Camino del Norte (Tag 23)

 

Cadavedo → Almuña


 → 16,6 Kilometer
↑ 135 Meter

Dienstag, der 14.07.2009

 

Camino-Stillleben
Camino-Stillleben

Es ist nicht möglich zu sagen, wie viele jetzt eigentlich hier heute Nacht geschlafen haben. Dementsprechend ist es noch unmöglicher, zeitnah in den Genuss der einzigen Toilette zu kommen.
Iris & Co. werde ich hier wohl das letzte Mal gesehen haben, da sie heute wieder eine 30er Tour machen wollen. Ich hingegen bin bemüht, meine Etappen ab jetzt so kurz wie möglich zu halten, damit ich erst nach der großen Fiesta am 25. Juli in Santiago eintreffe. Dies ist nämlich der Namenstag des heiligen Jakobus. Das wäre zwar ein passender Abschluss für den Camino, nur leider denken das noch zigtausend andere. Und nach gut fünf Wochen Pampa würde ich einen solchen Kulturschock vermutlich nicht überleben.
Apropos überleben: Es wird Zeit für mein Frühstück! Und tatsächlich entdecke ich bald etwas abseits der Straße eine Bar, vor der bereits einige Pilger sitzen (→ SV).
In deren Gesellschaft gönne ich mir ein reichhaltiges Bocadillo Tortilla mit Wurst und Käse, ein Schokocroissant und gleich zwei Café con leche. Zu allem Überfluss gibt es hier auch noch einen Internetzugang, der das absolute Gegenteil von dem gestrigen ist: Ein modernes Notebook mit entsprechendem Browser. Zurzeit sitzt da allerdings noch eine junge rothaarige Frau, die offenbar ihren Kaffee draußen auf der Terrasse kalt werden lässt. Es ist die Frau, die letzte Nacht in Iris Bett schlief. Ich bringe ihr den Kaffee an ihren Platz.
Als sie fertig ist, komme ich endlich zu meiner längst überfälligen Halbzeitmail!
Danach ist keiner mehr von der Pilgerschar zu sehen, und ich breche ebenfalls auf.
Das Wetter ist bereits seit gestern Nachmittag sehr sonnig und warm – aber nicht zu warm.
Der Weg scheint im weiteren Verlauf die nahe gelegene Landstraße mit aller Kraft meiden zu wollen, indem er sich in weiten Bögen immer wieder von ihr abstößt und über Felder hinweg der Küste zuwendet.

Ziege auf Mauer
Ziege auf Mauer

Es ist keine Überraschung, dass die heute angesagten 16 km sehr schnell vorbei gehen, und ich treffe in meinem Zielort Almuña ein. Allerdings habe ich hier ziemlich große Probleme, die Herberge zu finden. Erschwert wird mir das durch gleich dreierlei verschieden Aussagen von zwei unterschiedlichen Einwohnern und meinem Wanderführer. Doch irgendwann gelingt es mir dann doch, und ich erreiche das an einer Hauptstraße gelegene ehemalige Rathaus (→ SV).
Auch hier gibt es kein Personal, aber dafür die rothaarige Frau und den jungen Deutschen, den ich auch in der letzten Herberge schon kurz traf und mit dem sie unterwegs zu sein scheint. Wir unterhalten uns eine ganze Weile. Nachdem ich mein Bett bezogen habe (von denen gibt es zurzeit noch genug), fragt mich die junge Frau, Simona, ob ich Lust habe mit ihr runter in die Hafenstadt Luarca zu gehen. „Klar!“ Der Tag ist noch lang, und der Ort hier oben hat absolut gar nichts zu bieten. Also ziehen wir runter in das sehr fotogene Städtchen.
Wir trinken Kaffee, essen kleine Bocadillos und ziehen durch einige Geschäfte, da Simona für Daniel, den Deutschen, ein Tuch für dessen Haare sucht. Dieser hat heute Geburtstag.
Anschließend setzen wir uns auf die Mole und beobachten die Brandung an der Steilküste.
Auf dem Rückweg treffen wir unter anderen noch Daniel und später auch auf die junge Frau mit ihrem kleinen Hund. Simona und sie, offenbar eine Italienerin, wechseln ein paar Worte, und dann machen wir uns wieder auf den Weg zur Herberge.
Die dort Anwesenden planen zum Abendessen Pasta mit so ziemlich ohne alles zuzubereiten. Aber da Simona und ich eh bereits beschlossen hatten, essen zu gehen, machen wir uns beide ziemlich bald auf die Suche nach einem Restaurant. Auf dem Weg dahin albern wir viel herum und auch im Restaurant (→ SV), in dem wir ganz allein sind, trägt die Flasche Wein nicht gerade zu schlechterer Laune bei.
Als wir wieder zur Herberge zurückkehren, ist auch dort der Alkohol nicht ohne Wirkung geblieben: Es sitzen noch diverse Leute draußen und unterhalten sich sehr angeregt. Aber vor allem hat ein junger Pole sein selbst auferlegtes Schweigen gebrochen und nun wohl einiges nachzuholen… Er ist ein recht witziger Typ, heißt Tomasz und ist anscheinend mit der Italienerin unterwegs. Sie heißt Sara, hat eine faszinierende Ausstrahlung und würdigt mich weiterhin keines Blickes.

weiter →

(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

Share Button

Schreibe einen Kommentar