Camino del Norte (Tag 38)

 

Olveiroa → San Roque


 → 21,8 Kilometer
↑ 340 Meter

Mittwoch, der 29.07.2009

 

hinter Olveiroa
hinter Olveiroa

Als ich wach werde ist es 7:40 Uhr. Da ich nicht weiß, wann Sara los will, ich ja aber in ihrem Zelt liege, stehe ich auf und gehe zu der Herberge rüber. Sie sitzt tatsächlich bereits davor, ist aber noch nicht in Aufbruchstimmung. Wir frühstücken noch zusammen. Zwischendurch taucht auch Marc auf, von dem ich eigentlich glaubte, dass er schon längst weg sei. Wir reden alle kurz miteinander und dann zieht Marc los. Auch Sara möchte heute zumindest für einige Zeit noch mal allein laufen. Sobald sie doch wieder in Gesellschaft sein möchte, will sie mich das wissen lassen. Ich frage sie, wie das gehen soll? Wenn ich jetzt voraus laufe, bin ich weg. „Ich schick Dir ´ne SMS.“ Dann fällt ihr ein, dass ich ja mein Handy grundsätzlich aus habe. Ich antworte nur: „Jetzt nicht mehr…!“, wünsche ihr einen Buen Camino und mache mich auf den Weg.
Olveiroa liegt noch gar nicht so weit hinter mir, da höre ich den SMS-Ton meines Handys. „Na, das ging aber schnell!“ denke ich und stelle umso enttäuschter fest, dass es nur eine Roaming-Info ist. Keine Ahnung, warum die jetzt kommt – nachdem ich bereits seit Wochen in Spanien unterwegs bin!
Kurz darauf vernehme ich noch ein Klingeln. Dieses Mal kommt es tatsächlich indirekt von Sara. Es ist das Halsband von Libero, der von hinten auf mich zugestratzt kommt. Ich sage nur, dass das so wohl kaum gedacht ist und gehe mit ihm an meiner Seite wieder zurück. Erstaunlicherweise dauert es eine ganze Zeit, bis ich endlich in einiger Entfernung Sara erblicke. Ich frage sie, ob das zufällig ihr Hund sei, drehe mich wieder um und ziehe weiter, während sie ihren Hund zu sich beordert.

ausgedient
ausgedient

Einige Kilometer weiter traue ich meinen Ohren nicht, als ich plötzlich abermals das bekannte Klingeln hinter mir höre. Als Libero mich eingeholt hat, halte ich wieder Ausschau nach Sara. Da ich sie aber weit und breit nicht sehen kann, und ich auch keine Lust habe jetzt immer wieder zurück zu laufen, beschließe ich, mit ihm zusammen weiter zu gehen. Ich weiß ja, dass da demnächst eine Bar folgt, bei der ich eh zum Frühstück einkehre (→ SV). Da kann Sara uns dann ja wieder einholen.
Ich sitze schon ziemlich lange mit meinem Bocadillo und dem Kaffee vor der Bar, da taucht die Besitzerin meines neuen Begleiters endlich auf. Sie ist stinksauer auf Libero und liest ihm die Leviten. Danach setzt sie sich zu mir und trinkt ebenfalls einen Kaffee.
Ich schlage ihr vor, dass es wohl mehr Sinn macht, wenn sie vor läuft, dann besteht wenigstens keine Möglichkeit mehr, dass Libero meine Fährte aufnimmt. Und so bricht sie auf, und ich mache mich gute 15 Minuten später auf den Weg.
Das Wetter ist durchwachsen, und meine Stimmung ist es auch.
Nach 9 Tagen Binnenland taucht vor mir das erste Mal wieder der Atlantik auf. Letztes Jahr hat das irgendwie eine wesentlich euphorischere Stimmung ausgelöst. Allerdings hatte ich da auch die gesamten 5 Wochen davor im Landesinneren verbracht und befand mich in netter Gesellschaft. Nun nähere ich mich relativ teilnahmslos der Küste und erreiche bald darauf die Hafenstadt Cée. Gleich am Anfang komme ich an einer Bar vorbei, vor deren Eingang ein einsamer Rucksack steht, den ich zu kennen glaube. Ja, ich liege richtig. Denn direkt daneben fängt plötzlich ein kleiner Hund an, wie wild an seiner (Wäsche-)Leine zu zappeln und sich mir entgegen zu recken. Ich begrüße ihn. Vom Innenleben der Bar kann man von draußen nicht sonderlich viel erkennen, und so mache ich mich auf den Weiterweg. Allerdings komme ich nur gute 5 Meter weit. Plötzlich ruft jemand hinter mir meinen Namen. Ich drehe mich um und sehe Sara. Sie fragt, warum ich nicht in die Bar käme. Ich antworte: „Na, weil Du doch für Dich sein möchtest!?“
Worauf nur ein Sara-typisches „Fuck off! Come on!“ folgt, und sie fordert mich auf, mit rein zu kommen. Sie erzählt mir, dass sie hier eigentlich auf mich gewartet hätte. Mit wem wir allerdings beide nicht gerechnet hatten, war Marc. Aber genau der taucht plötzlich aus einem Nebenraum vor uns auf.
Sara berichtet uns, dass es gute 12 km vor Finisterre eine sehr nette Herberge geben soll, bei der sie gern noch mal unterkommen würde. Meine Begeisterung darüber hält sich in Grenzen, denn wenn wir erst morgen in da ankommen, bleibt mir nur noch, das dortige „Programm“ im Zeitraffer runter zu spulen. Dementsprechend lasse ich meine Entscheidung dazu noch offen.

in Ceé
in Ceé

Wir haben Cée kaum verlassen, da taucht vor uns auch schon das Gebäude auf (→ SV), in dem Sara gern unterkommen würde. Und da es gerade anfängt, ziemlich heftig zu regnen, gebe auch ich mich geschlagen und beende hier die heutige Etappe.
Hinein kommen wir allerdings noch nicht, weil das Haus erst um 15:00 Uhr geöffnet wird. Also warten wir zusammen mit einigen uns unbekannten Pilgern davor und versuchen, so gut es geht, Schutz vor dem inzwischen strömenden Regen zu finden.
Die Herberge stellt sich in der Tat als sehr nett heraus. Sie verfügt über zwei Etagen. In der Oberen befinden sich die Schlafräume, und unten ein großer Aufenthaltsraum.
Sara muss ihres Hundes wegen wieder mal ihr Zelt aufschlagen.
Nachdem wir uns alle akklimatisiert haben, mache ich mir einen Tee und bringe Sara einen nach draußen. Wir sitzen sehr lange da und unterhalten uns, während Libero gleich zwei große Hunde auf der riesigen Wiese spielerisch auf Trab hält.
Inzwischen scheint wieder die Sonne. Aber nun ist es zu spät, noch nach Finisterre weiterzuziehen. Obgleich man es von hier aus sehr gut sehen kann. Es sind halt nur noch wenige Kilometer.
In dieser Herberge wird für alle gekocht. Und so sitzen wir einige Zeit später zusammen an einem langen Tisch und essen eine gut tuende Suppe.
Nachdem ich mich – wie fast alle – am Abwasch beteiligt habe, gehe ich nach oben, um noch zu duschen und mich bettfertig zu machen.
Vom Fenster unseres Schlafraumes mache ich noch ein Foto von den Lichtern Finisterres und gehe ins Bett.

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