Camino Francés (Tag 37)

 

Finisterre → Finisterre


 → 31,1 Kilometer
↑ 245 Meter

Freitag, 06.06.2008

 

Luxusküche
Luxusküche

Wir beschließen mit mehreren Leuten, in einem Café direkt am Hafen zu frühstücken.
Dort sitzen wir ziemlich lange auf der Terrasse und genießen das perfekte Wetter. Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Die Sachen werden zusammengepackt, einige Mailadressen ausgetauscht, und es heißt endgültig, Fabienne tschüss zu sagen.
Wir drücken uns noch mal kurz, und dann macht sie sich auf in Richtung Bushaltestelle.
Da wir beide gut darauf verzichten können, den Abschied in die Länge zu ziehen, bringe ich sie nicht mehr bis dahin, sondern mache mich auf zum Strand, wo mich dann das vorprogrammierte „Loch“ erwartet.
Lange kann ich da allerdings nicht verweilen, weil ich mit Celia, Richard sowie einer weiteren Deutschen um die 50 verabredet bin, um bei dem Laden, von dem mir der Schweizer erzählte, unser Apartment klar zu machen.
Auf dem Weg dorthin treffe ich auf Heather. Sie fragt, ob ich sie mit zum Café begleiten möchte, wo Karen bereits auf sie wartet. Da ich noch ein paar Minuten habe, nehme ich das Angebot gern an.
Als ich das Café wieder verlasse, sehe ich noch, wie Fabienne in ihren Bus einsteigt. Ich schicke ihr eine SMS mit guten Wünschen für die Fahrt, den Tag in Santiago und ihren Rückflug.
Kurze Zeit später trotte ich zusammen mit meinen neuen Mitbewohnern einer älteren Dame hinterher – einmal quer durch das kleine Städtchen. Am Ziel angekommen, öffnet sie uns die Tür zu einem Apartment, dass sich in der Tat sehen lassen kann: Drei Schlaf- und ein Wohnzimmer, eine riesige Küche sowie ein Bad erwarten uns. Das alles für nur 12,50 € pro Person.
Später mache ich mich dann auf den Weg etwas loses Waschpulver aus der Herberge zu besorgen, da eine ganze Packung sich wohl kaum lohnen wird.
Die Herberge hat noch zu. Aber es sitzen bereits einige neue Pilger davor. Darunter auch die Italienerin. Ich setze mich zu ihr auf einen Fenstersims. Als wir uns schon eine ganze Weile unterhalten haben, guckt mich eine junge Pilgerin an, die ein Stückchen weiter weg steht, und sagt plötzlich zu mir: „Jetzt erkenne ich dich erst!“
Ich schlucke, da ich das im Moment so gar nicht erwidern kann.
„Sorry, aber ich stehe da wohl im Moment etwas auf dem Schlauch…“
„Du hast mir vor ein paar Wochen in Castrojeritz bei meiner Blasen-Op geholfen!“
Meine Gedanken rotieren. Ich habe inzwischen schon so viele dabei unterstützt, und ich weiß meistens nicht mal mehr, wie der Ort vom Vortag heißt…!
Von daher benötige ich noch ein paar weitere Hinweise, und dann fällt es mir endlich siedend heiß ein, und ich kann es fast nicht glauben! „Ach, die Kölnerin!!!“ und ich freue mich total über dieses Wiedersehen. Immerhin ärgerte ich mich einst darüber, dass sie aufgrund ihres damaligen Handicaps nicht mit mir weiterziehen konnte.
Es folgt ein lebhaftes Gespräch. Unter anderem erzählt sie, Isabell, mir von einem Erlebnis, bei dem sie in einer Herberge irgendwo in der Pampa zufällig wieder mit jemanden zusammen unterkam, mit dem sie einige Zeit zuvor bereits auf diesem Weg unterwegs war.
„Der müsste jetzt auch in nächsten Minuten hier eintreffen.“
Darauf hin berichte ich ihr von meiner ähnlichen Geschichte mit Marco und der Zweierkabine. Was wir beide nicht wissen: Wir reden von ein und derselben Person!
Als ich nämlich irgendwann auf meine teuren Flugtickets zu sprechen komme, meint sie plötzlich: „Ach, dann bist du DER Stefan! Dann kennst Du den Marco ja auch. Der hatte mir nämlich davon erzählt.“
Von meiner Geschichte mit dem „Cruz de Ferro-Flopp“ hat sie ebenfalls gehört – allerdings aus einer anderen, mir unbekannten Quelle. Die kleine Welt des Caminos!
Kurze Zeit später trifft dann tatsächlich auch Marco ein. Er traut seinen Augen nicht, als er mich neben „seiner“ Kölnerin, sitzen sieht.

ein Abend am Strand
ein Abend am Strand

Ich schlage den beiden vor, mich schnell mal schlau zu machen, ob unser drittes Schlafzimmer noch frei ist, dann könnten die beiden ja ebenfalls bei uns unterkommen. Sie sind begeistert von der Idee, aber leider stellt sich heraus, dass sich da zwischenzeitlich, für diese Nacht, eine andere Pilgerin einquartiert hat. Aber ab morgen würde das gehen.
Da wir somit für diese Nacht noch mal in getrennten Domizilen verbringen, verabreden wir uns zum Frühstück am für mich schon obligatorischen Ort.
Nach einem wieder mal von Richard bereiteten Abendessen, macht sich unsere WG auf den Weg an den Strand an der Westseite vom Cap, um von dort den Sonnenuntergang zu beobachten.
Über 1 ½ Stunden sitzen wir vier einfach nur da auf einem Felsen und genießen den Anblick. In der ganzen Zeit sagt keiner auch nur ein Wort.

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