so einige Treppen erreicht. Sie befindet sich im Untergeschoss eines alten Hauses und betritt sie durch eine Art Garagentor. Ich muss mich noch eine Zeit lang gedulden, bis man sich meiner annimmt. Drinnen sitzen bereits so einige Pilger an einem langen Tisch. Die Wände rundherum sind tapeziert mit hunderten von Fotos, die allesamt Pilger zeigen, die hier einst nächtigten.
Ich scheine mich hier ausschließlich in spanischer Gesellschaft zu befinden und fühle mich etwas verloren, obwohl mich die an dem Tisch sitzenden direkt zu sich an den Tisch einladen und mir Wein und Brot anbieten. Von Olli ist zunächst noch keine Spur. Erst gut eine halbe Stunde später trifft auch er mit einem anderen Pilger ein, der, sagen wir mal, sehr urig aussieht.
Wir unterhalten uns eine Weile, und dann ziehen Olli und ich los und suchen zunächst den Laden eines Schumachers für Ollis aus dem Leim gehenden Schuhe auf. Dieser ist aber leider geschlossen. Und nachdem Olli alle im selben Haus wohnenden Menschen rausgeklingelt und nach dem Schuster gefragt hat, erkunden wir insgesamt drei Bars. In der ersten gibt‘s noch einen Kaffee, in der zweiten etwas zu Essen und Wein und in der dritten Bar schließlich Wein und noch etwas zu Essen. Kurz: Wir lassen es uns gut gehen und kehren erst gegen 22:30 Uhr zur Herberge zurück. Und obwohl der Camino ja kein Hotel ist, scheint die späte Rückkehr hier kein Problem zu sein. Das Ganze hier ist halt unter spanischer Leitung…

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