Camino Francés (Tag 40)

 

Muxía → Santiago de Compostela


 → 77,3 Kilometer
↑ 245 Meter

Montag, 09.06.2008

 

Muxía am Morgen
Muxía am Morgen

Nun ist es also soweit. Um kurz nach 7:30 Uhr besteigen Isabell und ich den Bus nach Santiago.
Ein komisches Gefühl. Nun ist auch die Gnadenfrist beendet.
Auf der der Fahrt unterhalten wir beide uns über das auf dem Camino Erlebte und natürlich auch über dessen Ende.
Es herrscht eine leicht melancholische Stimmung. Diese verstärkt sich noch mal, als wir ins Stadtgebiet von Santiago einfahren.
Kurze Zeit später treffen wir dann am Busbahnhof ein, der sich eine ganze Ecke von der Altstadt entfernt befindet. So kommt es, dass wir auch wieder einen Teil des Caminos beschreiten und noch einmal durch das Tor auf den Platz vor der Kathedrale treten.
Da wir noch ein wenig Zeit bis zur Messe haben, suchen wir ein Café in der unmittelbaren Nähe auf, wo wir erst mal ausgiebig frühstücken. Nachdem wir damit durch sind, lässt Isabell es sich nicht nehmen, mich dazu einzuladen.
Als wir im Anschluss die Kathedrale betreten, ist die Messe bereits bis auf die letzte Bank gefüllt. Die Sitzreihen sind kreuzförmig um den Mittelpunkt des Schiffes angeordnet. Hier wird zu besonderen Anlässen der legendäre Rauchkessel geschwungen. Heute leider nicht.
Da eh alles voll ist, laufen wir einfach bis nach vorne durch, dort entdecken wir plötzlich zwei entfernte Bekannte in der ersten Reihe, die uns andeuteten, wir sollen uns doch einfach vor sie auf den Fußboden setzen. Gesagt getan. Ich rolle meine Isomatte aus, die ich auf der gesamten Reise genau zwei Mal benutzt habe, und dann sitzen wir sozusagen in der nullten Reihe ganz vorn.
Die Messe selbst empfinde ich weit weniger emotional, als ich es gedacht hätte. Das wird unter anderem daran liegen, dass sie erstens komplett in Spanisch zelebriert wird, und es zweitens seltsamerweise nicht untersagt ist, während dessen durch das Schiff zu laufen und dabei Fotos zu machen. Trotzdem gehört die Teilnahme zu dem Ende des Caminos einfach zu dazu.

Santiago aus Sicht der Herberge
Santiago aus Sicht der Herberge

Danach suchen Isabell und ich die Herberge auf (→ SV). Da diese noch geschlossen ist, setzen wir uns auf die Treppen vor dem Eingang. Immer mehr Erstankömmlinge treffen ein und tauschen sich aus. Irgendwie gehören wir nicht mehr dazu. Und irgendwie wollen wir auch keine Erfahrungen oder Meinungen mehr hören. Also setzen wir uns etwas weiter an den Rand der ziemlich breiten Treppe.
Als dann endlich die Herberge ihre Türen öffnet, strömen wir nicht gleich mit hinein, sondern warten den gröbsten Ansturm erst mal ab.
Nachdem wir unsere Betten, die sich nebeneinander befinden, bezogen haben, gehen wir wieder rüber an den Rand der Altstadt, wo wir uns draußen vor einer Bar ein kühles, großes Bier genehmigen.
Später gabeln wir Marco, wie verabredet, vor der Herberge auf und ziehen zu dritt wieder rüber in die Stadt, wo wir als Erstes eine Konditorei aufsuchen. Isabell und Marco decken sich mit unglaublichen Kalorienbomben ein. Isabell verschwindet fast hinter ihrem mit Sahne gefüllten Schokocroissant!
Ich esse nicht ganz so viel, da mein Magen mal wieder seine Aktivitäten auf ein Minimum heruntergefahren hat.
Wir verbringen den gesamten Nachmittag bis in die Abendstunden im Altstadtteil.
In einem Supermarkt decken wir uns unter anderem mit einer Flasche Weißwein ein, die wir dann auf der großen Treppe an der Rückseite der Kathedrale leeren.
Als es dann darum geht, langsam mal zu einem etwas herzhafteren Essen zu kommen, verlassen wir ein Lokal nach dem anderen genauso schnell wieder, wie wir es betreten haben, denn die gesamten Bars der Stadt sind komplett voll.
Also geben wir irgendwann auf und besorgen uns gegen halb neun in einem kleinen Laden ein paar Baguettes, sowie Aufschnitt und bereiten uns gemeinsam im Aufenthaltsraum der Herberge unser letztes Bocadillo zu.
Wie sich herausstellt, ist das die optimale Lösung. Wir lachen viel und haben so einen perfekten Abschlussabend unter uns.
Irgendwann ziehen wir uns dann in unsere Betten zurück. Marco ist aufgrund seiner späteren Ankunft, in einem anderen Teil des Gebäudes untergekommen.
Ich verspreche Isabell, sie Morgen früh zu wecken – ihr Bus zum Flughafen soll um 6:40 Uhr abfahren.

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