Camino Francés (Tag 03)

 

Roncesvalles → Larrasoaña


 → 26,5 Kilometer
↑ 483 Meter

Donnerstag, 03.05.2008

 

Auf dem Weg
Auf dem Weg

Es ist genau 6:00 Uhr, als der Raum sich mit gregorianischem Gesang erfüllt. Halb im Schlaf glaube ich wirklich eine Zeit lang, es würde sich um die selben Herren von der Pilgermesse des Vorabends handeln. Bei meinem Gang zur Toilette stelle ich dann aber fest, dass ein tragbares CD-Radio in einer Halle wie dieser wahre akustische Wunder vollbringen kann.

Der Nachteil an großen Schlafsälen ist nicht die Nacht darin, sondern der Tag danach: Während ich erstaunlich gut geschlafen habe, ist es nach dem Start und eigentlich auch im Verlaufe des gesamten Tages kaum möglich, eine größere Distanz als 50 Meter zu einem nächsten Pilger zu bekommen. 120 Menschen „verlaufen“ sich nicht so schnell, auch nicht, wenn der Aufbruch sich über ca. 3 Stunden verteilt.

Aber es gibt Schlimmeres! Zum Beispiel, wenn man immer noch keine Gelegenheit bekommen hat, ein wenig Proviant zu besorgen. In Roncesvalles gibt es jedenfalls keine Einkaufsmöglichkeiten. Und auch die nächste Ortschaft bietet nur ein Café (→ SV). Aber wenigstens gibt es hier schon mal etwas mehr als nur „süße Brote“. Also frühstücke ich erst mal ausgiebig und lasse mir außerdem noch ein weiteres Baguette für den Weg fertigmachen.

Der Verpflegungsengpass ist leider nicht mein einziges Problem: Mein rechter Fußknöchel, der sich von Anfang an nicht so richtig mit meinem Schuh arrangieren will, macht sich immer mehr bemerkbar.
Die andere Sorge ist das langsam zur Neige gehende Geld. Bei meinen Vorab-Recherchen hieß es immer wieder, dass Supermärkte und Geldautomaten ausreichend und regelmäßig vorhanden wären. Fragt sich nur ab wann!?
Ab ca. 10 km weiter. Zumindest einen kleinen Laden gibt es dort. Danach bin ich erst mal um Bananen, Müsliriegel und eine Orange reicher. Aber eben auch um weiteres Geld ärmer…
Dies trübt meine Stimmung aber nur marginal, denn das Wetter ist unverändert schön. Und auch die Pilgerdichte lässt dann doch noch auf einigen Abschnitten so nach, dass man sich einbilden kann, allein unterwegs zu sein.

Puente de la Rabia in Zubiri
Puente de la Rabia in Zubiri

Wenn ca. 120 Menschen in einem Ort starten und sich auf zwei folgende Orte verteilen, in denen aber jeweils nur eine relativ kleine Herberge vorhanden ist, dann gibt dies ein wenig Anlass zur Sorge. Zu Recht. Zwar kann ich kein Wort Spanisch aber das, was die Herbergsmutter meiner Zielunterkunft (→ SV) in Larrasoaña da hektisch von sich gibt, ist auch für mich verständlich: Ich solle eine Pension am anderen Ende des Ortes aufzusuchen (→ SV), und wenn ich mich beeile, habe ich eventuell noch eine Chance auf ein Bett.
Auf dem Weg dahin treffe ich Ralf, einen Pilger um die 40 und ich informiere ihn über die Situation. Somit laufen wir gemeinsam zu dem kleinen Haus am Ende der Straße.
Auf der Treppe vor dieser noch verschlossenen Pension sitzen bereits 8 oder 10 erschöpfte Rucksackträger.
Aber der Besitzer macht noch ein paar Etagenbetten im Keller klar und mit meinen letzen 10,- Euro bin ich dabei.
Alle weiteren benötigten Gelder dieses Tages legt Ralf für mich aus, der mich obendrein auch noch zu einem Bier einlädt.
Unser Pilgermenü nehmen wir in der ortseinzigen Gaststätte in Gesellschaft aller fünf Kontinente an einem Tisch ein.
Die nach uns eintreffenden Pilger müssen sich wohl oder übel Taxis nehmen, die sie in das rund 16 km entfernte Pamplona bringen. Unserem Ziel für den nächsten Tag. Was tun mir diese Leute leid und was würde ich mich ärgern, nur wegen Bettenmangels ein Verkehrsmittel nehmen zu müssen.
Manchmal ist es doch gut, wenn man nicht in die Zukunft blicken kann…

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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