Camino del Norte (Tag 36)

 

Santiago de Compostela → Negreira


 → 23,8 Kilometer
↑ 250 Meter

Montag, der 27.07.2009

 

Santiago im MorgenGRAUen
Santiago im MorgenGRAUen

Außer dem Ablegen eines Steines am Cruz de Ferro, dem Besuch der Pilgermesse in Santiago oder dem Verbrennen der Kleidung am Cap Finisterre, gibt es noch etwas, das sich viele Pilger nicht entgehen lassen wollen: Das kostenlose Frühstück im Santiagoer Hotel Parador (→ SV).
Um Punkt 9:00 Uhr werden hier die ersten 10 Pilger dazu eingeladen. Mit den anderen hier bereits wartenden sind wir allerdings bereits 13. Zwar sind Sara und ich als letzte eingetroffen, aber da Marc, Tomasz und ich freiwillig verzichten, kommen alle weiteren inklusive Sara rein. Während der Verköstigung warten wir drei draußen auf dem Gehweg. Ich nutze die Zeit, um meine Schuhe weiter trocken zu bekommen. Diese hatte ich nämlich vergangene Nacht zum Lüften rausgestellt. Als ich dies tat, war der Himmel – wie schon den ganzen Tag – wolkenfrei. Dies muss sich später allerdings radikal geändert haben. Beide Stiefel waren heute Morgen zu einem viertel mit Wasser gefüllt!!!
Ich kann nur hoffen, dass heute ein sonniger Tag wird!
Allerdings müssen nicht nur meine Schuhe fortwährend mit Zeitungen gefüttert werden, auch ich sollte mal zusehen, dass ich etwas zu frühstücken bekomme. Denn Sara & Co. werden gleich erst mal gestärkt sein. Also hole ich mir noch ein Bocadillo in einer nahe gelegenen Bar.
So, wie es im Moment aussieht, wollen fast alle von uns weiter nach Finisterre.
Nach gut einer halben Stunde kommen die Anderen von ihrem Frühstück wieder, und wir ziehen noch mal auf den nur wenige Meter entfernten Platz vor der Kathedrale. Nur Marc nicht, der verabschiedet sich plötzlich an Ort und Stelle von uns allen und macht sich direkt auf den Weg in Richtung Finisterre.
Aber auch der Rest löst sich fast unmerklich auf. Simona und Daniel wissen noch nicht so genau, wann und wie es wohin gehen soll. Vielleicht mit dem Bus nach Finisterre oder eventuell auch direkt weiter nach Barcelona.
Ray und Melissa, die plötzlich von einem Balkon des Parador zu uns runterrufen, wollen offenbar noch eine Nacht genau dort verbringen. Immerhin hat Melissa heute Geburtstag. Trotzdem scheint es wohl nicht ganz ernst gemeint zu sein.
Und Tomasz ist auch noch unschlüssig. So verabschieden wir uns alle recht schnell und schmerzlos, da ja noch die Chance besteht, dass wir uns in Finisterre wieder treffen.
Und so kommt es tatsächlich, dass ich mich nur mit Sara auf den dreitägigen Weg ans so genannte Ende der Welt mache.
Es lässt sich kaum vermeiden, dass ich sofort die verblüffende Parallele zum Vorjahr erkenne. Auch da bin ich, entgegen meiner Erwartungen, plötzlich mit der Person zu diesem Trip aufgebrochen, die meine vorangegangenen Tage mit geprägt hatte.
Und genau wie im letzten Jahr ist der Weg begleitet von guter Laune und angeregten Gesprächen. Das Wetter wechselt von durchwachsen zu reiner Sonne.
Wir machen viele Pausen, steigen in eine leerstehende Villa ein, planen deren Wiederherrichtung und lassen uns in der Bar nieder, von der Fabienne und ich uns im letzten Jahr schon nicht trennen konnten, weil sie so großartig gelegen ist (→ SV).

Ponte Maceira
Ponte Maceira

Ebenfalls wie ein Déjà-vu erscheint mir unser erwartungsgemäß spätes Eintreffen in Negreia. Auf dem Weg zur Herberge (→ SV) rufen uns bereits einige Anwohner zu, dass diese längst voll sei. Wir lassen uns davon nicht beirren. Und auch als uns die Herbergsmutter gleich mit einem „Alles voll!“ entgegenkommt, sind wir ganz entspannt, denn immerhin hat Sara ja ein Zelt dabei. Also fragen wir, ob wir dieses im Garten aufbauen dürfen. Wir dürfen. Allerdings ist die Herbergsmutter etwas um unser Wohlergehen besorgt, da es nachts doch empfindlich kalt wird. Sie gibt uns noch ein paar Wolldecken. Das kommt mir sehr gelegen, denn ich bin in diesem Jahr ohne Isomatte unterwegs.
Später machen Sara und ich uns in der Küche noch etwas von den Sachen warm, die sie zuvor hier im Supermarkt besorgt hatte (ich hatte derweil draußen solange auf Libero aufgepasst). Wir sitzen noch eine Weile mit drei weiteren Pilgern im Gemeinschaftsraum und unterhalten uns, dann gehen wir nach draußen und genießen den sternenklaren Himmel, der sogar einige Sternschnuppen zu bieten hat.
Es ist inzwischen ca. 22:30 Uhr, da tauchen plötzlich Ray und Melissa auf. Ich weiß nicht, was die immer den ganzen Tag treiben, denn die kommen fast immer so extrem spät am Ziel an. Das hätten die mal bei dem deutschen Herbergsvater bringen sollen! Gut, da hätten sie dann einfach vor einer verschlossenen Tür gestanden.
Und auch in diesem Fall packen sie sich einfach mit ihren Schlafsäcken ins Freie, während Sara, Libero und ich uns ins Zelt zurückziehen, das eigentlich schon für nur eine Person grenzwertig ist. Aber irgendwie arrangieren wir uns, und zumindest Sara schläft ziemlich bald ein. Ich zehre noch ein wenig von der Faszination darüber, dass ich jetzt mit der Person in einem kleinen Zelt übernachte, die mich noch vor kurzem keines Blickes würdigte.

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