Camino Francés (Tag 13)

 

Burgos → Hontanas


 → 30,7 Kilometer
↑ 58 Meter

Dienstag, 13.05.2008

 

Meseta
Meseta

Eigentlich wollte ich ja, wie immer, den allmorgendlichen Trubel abwarten, bevor auch ich mein Bett verlasse, aber das sieht der Herbergsvater anders: Er glaubt mich durch einen kräftigen Klaps auf meine Schulter wecken zu müssen.
Es ist 7:30 Uhr. Das Wetter ist entwicklungsfähig – in alle Richtungen.
Im nächsten Ort, der leider kein Café hat, aber dafür eine kleine Bäckerei, besorge ich mir noch ein Baguette und ein komplett von Schokolade ummanteltes Blätterteig-Gebäck, das sich unbedingt als wiederholenswert erweist!
Das Baguette bereite ich mir kurze Zeit später auf einem Baumstumpf sitzend zu.
Als ich wieder aufstehe, traue ich meinen Füßen nicht! Das kann doch nicht sein!? Nach 300 Kilometern? Und warum??? Ich ziehe meine Schuhe aus und… tatsächlich: Da sind sie, die, von denen ich langsam sicher war, von ihnen verschont zu bleiben: Blasen – gleich drei Stück! Aber warum? Meine Schuhe sollten doch wohl langsam eingelaufen sein. Und Beschwerden hatte ich bis eben auch keine. Also erste Hilfe-Kasten ausgepackt und OP gestartet. Als ich gerade dabei bin, zieht eine weitere Pilgerin an mir vorbei, aber nicht, ohne mich nach meinem Befinden zu befragen und ob sie helfen könne. Ich lehne dankend ab. Als ich fertig bin, heißt es: Immer schön in den Schmerz hineinlaufen, denn seine Gangart zu ändern soll ja noch viel verheerender sein. Einfacher gesagt…!
Später hole ich die hilfsbereite Pilgerin wieder ein. Sie heißt Anette. Wir kommen ins Gespräch und kehren im nächsten Dorf in eine Bar ein (→ SV). Gerade rechtzeitig zum einsetzenden Regen. Das nützt uns allerdings herzlich wenig, da wir ja auch irgendwann wieder weiter müssen. Und so starten wir in den Regen und die Tourigrinos, die die Bar übervölkerten, in ihre bereitstehenden Busse.
Die Niederschläge werden mal mehr mal weniger und hören zwischendurch auch immer wieder ganz auf, und zwar gerade so, dass der recht kräftige Wind es schafft, die Klamotten trocken zu blasen, nur, damit der dann direkt wieder einsetzende Regen sie aufs Neue tränken kann.

Hontanas
Hontanas

Aber kurz vor unserem Zielort gibt es dann absolut kein Erbarmen mehr: Der Himmel wird schwarz. Es zucken Blitze durch die Wolken, und das Wasser ergießt sich in dicken, schweren, kalten Tropfen über uns. Auch die Schuhe, die bis eben noch durchhielten, geben ihre Barrieren komplett auf. Mit quatschenden Füßen und völlig durchtränkten Klamotten und Rucksäcken betreten wir Hontanas – als letzte. Die etwas komfortableren Herbergen, die man sich unter diesen Umständen dann doch gewünscht hätte, sind längst voll. Nur die städtische hat noch ein paar Betten in einem separaten Gebäude.
Annette will etwas Besseres und sich darum bemühen. Ich will erst mal nur raus den Klamotten. Wir ziehen noch mal durchs Dorf und treffen dabei auf eine Einwohnerin. Annette bittet sie, ihr ein Hotelzimmer im nächsten Ort und ein Taxi dorthin zu ordern.
Ich lehne dankend ab und verabschiede mich von ihr.
Für eine heiße Dusche muss ich zwei Straßen weiter ins Hauptgebäude und dort dann eine Viertelstunde warten, damit das Wasser wieder warm wird. In dieser Zeit drapiere ich meine Klamotten über einem kleinen Ofen an der „Rezeption“. Die Duschen sind ziemlich spartanisch, aber warm!
Als ich wieder herauskomme, sitzt da die junge Frau von der Rezeption und hält meine buchstäblich dampfenden Socken über den Ofen. Ich denke, es ist fast ausschließlich Wasser…
Das Pilgermenü nehme ich mit einem Spanier, einem Australier und einer Dänin, der ich bereits bei meinem Frühstück in den Pyrenäen begegnete, an einem Tisch ein. Der Australier berichtet, er hätte einen Schweizer kennengelernt, der bei sich zu Hause gestartet sei. Dieser habe ihm unter anderem von einem Deutschen erzählt, mit dem er in Torres del Rio interessante und nette Gespräche geführt hätte. Ich denke, ich kenne sowohl den Schweizer als auch den Deutschen…
Verständlicherweise ziehe ich mich heute sehr zeitig ins Bett zurück. Zurück in einen dunklen, kalten und feuchten Raum, in dem es von der Decke auf eine der Bettkanten tropft. Ich versuche mich mit den noch trockenen Teilen meines Schlafsackes zu arrangieren, denn den hier ausliegenden Wolldecken traut man in jeder Hinsicht so einiges zu…
Wenn ich morgen noch lebe, dann kann mich nix mehr umhauen!

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