Camino Francés (Tag 39)

 

Finisterre → Muxía


 → 28,8 Kilometer
↑ 170 Meter

Sonntag, 08.06.2008

 

alt vertrautes Caminowetter
alt vertrautes Caminowetter

An diesem Morgen merkt man gleich an mindestens zwei Dingen, dass der Camino zuende ist: Erstens waren wir alle erst weit nach Mitternacht im Bett, und zweitens gibt es das Frühstück, zumindest für mich, das erste Mal in dem Haus, indem ich auch übernachtet habe. Zudem bereiten wir uns unsere Bocadillos selber zu. Wir backen die Baguettes sogar noch auf.
Als wir damit durch sind, steht auch der Rest unserer WG auf. So können wir uns noch von ihnen verabschieden, ehe wir aufbrechen.
Das Wetter gibt sich alle Mühe, uns noch mal einen Caminotag der gewohnten Art zu bereiten: Es ist windig, kalt und regnet, was nach den letzten Tagen absolut absurd wirkt!
Trotzdem ziehen wir erst mal los. An dem Strand, über den wir in Finisterre eingetroffen sind, machen wir uns im Nieselgestöber auf die Suche nach Jakobsmuscheln. Allerdings finden wir nur andere Sorten.
Wir beschließen, uns erst mal in einem nahegelegenen Café niederzulassen und abzuwarten.
Die Stimmung ist trotz des Wetters sehr gut, und wir sind optimistisch, doch noch losziehen zu können. Auf einem Fernseher über uns an der Wand läuft irgendein Gruselfilm. Aber das, was sich da zurzeit draußen abspielt, ist definitiv unheimlicher. Inzwischen gießt es!
Irgendwann erfahren wir, dass demnächst direkt vor der Tür der Bus nach Muxía abfahren soll. Bei einem Blick aus dem Fenster ist es uns gerade noch möglich, dies zu bestätigen…
Wir warten noch eine Weile, und als der Regen etwas nachlässt, riskieren wir es einfach. Wir hatten in den letzten Wochen so viel Niederschlag, da wollen wir uns doch diesen letzten Tag davon nicht versauen lassen.

alte Getreidespeicher
alte Getreidespeicher

Als wir gute 20 Minuten aus Finisterre raus sind, wird der Regen wieder stärker. Wir laufen weiter. Und dann, nach gut einer weiteren halben Stunde, reißt der Himmel plötzlich auf, die Sonne kommt raus, es wird sehr warm und kurze Zeit später ist kaum eine Wolke mehr am Himmel.
Wir passieren viele kleine Dörfer, Felder und Wälder. Das Meer ist dabei fast immer in Sichtweite und unsere Laune so gut wie selten zuvor.
Bei einer Pause in einem Buswartehäuschen, holt uns irgendwann Frank ein. Er ist ein weiterer Camino-Bekannter von Isabell und Marco. Da wir mit unserer Rast gerade fertig sind, ziehen wir zunächst ohne ihn weiter. Als er dann einige Zeit später wieder aufschließt, bestreiten wir den Weg von da an für einige Zeit als Quartett.
In einem weiteren Ort suchen wir gemeinsam ein Café auf.
Direkt hinter dem Dorf fängt wieder ein Wald an, der von einem kleinen Fluss durchquert wird. Im Wanderführer steht bereits geschrieben, dass dessen Überquerung recht abenteuerlich und bei Hochwasser auch nicht ungefährlich ist. Und tatsächlich gilt es hier zebrastreifenähnliche Steinquader, die unter der stark strömenden Wasseroberfläche liegen, als „Brücke“ zu benutzen. Besonders spannend sind die Lücken, die es da inzwischen teilweise gibt. Allerdings machen gerade die bei dieser willkommenen Abwechslung den größten Spaß, da wir an den Stellen bis zu den Knien in die wirklich recht starke Strömung eintauchen müssen. Kaum haben wir diese Prüfung erfolgreich bestanden (nicht so mein Wanderführer, der hat in der Seitentasche meiner Hose etwas gelitten), da wartet das nächste Level auf uns: Orangen-Pflücken.
Da ich beim Klettern schon immer als Erster „hier“ geschrien habe, hänge ich keine Minute später in einem der Bäume und schüttel so gut ich kann, während die Drei unten die herunterfallenden Früchte auffangen. Uns haben Orangen noch nie zu gut geschmeckt. Und die sind wirklich gut!
Vorab hatten wir von diversen Seiten gehört, dass der Weg nach Muxía fast nicht gehbar sei. Allerdings weniger seines Zustandes wegen, als viel mehr, weil es so gut wie keine Wegweiser gäbe. Wir haben auf dem gesamten Camino selten so viele Monolithen gesehen, wie auf dieser Strecke!
Irgendwann trennen wir uns erst mal wieder von Frank und laufen voraus.

alt kurz vor Muxía
kurz vor Muxía

Bei unserem Eintreffen in Muxía sind unsere Laune und das Wetter, auch nach über 30 Kilometern, immer noch bestens.
Auch am Ziel ändert sich nichts daran, obgleich der Architekt unserer Herberge (→ SV) sich offenbar alle Mühe gegeben hat, für eine möglichst depressive Stimmung zu sorgen. Es handelt sich bei dem Gebäude um einen Traum in Sichtbeton mit flachen, hochgelegen Fenstern in den entsprechend dunklen Schlafräumen. Aber wir haben ein 8-Bettzimmer fast für uns (bis auf eine weitere Person). Auch im Rest des Hauses scheint nicht all zu viel los zu sein. Es laufen wohl nicht mehr so viele bis hier her.
Nicht nur unsere Unterkunft, sondern die ganze Stadt wirkt eher schlicht und irgendwie etwas skandinavisch.
Nachdem uns die Preise im ersten Restaurant am Hafen sofort wieder von unseren Plätzen raus auf die Straße katapultieren, suchen wir nur weniger Meter weiter ein etwas preiswerteres Lokal auf. Hier holt uns auch Frank wieder ein.
Isabell und ich beschließen, Morgen den 7:30-Uhr-Bus nach Santiago zu nehmen, um dann dort noch die bisher versäumte Pilgermesse wahrzunehmen.
Marco und Frank wollen dann mit dem Mittags-Bus nachkommen.

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