Camino Francés (Tag 23)

 

Astorga → Rabanal del Camino


 → 21,5 Kilometer
↑ 263 Meter

Freitag, 23.05.2008

 

Santa Catalina de Somoza
Santa Catalina de Somoza

Auch, wenn sich so langsam wieder ein paar nette Bekanntschaften in meinem engeren „Lauffeld“ entwickelt haben, breche ich auch an diesem Morgen allein auf.
Am Vorabend hatten wir alle noch jeder für sich beschlossen, eine von diesen Confiserien mit den verführerischen Auslagen aufzusuchen – immerhin war Astorga mal DIE Schokoladenstadt Spaniens… – aber leider machen uns da die Öffnungszeiten einen Strich durch die Rechnung.
Auf dem Plaza España treffe ich Claudio, der noch eine Geldanweisung erledigen muss, und schon kurze Zeit später habe ich diesen recht populären Ort, der sich leider nur von seiner verregneten Seite gezeigt hat, verlassen.
Zeitgleich mit mir ist auch mal wieder eine stattliche Reisegruppe aufgebrochen, die aber wegen obligatorischer Organisations-Orgien erst mal zurückbleiben muss.
Als ich schon wieder eine ganze Weile von weiter Landschaft umgeben bin, erblickte ich in der Ferne seitlich vom Weg ein kleines Dorf. Ich bin mir sicher, dass dies in einem Sonnenkegel ein sehr attraktiver Anblick sein dürfte. Leider hängen aber mehr Wolken am Himmel, als dieser überhaupt an Fläche zu bieten hat. Trotzdem bleibe ich stehen und fordere etwas übermütig, dass ich erst weitergehe, wenn ich diese Ortschaft im Sonnenlicht gesehen habe. Und nach gut drei oder vier Minuten geschieht tatsächlich das fast Unmögliche. Ich mache völlig begeistert ein paar Bilder und ziehe weiter durch eine Gegend, die von nun an fortwährend in sehr fotogene Licht- und Farbenspiele getaucht ist. Gelber Ginster, rote Erde, violette Irgendwasblumen sowie blauer Himmel und unterschiedlichste Wolkenarten machen dieses 360°-Panorama extrem reizvoll.
Aber nicht nur die Landschaft ist so attraktiv, auch die Dörfer, die hier im Abstand von rund 6, 7 Kilometern aufeinanderfolgen, sind malerisch. Folglich gibt es in dem ersten mein Frühstück und in jedem weiteren entweder Kaffee oder Tee. Ich habe ja Zeit. Nach diesem Motto beschreiten auch die beiden Norwegerinnen den Weg. Und so ergibt es sich, dass wir in jedem Dorf wieder aufeinander treffen. Ein Phänomen, das sich noch zum buchstäblichen „Running-Gag“ entwickelt. Das, was IN den Bars so zur Unterhaltung läuft, überrascht manchmal etwas. Während in meinem Frühstücks-Café „Alarm für Cobra 11“ auf Spanisch auf dem Flachbildschirm an der Wand flimmert, dröhnt in einem anderen Metal-Musik aus den Boxen.

Santa Catalina de Somoza
Santa Catalina de Somoza

Trotz meiner Querelen habe ich mich schon seit vielen Tagen darauf gefreut, wieder in ein Gebirge zu kommen. Und nun ist es endlich soweit. Am Anfang befinde ich mich noch in einem weiten Tal, welches aber bereits von einer gewaltigen Gebirgskette umgeben ist. Diese wird durch teilweise tief hängende, dunkle Wolken betont, die sich überall auf deutlich sichtbare Regensäulen zu stützen scheinen. Trotzdem brechen sich um mich herum immer wieder Sonnenstrahlen ihren Weg und machten das Ganze zu einem eindrucksvollen Naturschauspiel. Das letzte Mal, dass ich auf dem Camino von solch einer Hochstimmung belebt wurde, ist genau drei Wochen her: am Anfang in den Pyrenäen.
Das alles täuscht aber natürlich nicht über die Tatsache hinweg, dass man bei so viel Wasser um einen herum auch selber irgendwann nass werden muss. Davon lasse ich mich aber nicht beirren und ziehe an einer einladend wirkenden Herberge nach der anderen vorbei.
Also beklage ich mich auch nicht, als sich dann alle Schleusen über mir öffnen, und der starke Gegenwind den Regen waagerecht auf mich zuprasseln lässt.
Viel schneller als erwartet erreiche ich Rabanal del Camino, das sich dann wieder in herrlichem Sonnenschein präsentiert.
Wie sich nach kurzer Zeit herausstellt, sind auch Marco und Simon in meinem Zimmer untergekommen, und wir verbringen den Nachmittag und Abend gemeinsam. Unser Essen kochen wir uns heute mal selbst. Im Kaminzimmer nebenan trocknen bei schätzungsweise 40°C unsere Klamotten.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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