Camino via Tolosana (Tag 22) (Pouylebon – Marciac / 20 km)

Wenn ich etwas auf Caminos wirklich schon länger nicht mehr hören kann und will, dann ist es „So ein extremes Wetter gab’s hier noch nie!“…!

Nun habe ich mein Zelt gerade erst zwei Mal benutzt und es gab, seit dem ich auf dem Weg bin, zwei Nächte mit heftigen Gewittern…
Andere führen Regentänze auf. Ich benutze mein Zelt!

Nun war es aber im Gegensatz zum letzten Mal am Morgen trocken – was ich von vielen meiner Sachen nicht sagen konnte.
Ich versuchte das natürlich zu ändern, aber in einer Luftfeuchtigkeit, bei der selbst die Hände chronisch klamm sind, macht das wenig Sinn.
Und so raffte ich mal wieder alles wie es war zusammen, bekam noch zwei belegte Baguettes mit, und zog los.

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(kurzes Sonnen-Intermezzo)

Im nächsten Ort lief auf einmal ein ziemlich großer Hund in einigem Abstand parallel zu mir. Irgendwann kam er näher, inspizierte mich und lief von da an neben mir her. Mal lief er voraus, mal hinterher. Aber er wich mir nicht mehr von meiner Seite – mehrere Kilometer weit!
Er hatte zwar ein Halsband mit einer Marke, nur nutzte mir das im tiefen Wald relativ wenig.

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Ich beschloss aber beim nächsten Anwesen mal anzuklingen, um von dort den Besitzer zu verständigen.
Direkt als ich den Wald verließ, bot sich diese Gelegenheit.
Während ich dort klingelte, tobte mein neuer Begleiter bereis mit dem Hund des Hauses im Garten.
Es kam ein Mann aus der Terrassentür. Ich schilderte mein Problem. Er konnte zwar kaum Englisch, verstand aber und deutete an, ich solle einfach weiter gehen, der Hund wäre ja jetzt mit seinem eigenen beschäftigt, und er kümmere sich dann darum.
Erleichtert zog ich von dannen – bis ich wieder das Klingeln eines Halsbandes hinter mir vernahm…!
So ein Mist!
Vor allem, weil ich ab jetzt erst mal auf Straßen unterwegs war, und das Tier lief wie es will – offenbar vorzugsweise quer vor Autos, deren Fahrer mich natürlich vorwurfsvoll anguckten.
Also wieder zurück zu dem Haus!
Dort erfuhr ich, dass der Besitzer bereits verständigt war und mir mit dem Auto entgegen käme.
Und tatsächlich hielt nur wenige Minuten später ein kleiner Kastenwagen neben mir und ein Mann und eine Frau stiegen aus. Sie waren sehr freundlich – auch zu ihrem etwas treulosen Hund. Sie erzählten mir, dass das schon häufiger vorkam. Das läge wohl an meiner blauen Hose! Die würde er lieben!
Aha!?

Nicht sehr viel später registrierte ich, das es um mich herum immer dunkler wurde. Und kurz darauf war mal wieder Poncho-Time!
Nur leider hielt dieser dem, was da runter kam, nicht lange Stand.
Über mir ergoss sich ein sintflutartiger Regen!

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Aber diese „Behaglichkeit“ wurde noch gesteigert, als sich daraus ein weiteres Gewitter entwickelte. Und ich befand mich gerade auf freiem Feld auf dem Kamm eines kleinen Berges!
Zum Glück blitzte und krachte es immer nur in einem gesunden Abstand zu mir.
Weniger gesund war das Gurgeln des Wassers IN meinen Schuhen!

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Heute sollten es wohl keine 40 km werden.
Dementsprechend froh war ich, als ich in der Pilgerherberge von Marciac eintraf und erst mal eine heiße Dusche nehmen, meine Sachen zum Trocknen ausbreiten und eine Kaffee trinken konnte!
Was man doch für eine Dankbarkeit für die kleinen Dinge entwickeln kann!

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(die sehr urige Herberge von Marciac)

Mit dem Tag war ich echt durch!

Nebenbei ist genau hier heute Vormittag die Tour de France durchgekommen.
Die werden auch ihren Spaß gehabt haben…!

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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