Camino via Tolosana (Tag 13) (Castres – Revel / 41 km)

Die Bewohner meines Nachbarzimmers waren entweder frisch verliebt oder hatten eine Affäre und nur sehr wenig Zeit.
Bisher dachte ich ja, das gäbe es nur in billigen Komödien…
Bis 1:30 hatten die alten Wände buchstäblich gewackelt und fingen bereits um 7:00 Uhr wieder damit an!

Heiß ging es aber auch auf dem heutigen Weg zu!
Vom Wind der letzten Tage ist nicht mal eine leichte Briese geblieben!
Dafür haben sich die Temperaturen mit einem Schlag fast verdreifacht!
Zumindest in der Sonne herrschten gute 40 Grad! Und Schatten gab es nun mal nicht.

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Von daher hielt ich es für klüger, dem Vorschlag meines Wanderführers nachzukommen, und nur eine kurze Etappe von rund 20 km zu machen.
Aber leider war am Zielort mal wieder „HEUTE“ alles geschlossen. Das Phänomen hatte ich doch schon mal, jeden Ort so zu erwischen, dass dort grade an dem Tag Ruhetag ist!

Das Hotel hatte zwar nicht zu, aber in einem Ort, wo gar nix geht, wollte ich nicht einchecken!
Also setzte ich mich in den Schatten und überlegte, wie’s weitergehen soll.
Es ist ja wirklich sehr heiß!
Noch mal 16 km!?
Ich hatte inzwischen meinen fünften Liter Wasser in Arbeit!
Das gab’s bei mir noch nie!
So saß ich da gut eine Stunde, ehe ich beschloss, weiterzuziehen.
Vielleicht finde ich ja auch etwas zum Zeltaufschlagen!?

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(Manchmal führt der Weg auch mitten durch ein Sonnenblumenfeld…!)

Und während ich mich nach einem geeignetem Platz dafür umsah, vergingen die Kilometer – wenn auch nicht gerade im Fluge!
Ich musste ja ohne meinen Drogencocktail auskommen…!
Trotzdem waren es dann irgendwann nur noch ein, zwei Kilometer bis zum nächsten Zielort, in dem es auch mal wieder eine Pilgerherberge geben sollte.
Als ich den zentralen Marktplatz betrat, musste ich trotz aller Querelen grinsen!
Das kenne ich doch!
Hier war ich doch schon mal: im Urlaub vor gut 10 Jahren mit Zelt – und Auto…!

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Die Herberge fand ich nur eine Straße weiter.
Sie war verschlossen, aber das Fenster im 1. Stock war offen, und ich hörte Stimmen. Also klingelte ich. Die Stimmen oben wurden lauter, und kurz darauf guckte eine Frau aus dem Fenster und ließ mich hinein.
Sie konnte zwar nur Französisch, war aber sehr freundlich und zeigte mir alles geduldig. Sie fragte, ob ich noch etwas essen möchte.
„Sehr gern!“
In der Küche saßen noch ihr Mann (?) sowie 3 Pilger aus Belgien und Frankreich, die gerade mit dem Essen fertig waren.
Als sie erfuhren, von wo ich heute kam, meinten sie, ich solle morgen aber unbedingt kürzer treten, weil es bis zu 38 Grad im Schatten werden sollen!
Und gerade, wenn man allein unterwegs ist, sollte man es vorsichtig angehen. Ich könne gern mit ihnen mit kommen. Sie würden aber bereits gegen 7:00 Uhr starten – allein der späteren Hitze wegen. Aber sie können auch für mich in der Unterkunft reservieren, in der auch sie stoppen werden. Die sei nur 16 km entfernt und damit gut geeignet, um mal etwas kürzer zu treten.
Ich nahm das Angebot an – das zweite.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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