Camino Francés (Tag 25)

 

Riego de Ambrós → Cacabelos


 → 31,0 Kilometer
↑ 428 Meter

Sonntag, 25.05.2008

 

vor Ponferrada
vor Ponferrada

Bei meinem heutigen Aufbruch ist etwas anders als sonst: Es sind kaum Wolken über mir – sie sind neben und teilweise auch unter mir. Trotzdem kann man das Klima als eher trocken einstufen.
Um die vertikale Reihenfolge Mensch/Himmel wieder in richtige Anordnung zu bekommen, gilt es, gleich hinter dem Dorf einen sehr steilen, felsigen Abstieg zu bewältigen.
Der Weg führt einen weiter durch sehr schöne, grüne Berglandschaften, bevor man dann Molinaseca erreicht, meinen Frühstücksort.
Als wäre es inzwischen schon gar nicht mehr anders möglich, sitzen vor dem Café (→ SV) bereits wieder die beiden Norwegerinnen. Diese erzählen mir, dass sie sich leider ein Taxi nach Ponferrada ordern mussten, da die eine von beiden arge Probleme mit den Füßen hat. Sie besteigen das Taxi, aber nicht ohne mir wieder mal etwas von ihrem Proviant zu überlassen: 2 Muffins. Aus dem Café hole ich mir dazu ein Bocadillo, einen Orangensaft, einen Kuchen sowie den obligatorischen Kaffee.

Ponferrada
Ponferrada

Bis Ponferrada treffe ich so gut wie keine Pilger mehr. Es ist ein angenehm ruhiger Vormittag. Das Wetter ist zwar durchwachsen, aber damit im Grunde optimal zum Wandern. Pünktlich zum Erreichen der Altstadt Ponferradas reißt der Himmel dann allerdings auf, und ich kann meinen zweiten Kaffee bei bestem Sommerwetter genießen. Ich sitze am Plaza Virgen de la Encina (→ SV) und beobachte den Start zu einem farbenfrohen Umzug, der, wie ich später erfahre, zu den Kommunionsfeierlichkeiten gehört.
Trotz dieser recht populären Position mitten in der Stadt kostet der Kaffee auch hier nur 1,20 €!
Meinen Stempel hole ich mir hier mal im Rathaus ab und mache mich danach wieder auf den Weg.
Als ich mich immer noch im Stadtgebiet befinde, sehe ich mir sehr vertraute, aber trotzdem absolut nicht anheimelnde Naturschauspiele am Himmel über den Bergen. Aus welcher Richtung das Wetter kommt, brauche ich leider nicht zu beobachten, da sich diese Szenarien um mich herum abspielen.
Und da noch gute vier Stunden vor mir liegen, mache ich mir erst überhaupt keine Hoffnung, dass ich trocken bleiben werde. Diese Gewissheit lässt eine gewisse Gelassenheit aufkommen. Man hat ja nichts mehr zu verlieren. So kommt es, dass ich in der nächsten Ortschaft noch mal eine weitere Pause einlege und mir ein großes, kühles Bier gönne. Dies mache ich abermals draußen, denn die Sonne scheint immer noch ungestört vom ansonsten schwarzen Himmel. Es wirkt fast so, als würde mich dieses Stückchen blauer Himmel begleiten, während um mich herum die Welt untergeht!
Dieses Phänomen bleibt mir doch tatsächlich bis zu meinem Zielort erhalten. Erst, als ich diesen erreiche, kommen die ersten Tropfen vom Himmel. Das ist mir allerdings ziemlich egal, da die Bauweise der Häuser hier es einem ermöglicht „überdacht“ weiter zu kommen.
Die Herberge (→ SV) befindet sich wieder mal am anderen Ende der Stadt, was aber in diesem Fall nicht so tragisch ist, da es sich bei Cacabelos ja nicht gerade mit Burgos zu vergleichen ist.
Das Prinzip dieser Unterkunft ist sehr exotisch: Die Gemächer muten wie Umkleidekabinen an und sind in U-Form um eine Kirche von innen an eine alte Mauer gebaut.
Hier werden die ankommenden Pilger ausnahmsweise mal zugeteilt.
Da es sich um Zweibetträume handelt, bin ich sehr gespannt, in was für einer Gesellschaft ich mich denn heute Nacht befinden werde.
Als ich die die Tür zu dem kleinen, fensterlosen Raum öffne, erwartet mich eine große Überraschung: Auf dem zweiten Bett liegt… Marco.
Wir freuen uns über diese Begebenheit und gehen später noch mit Simon, der auch hier untergekommen ist, sowie drei weiteren jungen Pilgern sehr lecker Pizza essen.

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