Camino via Podiensis (Tag 09)

 

Estaing → Le Soulié


 → 21 Kilometer
↑ 330 Meter

Donnerstag, der 15.07.2010

 

irgendwo
irgendwo

Da wir alle so gegen 6:30/7:00 Uhr aufgestanden sind, haben wir noch ein wenig Zeit bis zum Frühstück um 7:30 Uhr. Diese verbringen Jennifer und ich draußen vor der Tür des Klosters. Der Himmel ist ziemlich grau, und es sieht ein wenig nach Regen aus.
Ebenfalls vor dem Frühstück begeben wir uns alle noch mal in den Gebetsraum zum gemeinsamen Singen – auf Französisch…! Was mich mit reinem Gewissen zum Zuhörer degradiert.
Als ich nach dem Frühstück gerade dabei bin, meine letzten Sachen zusammenzupacken, kommt Jennifer zu mir ins Zimmer und lässt mich wissen, dass sie schon mal loszieht. Außerdem merkt sie noch an, dass wir uns dann ja spätestens heute Nachmittag in der Herberge oder sehr wahrscheinlich bereits vorher in einem Café treffen.
Ich bin etwas überrascht, da ich eigentlich davon ausging, dass wir zusammen laufen würden, was ich auch gern gemacht hätte. Aber so ist es auch ok. Und so ziehe ich ebenfalls kurze Zeit später los, aber nicht ohne noch von den Damen und den Herren des Klosters persönlich verabschiedet zu werden.
Das Wetter hat sich zwischenzeitlich von grau in blau verwandelt, und es verspricht ein schöner Tag zu werden. Das Sonnenlicht bricht durch die Baumkronen und fällt auf den asphaltierten Weg, der sich oberhalb der Lot entlang schlängelt. Das Einzige, was meine Sinne – genaugenommen meinen Geruchssinn – im Augenblick etwas trübt, sind die Ausdünstungen meiner Klamotten. Diese habe ich zwar gestern im Kloster gewaschen, aber leider nur mit lauwarmen Wasser und etwas Duschgel… Und nun dünsten sie immer noch diesen seltsam süßlichen Geruch aus, den synthetische Funktionskleidung nach einiger Zeit an den Tag legt. Aber das beeinflusst den weiteren Weg nicht wirklich. Im Gegenteil: Ich genieße einen wunderbar angenehmen Abschnitt in einer wieder mal idyllischen Landschaft.
Als ich dann eine kleine Ortschaft erreiche, in der es meinen Café au lait geben soll, sitzt vor einer kleinen Bar Jennifer mit Agnes, einer jungen Französin, die auch schon die letzte Nacht mit uns im Kloster übernachtete. Ich geselle mich dazu. Von hier hat man einen faszinierenden Ausblick auf die umliegende Landschaft. Agnes überlässt mir die Reste ihres Roastbeefs. Wir sitzen und essen dort recht lange, ehe wir dann gemeinsam weiterziehen.

irgendwo Nr. 3
irgendwo Nr. 3

Es sind gerade mal noch 6 oder 7 km zu laufen, als wir plötzlich auf einen Tisch stoßen, der unter einem Sonnenschirm am Wegesrand steht. Auf ihm sind einige Flaschen und Thermoskannen sowie Becher drapiert. Und dann realisieren wir, dass dieses Arrangement für Pilger zu der Herberge gehört, die wir als unser heutiges Ziel auserkoren hatten. Also betreten wir das schön gelegene Gelände. Ein Paar, etwa Mitte 40, heißt uns willkommen und bittet uns, in den Liegestühlen unter den Bäumen Platz zu nehmen. Sie bringen uns Getränke und gesellen sich dazu. Nur kurze Zeit später treffen in einigem Abstand zueinander auch Leo, eine ältere Frau sowie drei sehr junge Franzosen ein.
Als wir uns alle genug entspannt haben, führen die Besitzer dieses wunderbaren Etablissements Jennifer, Agnes, Leo und mich zu einem Gebäude in dessen Giebel sich ein 5-Bett-Zimmer befindet. Von hier haben wir einen großartigen Ausblick ins weite Tal.
Diese Unterkunft setzt definitiv neue Maßstäbe. Aber selbst diese werden noch mal getoppt, als uns der Herbergsvater anbietet, den weiter oben im Hang gelegenen Swimmingpool benutzen zu können. Und so finde ich mich kurze Zeit später in Gesellschaft von Jennifer und Agnes im angenehm kühlen Nass wieder.
Seinen Höhepunkt findet dieser Tag, als wir alle zusammen an einer langen Tafel unter den Bäumen Platz nehmen, und uns ein wunderbares Abendessen serviert wird. Das ganze Szenario findet im Abendlicht statt und wirkt wie aus einem der unzähligen Werbespots für französischen Frischkäse.

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