Camino Francés (Tag 38)

 

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Samstag, 07.06.2008

 

vor unserem Fenster nistende Möwen
vor unserem Fenster nistende Möwen

Normalerweise bin ich es bei Schnarchern gewohnt, dass man diese durch ein kleines Geräusch oder ein leichtes Anstoßen zumindest für einige Sekunden oder gar Minuten zu einer Auszeit bewegen kann. Aber dieses Gesetz hat bei meiner aktuellen Bettnachbarin leider so gar keine Gültigkeit. Dementsprechend dankbar bin ich, als die Nacht dann endlich vorbei ist. Trotzdem ist es bereits 9:00 Uhr, als ich das Haus verlasse, während der Rest meiner WG noch schläft.
Für das verabredete Frühstück hatten wir keine Zeit abgemacht. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass Isabell und Marco damit schon durch sein dürften, denn in einer Herberge kann man nun mal nicht bis 8:30 oder gar 9:00 Uhr im Bett bleiben. Und so ist es dann auch. Die Beiden kommen mir bereits entgegen, weil sie jetzt auf den Markt wollen, der aber, wie sich herausstellt, heute gar nicht stattfindet. Also begleiten sie mich wieder zu dem Café und bestellen mit mir ihr zweites Frühstück.
Danach raffen die beiden ihre Sachen zusammen und ziehen ebenfalls bei uns ein.

Das Wetter ist weiterhin bilderbuchmäßig. Allerdings haben wir erfahren, dass dies auch hier noch bis wenige Stunden vor der Ankunft von Fabienne und mir, seit Wochen saumäßig gewesen sein soll.
Irgendwann beschließen Isabell und Marco, an den Weststrand zu gehen. Da ich nicht so der Strandmensch bin, drehe ich eine Runde durch den Ort. Dabei treffe ich noch mal kurz auf Frank und Martin, bevor auch sie den heutigen Bus nach Santiago betreten.
Ich muss feststellen, dass die Luft nun langsam raus ist. Man ist angekommen. Es gibt keine Strecken mehr zu bewältigen, keine neuen Landschaften zu entdecken und keine neuen Menschen mehr kennenzulernen. Ich habe keine Lust mehr, mich über die tieferen Bedeutungen des Caminos und seine „magischen Eigenschaften“ zu unterhalten. Ich habe keine Lust mehr Englisch zu sprechen und verstehe es auch irgendwie nicht mehr so gut!? Der Weg ist zuende.

Westseite vom Cap
Westseite vom Cap

Zwischendurch schaue ich immer wieder mal bei der Herberge vorbei und gehe Richtung Ortseingang, in der leisen Hoffnung, dass noch das eine oder andere bekannte Gesicht eintreffen könnte. Aber es kommen nur noch unbekannte Pilger an. Also schlendere ich doch noch mal zum Weststrand.
Später sitzen wir wieder vor unserem Lieblingscafé. Dort fasse ich den Beschluss, morgen nach Muxía zu laufen und erzähle den Beiden davon. Nach kurzem Zögern sagt Isabell plötzlich, die bis vor Kurzem noch schwor, dass sie keinen Schritt mehr wandern würde: „Ok, dann komme ich mit!“ Marco wollte eventuell eins, zwei Tage später diese Tour machen. Aber unter diesen Umständen disponiert auch er um, und es ist binnen einer Minute beschlossene Sache: Am nächsten Tag werden wir zusammen noch mal runde 30 Kilometer laufen.
Nur aufgrund dieser Aussicht katapultiert es mich umgehend aus meinem Loch. Großartig! Am nächsten Tag werden wir den Camino noch mal wieder aufleben lassen!

Am Abend bereitet uns Richard ein unglaublich gutes Abendessen zu. Mit dabei: selbst gesammelte Muscheln und als Nachtisch: mit Schokolade überbackene Bananen, von denen keiner genug bekommen kann.
Im Anschluss begeben wir uns wieder zum Weststrand zu einem weiteren Sonnenuntergang – allerdings ohne Marco und Isabell, da diese heute sozusagen ihren Abschluss- ihren Cap-Abend vollziehen.
Zu entsprechend später Stunde treffen wir alle wieder in unserer Küche zusammen. Es kommen sogar noch zwei weitere Pilger hinzu: Ein Matthias und die Hamburgerin, mit der ich einst zusammen mit den beiden Norwegerinnen abends essen war. Dank Wein und der ohnehin schon sehr angenehmen Stimmung, wird es noch ein sehr schöner, geselliger Abend.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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