Camino del Norte (Tag 37)

 

Negreira → Olveiroa


 → 33,3 Kilometer
↑ 245 Meter

Dienstag, der 28.07.2009

 

Eukalyptusbäume
Eukalyptusbäume

Der Camino ist vorbei, und ich mache gerade einem Spaziergang durch den Hamburger Hafen, da begegne ich einem jungen Paar mit Rucksäcken. Sie fragen mich, wie sie am besten in die Innenstadt kämen. Ich erkläre ihnen den Weg. Dann erzählen sie mir, dass sie Pilger seinen, und ich berichte ihnen, dass auch ich gerade heute erst vom Camino zurück gekommen bin. Und dann überkommt mich etwas, das ich mir nicht erklären kann. Ist es die Trauer, dass der Camino vorbei ist? Keine Ahnung. Jedenfalls bricht irgendetwas von mir los, und ich heule, als gäbe es kein Morgen mehr.
Dann höre ich plötzlich, wie Saras Handy-Wecker mir die Chance nimmt, sie zu wecken. Dabei hatte ich ihr gestern Abend noch versichert, eine sehr gut funktionierende innere Uhr zu haben.
Gegen 8:30 Uhr stehen wir dann auf und packen unsere Sachen zusammen.
Parallel dazu entfacht eine ziemlich heftige Diskussion zwischen Ray und der Herbergsmutter, die es wohl überhaupt nicht witzig fand, dass die beiden ohne Zelt draußen geschlafen haben. Ray schießt meiner Meinung nach mit seiner etwas rebellischen Natur über das Ziel hinaus. Er provoziert die Dame, die wir eigentlich als sehr freundlich erlebt haben so sehr, dass auch sie recht ungemütlich wird. Am Ende ziehen Ray und Melissa wütend von dannen.
Als Sara und ich alle Sache zusammen haben, brechen wir als die Letzten auf.
Da ich davon ausgehe, dass Sara auch mal zwischendurch für sich sein möchte, ziehe ich für eine Weile voraus und verabrede ich mich mit ihr an einer Bar, die ich noch vom letzten Jahr kenne.
Bis dahin ist es mit gut 12 km doch etwas weiter, als ich es in Erinnerung habe. Dort angekommen hole ich mir die obligatorischen Utensilien, und nach einiger Zeit treffen dann auch die Italienerin und ihr Hund ein. Auch sie bestellt sich etwas zu Essen, und wir lassen uns Zeit. Danach ziehen wir wieder gemeinsam weiter. Wir sind beide bester Laune und laufen durch diese mir sehr vertraute Landschaft, die sich dieses Jahr von ihrer sonnigen Seite zeigt.

auf dem Weg nach Olveiroa
auf dem Weg nach Olveiroa

Wir machen noch einige Pausen. Bei einer davon stößt Pepe, ein alter bärtiger Spanier zu uns, der den Camino Francés bereits seit 1984 jährlich läuft. Bevor er wieder weiter zieht, signiert er uns beiden je eine kleine Kürbisflasche und schenkt sie uns.

Spätes Starten am Morgen, viele Pausen und eine Strecke von über 30 km sichern einem selbstverständlich eine volle Herberge. Aber wir haben ja ein Zelt.
Als wir in Olveiroa eintreffen (→ SV), kommt uns plötzlich Marc entgegen. Er freut sich riesig uns zu sehen und informiert uns, dass die Herberge voll ist. Also suchen wir eine nahe gelegene Wiese auf. Auf ihr steht einer dieser typischen, galizischen Maisspeicher. Sara guckt ihn sich an und fragt mich, ob wir uns nicht einfach mit unseren Schlafsäcken darunter packen wollen. Ich finde den Platz wenig anheimelnd und offensichtlich auch ziemlich unbequem, weil uneben, und plädiere für das Zelt.
Während wir dieses aufbauen, haben wir (vor allem Sara) mit einem ziemlich aufdringlichen Hund zu kämpfen, der es beständig auf Libero abgesehen hat. Auch der findet diese fortwährenden Besteigungsversuche nicht wirklich witzig. Aber selbst Saras erstaunlich aggressives Vorgehen hält den Hund einfach nicht davon ab.
Als ich später vom Duschen zurückkomme, sehe ich, wie Marc Sara darauf hinweist, dass der Speicher, von dem sie so begeistert ist, sich öffnen lässt. Als er ihr dann vorschlägt, dass sie doch darin schlafen könne, ist sie ganz hin und weg von der Idee und disponiert um. Na, dann habe ich das Zelt heute halt für mich.
Nachdem wir fertig sind, gehen wir drei in ein nahe gelegenes Restaurant, das es im letzten Jahr noch nicht gab, und essen noch eine Kleinigkeit.
Danach zieht sich jeder in seinen Schlafplatz zurück.
Als ich in meinem Schlafsack liege, höre ich draußen einen unangenehmen Mix aus Jaulen, Grunzen und Kratzgeräuschen. Ich schäle mich wieder aus meiner gerade warm gewordenen Hülle, greife zu meiner Taschenlampe und hangle mich halb aus dem Zelt. Es überrascht mich nicht, dass ich genau in die Fratze dieses vierbeinigen Tyrannen leuchte, welcher sich davon überhaupt nicht irritieren oder gar vertreiben lässt. Resignierend ziehe ich mich wieder zurück und lausche noch eine ganze Zeit diesen unglaublichen Geräuschen. Ein Königreich für den Tausch gegen einen Schnarcher!

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