Camino del Norte (Tag 09)

 

Hazas → Noja


 → 21,1 Kilometer
↑ 152 Meter

Dienstag, der 30.06.2009

 

Hazas am Morgen
Hazas am Morgen

Die Erfahrung, dass Übernachtungen in einer Sporthalle nicht gerade erholsam sind, hatte ich ja bereits in der ersten Nacht des letzten Caminos gemacht. Aber in diesem Fall hatten wir wenigstens Sportmatten als Unterlage. Und da diese ja doch etwas dicker sind als meine Isomatte im Vorjahr, war ich eigentlich ganz optimistisch. Zu Unrecht!
Wir sind uns heute Morgen alle einig, dass die Spanier diese Dinger mit Sand füllen. Man hätte wirklich auch direkt auf dem Hallenboden liegen können.
Aber nun ist es endlich 7:40 Uhr. Wir haben diese Albtraumnacht hinter uns und brechen gemeinsam auf.
Wir marschieren, zeitweise in einigem Abstand voneinander, durch die noch leicht neblige Landschaft. Nach gut einer halben Stunde ist Fred plötzlich nicht mehr in Sichtweite. Olli und ich gehen davon aus, das er eventuell mal ausgetreten oder in seine zeitweiligen Telefonate vertieft ist. Also ziehen wir einfach weiter. Auch nach einer Stunde ist von Fred nichts zu sehen.
Wir beschließen bei einer kleinen Kapelle eine kurze Rast einzulegen, bevor wir demnächst in der nächst größeren Stadt Laredo eintreffen .
Es dauert keine zehn Minuten, da taucht auch der verschollene Fred wieder auf. Er hatte tatsächlich etwas ausgiebiger mit seiner Frau telefoniert. Wir verlängern mit ihm gemeinsam noch ein wenig die Pause.
In Laredo steuern wir als erstes direkt den Strand an (→ SV), da es dort irgendwo eine Personenfähre geben soll, die uns nach Santoña übersetzt. Zunächst laufen wir die Bucht aber in die falsche Richtung ab. Als wir uns erklären lassen, dass wir den Anlieger am ganz anderen Ende des durch seine Länge sehr imposanten Strandes finden, beschließen wir, noch mal eine richtige Kaffee- und Frühstückspause in Laredo einzulegen.
Danach sieht man drei einsame Pilger einen langen, breiten Stand entlang ziehen.
Inzwischen ist wieder keine Wolke am Himmel und die Temperaturen passen wesentlich besser zu den Damen in Bikinis, die uns hier zeitweise begegnen, als zu unseren vollen Pilgermonturen…
Der von uns gesuchte Anleger ist nur an einer kleinen Schleifspur im Sand zu erkennen. Hier warten wir einige Minuten, und dann bringt uns ein kleines Boot auf die andere Seite der Bucht.
Dort gibt es direkt noch mal eine Tortilla und einen weiteren Café con leche mit Blick aufs Wasser. In solchen Momenten muss ich immer wieder an die Ermahnung des unangenehmen Herbergsvaters denken: „Der Camino ist kein Hotel!“

Wir durchqueren die kleine Stadt, ziehen vorbei an einer recht großen Gefängnisanlage (→ SV) und kommen an den nächsten Strand. Olli und Fred tränken ihre Mützen immer wieder unter den kalten Duschen. Am Ende dieser Bucht erwartet uns ein sehr strammer Aufstieg über ziemlich unwegsame schmale Pfade.

Strand vor Noja
Strand vor Noja

Als wir oben ankommen, werden wir belohnt von einem eindrucksvollen Ausblick auf die zurückliegende Bucht. Und nur wenige Schritte weiter liegt uns die nicht minder imposante Küste zu Füßen, an deren Ende bereits unser heutiges Etappenziel zu sehen ist. Aber wir wissen alle, dass das scheinbar zum greifen nahe Ziel noch ganz schön in weiter Ferne liegt.
Wir irren uns nicht. Und so läuft sogar zwischendurch noch mal jeder eine ganze Zeit für sich allein.
In Noja kommen wir dann aber wieder gemeinsam an und kehren direkt bei der ersten Bar ein. Eine sehr kluge Entscheidung, da mein Magen die noch anstehende Hotelsuche gesättigt sicherlich besser verkraftet – eine Herberge gibt es hier nämlich nicht mal in Form einer Sporthalle oder Schule.
Wir lassen uns Zeit und steuern dann einem Hinweisschild folgend ein Hostal an (→ SV), in dem wir ohne Probleme ein Dreibettzimmer für 20,- € pro Person bekommen.
Und als wäre ein Hotelzimmer nicht schon genug der Sünde, suchen Olli und ich kurze Zeit später den nahegelegenen Strand auf, und ich nehme mein erstes Bad im Atlantik. Das erfrischt nicht nur ungemein, sondern das Salzwasser soll ja auch gut für frisch behandelte Blasen sein…
Später decken wir uns noch in einem riesigen, unterirdischen Supermarkt ein und begeben uns dann zusammen mit Fred in eine Tapasbar, wo wir einen sehr netten Abend bei diversen kleinen Speisen und dem einen oder anderen Vino tinto verbringen. Alles zusammen schlägt gerade mal mit rund 23,- € zu Buche, die Fred übernimmt. Er hat nämlich vor, hier einen Tag zu pausieren, und von daher ist dies zugleich auch eine Art Abschiedsabend.
Der Camino ist halt doch ab und zu ein Hotel!

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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