Camino Francés (Tag 08)

 

Torres del Rio → Logroño


 → 20,5 Kilometer
↑ 95 Meter

Donnerstag, 08.05.2008

 

Torres del Río
Torres del Río

Die Chancen, heute mal mit nicht all zu vielen Weggefährten in den Tag zu starten, stehen sehr gut. Zum einen, weil wir von einer nur sehr kleinen Ortschaft aus aufbrechen und zum anderen, weil wir es recht spät tun. Aber genau diese Kombination hebt das leider wieder auf. Da der große Teil an Pilgern sich von der Stadt vorher aufmacht, stößt man mit einem verzögerten Start genau in eben diesen Pulk.
Und so befinde ich mich heute wieder mal recht lange in umfangreicher Gesellschaft.
Das Wetter ist durchwachsen und ziemlich kühl. Meine drei Zimmergenossinnen, die mir ganz ladylike eine ruhige und geruchsfreie Nacht bescherten, sind leicht versetzt zu mir losgezogen. Trotzdem treffe ich irgendwann wieder auf Alexandra. Unser Gespräch verliert relativ schnell an Oberflächlichkeit. Sie erzählt mir von so einigen Dingen, die sie sehr belasten. Auch ich bin natürlich alles andere als frei von Problemen, aber die einzige Sorge, die mich gerade akut bewegt, sind kleine Steine, die es immer wieder schaffen, in meine Stiefel zu kommen. Mit einem 10-Kilo-Rucksack auf dem Rücken, hochgeschürte Schuhe zu entleeren, kann durchaus zu einem Event werden! Außerdem mache ich mir bereits jetzt schon Gedanken darüber, wie ich das Ende dieses Caminos verarbeiten soll, wenn das hier bis dahin alles so eindrucksvoll weiterlaufen sollte.

Logroño
Logroño

Der Weg nach Logroño, das heutige Ziel, zieht sich noch eine ganze Weile hin. Aber man kann es vom Berg aus schon lange vorher sehen. Und besonders einladend sieht es nicht aus. Nun steuert das trübe Wetter allerdings auch sein Übriges dazu bei.
Als ich es dann doch irgendwann erreiche, treffe ich auch wieder auf Alexandra, mit der ich mir dann bei der Herberge abermals sagen lasse, dass diese übervoll sei. Aber der Pfarrer hätte noch eine Notherberge neben der Kirche (→ SV). Als wir dort ankommen, warten auch da schon einige Pilger vor dem Kirchentor. Inzwischen regnet es immer wieder. Alexandra nutzt die Zeit für dringend notwendige Blasen-OPs.
Irgendwann, so gegen 15:00 Uhr, taucht der Pfarrer auf und verkündet, dass er uns erst gegen 17:00 Uhr reinlassen könne. Also wird eine wechselnde Gepäckwache eingeteilt und Alexandra, ein weiterer Pilger namens Rainer und ich wärmen uns erst mal in einem Café auf.
Später beschließen Alexandra und ich uns das erste Mal kein Pilger-Menü sondern Tapas zu gönnen. Wobei „gönnen“ in Anbetracht des Preises etwas irreführend ist. So eine großartige Ansammlung von verschiedenen kleinen Gerichten kostet nämlich keinen Cent mehr, als ein Pilger-Menü. Trotzdem ist diese Mahlzeit an diesem Abend etwas überflüssig, da wir später in der Kirche zum gemeinsamen Mahl fast gezwungen werden.
In einer unglaublich entspannten, familiären Atmosphäre sitzen wir mit ca. 20 Leuten an einem langen Tisch und essen. Die Übernachtung hier ist auf reiner Spendenbasis – Abendessen und Frühstück inklusive! Klar, dass man sich da gern auch gemeinsam am Abwasch und Aufräumen beteiligt.
Die Nacht ist leider weniger erfreulich. Ich glaube, es ist bereits gegen 22:30 Uhr, als ich mir mal wieder meine Matratze greife, und mich mit ihr und meinem Schlafsack zwei Etagen höher ins Treppenhaus lege. Damit habe ich ja schon einmal gute Erfahrungen gemacht. Wie kann ein Mensch solche Geräusche von sich geben, ohne davon selbst wach zu werden?

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