Camino via Podiensis (Tag 11)

 

Conques → Livinhac-le-Haut


 → 26,4 Kilometer
↑ 400 Meter

Samstag, der 17.07.2010

 

Blick zu rück auf Conques
Blick zu rück auf Conques

Um Punkt 7:00 Uhr überquere ich die alte steinerne Brücke, die sich am Ortsausgang von Conques befindet. Dies hatte ich bereits gestern schon einmal mit Jennifer bei unserem Rundgang durch die Stadt gemacht. Nun tue ich es wieder allein. Als ich heute Morgen in das Bett direkt neben dem meinen blickte, war dies schon leer.
Gleich hinter der Brücke zieht sich der Weg einen steilen und scheinbar nicht enden wollenden Berg hinauf. Fast kommt mir der Verdacht, dass dieser der Grund dafür sein könnte, warum viele Pilger ihren Camino in Conques beenden. Aber irgendwann komme ich dann doch oben an, und ungewöhnlicherweise geht es mal nicht gleich wieder ebenso steil bergab, sondern ich genieße eine wunderbare Aussicht auf das Umland. Wenngleich das Wetter sich heute von seiner etwas grauen Seite zeigt.
Irgendwann erreiche ich Decazeville. Von hier will Jennifer heute abreisen. Noch am Ortseingang verlässt sie einen kleinen Laden und steuert auf mich zu. Sie informiert mich darüber, dass die Tourinfo relativ weit von hier entfernt sei und ein Mann, der sich hier im Laden befindet, ihr angeboten hat, sie dort hinzufahren.
„Hmm. Also dann wohl keinen Abschiedskaffee mehr!?“, befürchte ich enttäuscht.
„Doch. Warum nicht? Ich kläre alle meine Sachen, und dann können wir uns gegen 13:00 Uhr vor der Kirche treffen, die man da im Zentrum sieht.“
„Ok, so machen wir das.“
Da es gerade mal 11:40 Uhr ist lasse ich mir Zeit und trotte ein wenig durch diese nicht sonderlich attraktive Stadt. Ich trinke noch einen Cafè au lait in unmittelbarer Nähe der Kirche (→ SV) und mache mich dann kurz vor eins auf den Weg, direkt rüber zur Notre-Dame de Decazeville. Zunächst setze ich mich vor den Eingang. Da sich dieser aber sozusagen auf der Rückseite des Gebäudes befindet, drehe ich ab und zu eine Runde, um sicher zu gehen, dass wir nicht an zwei verschiedenen Ecken warten.
Auf meiner Karte entdecke ich, dass sich der Bahnhof offenbar recht weit außerhalb der Stadt befindet, und als Jennifer gegen 13:30 Uhr immer noch nicht aufgetaucht ist, gehe ich davon aus, dass ihr die Abfahrtszeit des Zuges keinen Spielraum mehr gelassen hat, und ziehe enttäuscht weiter.

