Camino del Norte (Tag 12)

 

Requejada → Cóbreces


 → 24 Kilometer
↑ 135 Meter

Freitag, der 03.07.2009

 

gelber Pfeil
gelber Pfeil

Wie selbstverständlich starten Olli und ich wieder gemeinsam in den Tag. In dem Ort, den wir am Vortag bereits unfreiwillig passierten, kehren wir zum Frühstück ein.
Es gibt ausnahmsweise mal ein großartiges Sandwich. Dementsprechend gestärkt ziehen wir an der außergewöhnlich großen Fabrikanlage vorbei und kommen nach einer ebenfalls unangenehm langen Strecke entlang einer stark befahrenen Landstraße, endlich wieder in einen ländlichen Teil.
Unser nächstes Zwischenziel ist Santillana del Mar. Die erste mittelalterliche Stadt auf diesem Camino. In der ehemaligen Bar von gestern lag ein Buch aus, das schon recht vielversprechende Bilder dieses Ortes zeigte. Und tatsächlich betreten wir eine sehr pittoreske Stadt, die zum Verweilen einlädt (→ SV). Dies gilt aber natürlich auch für zahlreiche Touristen. Für diese gibt es hier einige sehr interessante Läden, die wir mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen und leisem Schmunzeln durchstöbern. Es gibt hier auch Pilgerstäbe, von denen ich aber keinen mitnehme. Bislang komme ich ganz gut ohne klar.
Olli möchte sich das Museum hinter der Kirche ansehen. Da mein Interesse sich in Grenzen hält, verbleiben wir so, dass wir uns draußen wieder treffen.
Ich mache ein paar Fotos, beobachte das bunte Treiben der Reisegruppen und kehre dann irgendwann in einer Bar gegenüber der Kirche ein. Aber das einzige Bekannte Gesicht, das dann irgendwann vorbeizieht ist Alfred. Als er mich sieht kommt er rein und setzt sich zu mir an die Bar.
Als Olli nach fast zwei Stunden weiterhin nicht auftaucht, beschließe ich weiterzuziehen.
Auch dieser Ort scheint vom Wegweiserschwund der großen Städte angesteckt worden zu sein, also suche ich die Touri-Info auf. Aber obwohl dieser Ort deutlich im Zeichen der Pilger steht, scheint meine Frage nach dem Camino für die drei Mädels hinter dem Tresen wie die nach dem Eiffelturm zu sein. Keine kann mir auch annähernd sagen, wo dieser ist. Nur die ältere Dame neben mir schickt mich zu einem nahe gelegenen Pfad. Leider stellt auch dieser sich irgendwie als nicht ganz richtig heraus. Jedenfalls gibt es auch hier weiterhin keine Pfeile. Erst als ich nach einer längeren Steigung auf einer Anhöhe ankomme, und ich das Meer wieder sehe, ist da vor mir an einem Weidezaunpfahl ein alter, verwitterter Pfeil zu sehen. Dieser sieht nicht wirklich offiziell aus, und vor allem zeigt er nach rechts. Der Camino folgt der Küste aber eigentlich in linker Richtung. Trotzdem beschließe ich, seiner Angabe eine Zeit lang nachzugehen.
Irgendwann komme ich wieder auf eine Straße und da meine ich, in einiger Entfernung auf der Rückseite eines provisorisch aufgestellten Bauschildes, einen weiteren Pfeil zu sehen. Und tatsächlich. Er weist einen kurzen steilen Schotterhang hinauf. Dieser Scheint ebenfalls nur Bestandteil einer größeren Baustelle zu sein. Wie auch immer. Das unter den Pfeil gesprühte „Santiago“ beseitigt alle weiteren Zweifel, und ich kämpfe mich das Geröll hoch.
Ich habe meinen Camino wieder.

leerstehende Villa
leerstehende Villa

In einem der nächsten Orte gibt es einen kleinen Rastplatz. Auf diesem hat sich Albert niedergelassen. Daran, dass er Santillana nach mir verlassen hat, erkenne ich, dass ich wohl wirklich ganz schön auf Abwegen war. Er hat hier seine mobile Küche aufgebaut und bereits in vollem Betrieb.
Wir unterhalten uns kurz, und dann ziehe ich weiter.
Da ich das erste Mal seit Tagen allein unterwegs bin, nutze ich für mich mal die Gelegenheit, nach den ersten 11 Tagen ein kleines Zwischenfazit zu ziehen. In erster Linie komme ich zu dem Ergebnis, dass der größte Unterschied zum letzten Jahr die wesentlich geringere Zahl an Mitpilgern ist. Und dass dies entsprechende Konsequenzen mit sich bringt. Zum Beispiel ist man hier dadurch wesentlich länger mit einer Person konzentriert unterwegs. Im Vorjahr kam es bestenfalls vor, dass man mal einen Tag und die entsprechende Herberge geteilt hat. Und dann verlief es sich auch erst mal wieder, bis man später eventuell erneut aufeinander traf. Oder es gesellten sich weitere Begleiter dazu.
Drei Tage oder mehr war ich selbst mit mir wichtigsten Begegnungen nie am Stück unterwegs. Aber auch das funktioniert. Von daher sehe ich es recht leidenschaftslos, ob ich Olli heute Abend in der Herberge wieder treffe oder nicht. Aber da es eigentlich gar keine Alternativen gibt, kann ich mir wohl sicher sein, dass wir nachher wieder gemeinsam unser Pilgermenü einnehmen werden.
Und so ist es dann auch. Aber nicht nur das. Als der Pastor des Klosters (→ SV) von Cóbreces mich, zusammen mit dem Kräuterspanier, der hier ebenfalls gerade eingetroffen ist, in den Bettensaal führt, ist Olli gerade dabei, seine Sachen zu verstauen.
Ich nehme das Nachbarbett. Es sind noch fast alle der hier in Reihe stehenden Liegen frei. Wir ziehen gemeinsam in eine nahegelegene Bar. Dort essen wir jetzt schon mal ein paar Tapas und kehren später auch zum Pizzaessen dahin zurück. Da sind wir dann zu dritt: Alfred ist inzwischen eingetroffen und hat sich uns angeschlossen.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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