Camino via Podiensis (Tag 01)

 

Hamburg → Le Puy-en-Velay (Anreise)


 → ca. 1.000 Kilometer
↑ ca. 10.000 Meter

Mittwoch, der 07.07.2010

 

Le Puy-en-Velay
Le Puy-en-Velay

Mein Flug startet pünktlich und erreicht Lyon ebenfalls ohne Verspätung. Meinen Rucksack kann ich buchstäblich im Vorbeigehen vom Gepäckband greifen, und auch das Busticket für den Weg ins Lyoner Zentrum erwerbe ich ohne Probleme. Lediglich für das Zugticket nach Le Puy muss ich mich für einige Minuten an einen Schalter anstellen. In St. Etienne gilt es noch mal den Zug zu wechseln, und dann geht es auf dem direkten Weg nach Le Puy-en-Velay. Kurz: Es liegt eine angenehme, komplikationslose Anreise hinter mir, als mein Zug auffällig lange in dem Bahnhof einer kleineren Stadt steht, und immer mehr Fahrgäste die Wagen verlassen. Offenbar wissen diese mehr als ich, was daran liegen kann, dass sie die immer wiederkehrenden französischen Ansagen verstehen – ganz im Gegensatz zu mir. Aber ich bin mir nicht mal sicher, ob ich etwas verstehen würde, wenn die Informationen auf Deutsch wären. Genaugenommen mischt sich da ab und zu nur so etwas wie eine menschliche Stimme in das sehr dominante Dröhnen der Dieselmaschinen.
Ein paar Fahrgäste bleiben aber noch sitzen, und da ich eh keine bessere Idee habe, warte auch ich geduldig ab. Mir schräg gegenüber sitzt eine ältere Dame. Neben ihr befinden sich zwei Katzen in einer Transportbox. Sie spricht mich an, aber leider verstehe ich auch sie nicht. Also wiederholt sie das Gesagte noch einmal. Leider weiß ich nicht einmal, was „ich spreche kein Französisch“ heißt. Aber dann bemerke ich, dass sie englisch mit mir spricht – oder so etwas in der Art. Und so erfahre ich, dass sich die Weiterfahrt wohl um zusätzliche 45 Minuten verzögert.
Na denn.
Und tatsächlich setzt der Zug seine Fahrt nach insgesamt über 1 ½ Stunden durch eine sehr malerische Landschaft fort.
Als ich dann endlich in Le Puy ankomme, ziehe ich wie von einem Magneten gezogen, als würde ich diesen Weg täglich laufen, durch die Gassen der Altstadt ohne Umwege zur städtischen Herberge (→ SV). Das nützt mir allerdings recht wenig, da ich, als ich dort ankomme, nur noch erfahre, dass es keine freien Betten mehr gibt. Aber ich bekomme zwei Empfehlungen für weitere Unterkünfte und die entsprechende Wegbeschreibung. Ich folge dieser und komme kurz darauf in einer anderen Pilgerherberge unter. Ich hatte mich bereits vorab darauf eingestellt, dass der französische Camino finanziell um einiges anspruchsvoller wird als die vorangegangenen. Von daher schocken mich die eher ungewöhnlich hohen 17,50 € für die Nacht nicht weiter. Was mich dann aber sehr überrascht ist, dass ich dafür ein Einzelzimmer mit eigenem Waschbecken und vor allem separatem Zugang von der Gasse aus bekomme. Über diesen verlasse ich das Etablissement auch sehr bald wieder, um noch etwas zu essen zu bekommen.

Kathedrale von Le Puy-en-Velay
Kathedrale von Le Puy-en-Velay

Es ist bestes Wetter, und so sitze ich kurz darauf draußen vor einem Restaurant (→ SV) zusammen mit einigen Franzosen, die gerade das Halbfinale zwischen Spanien und Deutschland verfolgen. Da Frankreich gerade ein paar Tage zuvor gegen Deutschland rausgeflogen ist, halte ich es erst mal für klüger, meine Nationalität etwas zu bedecken. Allerdings gelingt mir das offenbar nicht wirklich, was aber kein Problem ist, da die Leute um mich herum anscheinend pro Allemagne eingestellt sind.
Der Ober präsentiert mir die möglichen Speisen auf einer Tafel und gibt mir dabei die Empfehlung für ein bestimmtes Menü. Ich verstehe, dass es sich wohl um so etwas wie ein Steak handelt. Ja, warum nicht. Aber da ist noch etwas, dass er von mir wissen möchte. Leider habe ich überhaupt keine Idee, was das sein könnte. Erst, als er seine flache Hand vor mir in die Luft hält, diese dreht und dabei kurze und lange Zischlaute von sich gibt, verstehe ich und bestätige ihm mit einem mittellangen Zischen, dass ich das Steak gern medium hätte. Er versteht und zieht wieder von dannen.
Nachdem ich gesättigt und zufrieden das Lokal wieder verlasse, drehe ich noch eine kleine Runde durch die um diese Zeit sehr ruhige Altstadt und genieße die laue Abendluft sowie die Tatsache, dass ich wieder am Beginn eines weiteren Caminos stehe.

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