Bis zu der Herberge, von der Fabienne mir gestern erzählte, sind es nur noch wenige Kilometer.
Der Camino schlängelt sich einen weiterhin dicht besiedelten Berg hinauf. An einer Weggabelung komme ich genau auf eine Bank zu, auf der die deutschsprachige Pilgerin von gestern sitzt. Dementsprechend begrüße ich sie auf Deutsch. Sie ist überrascht, da sie bislang davon ausging, dass ich englischsprachig sei. Ich setze mich kurz zu ihr. Sie heißt Stefanie. Ich glaube, dass kann ich mir merken…
Ich erfahre von ihr, dass sie aus Bayern kommt und auch direkt dort im Mai gestartet ist. Bis Le Puy, so sagt sie, sei so gut wie niemand auf dem Weg gewesen. Aber danach hat sich dies doch erheblich geändert. Wir unterhalten uns noch einen Augenblick und brechen dann vorerst gemeinsam wieder auf. Allerdings kommen wir nur wenige 100 Meter weiter an der von mir anvisierten Herberge an. Da sie mit dem Schweizer bereits wieder im nächsten Ort verabredet ist (er erwartet sie da wahrscheinlich schon) zieht sie weiter. Genau das mache ich nur wenige Minuten später ebenfalls, da die Herberge hier noch geschlossen ist und ein Zettel in der Tür verrät, dass die Nacht hier 25,- € bzw 30,- incl. Frühstück kostet! Nö, dass muss nicht sein. Und ich hoffe mal, dass Fabienne und Co. das später auch so sehen werden. Dementsprechend dauert es nicht lange und ich hole Stefanie wieder ein.
Wir erreichen gemeinsam Livinhac-le-Haut, das nun unser beider Ziel darstellen soll. Er ist recht klein und so finden wir ziemlich bald, am zentralen Platz gelegen, die städtische Herberge (→ SV). Man betritt sie über einen Hinterhof oder besser Garten. Die Türen sind zwar offen, aber es ist auch hier noch niemand zu sehen. Aus den in meinem Wanderführer stehenden 7,- sind inzwischen 14,- € geworden. Ich bin mir noch etwas unschlüssig. Aber auch Stefanie scheint nicht ganz abgeneigt zu sein, sich ebenfalls hier niederzulassen, unabhängig davon was Andreas, ihre Schweizer Begleitung nun organisiert. Die beiden stehen im SMS-Kontakt zueinander. Und während wir immer noch dasitzen und überlegen, ertönt auch schon Stefanies Handy. Andreas hat offenbar eine sehr nette private Herberge ausgemacht, die ein wenig zurück aber noch im Ort liegt. Einige Minuten später taucht er bei uns auf, um Stefanie abzuholen. Er schwärmt so sehr von dem Domizil, dass auch ich mich aufraffe, mir das Ganze wenigstens mal anzusehen. Allerdings lasse ich meinen Rucksack vorsichtshalber stehen, da ich annehme, dass die Französinnen eher HIER unterkommen. Aber Andreas hat Recht. Das Anwesen ist sehr idyllisch gelegen, und die Zimmer sind in einem kleinen alten Turm einzeln auf drei Ebenen verteilt (→ SV). Der Aufenthaltsraum mit Küche befindet sich im Haupthaus. Hier dürfen wir uns frei bewegen und bedienen. Also frage ich die Hausherrin, die auch englisch spricht, ob denn auch noch für mich ein Zimmer frei sei. Ja, es ist. Aber Andreas hat Recht. Das Anwesen ist sehr idyllisch gelegen und die Zimmer sind in einem kleinen alten Turm einzeln auf drei Ebenen verteilt. Der Aufenthaltsraum mit Küche befindet sich im Haupthaus. Hier dürfen wir uns frei bewegen und bedienen. Also frage ich die Hausherrin, die auch englisch spricht, ob denn da auch noch da für mich ein Zimmer frei sei. Ja, es ist.
Wir akklimatisieren uns noch eine Weile und beschließen dann, mal zu gucken, was es mit dem Pilgertreff auf sich hat, auf den im Ortskern mit einem Schild hingewiesen wird. Es handelt sich hierbei offenbar um eine private Einrichtung, die von einigen Frauen ehrenamtlich geführt wird. Es gibt einige Getränke und ein paar eher süße Kleinigkeiten. Das Ganze soll den hier durchziehenden Pilgern die Gelegenheit geben, sich zu begegnen. Allerdings sind zurzeit nur wir drei mit den beiden Damen allein hier. Und die Konversation fällt dann auch etwas spartanisch aus. Ich hoffte natürlich, hier eventuell wieder Fabienne und Gefolge zu treffen. Aber die einzigen, die hier zwischendurch kurz auftauchen, sind Leo und einer der sehr jungen Pilger, die den Weg ohne eigene Mittel bestreiten und nur mit Gitarrenspielen finanzieren.
Auch wir bleiben nicht mehr lange und gehen anschließend über den kleinen Platz hinüber zu dem Supermarkt. Ich bin noch etwas unschlüssig, wie ich mein Abendessen gestalten will. Da sagt plötzlich jemand hinter mir „Bonjour!“ Es ist Fabienne. Sie und ihre Begleiterinnen sind soeben hier eingetroffen. Und nur kurze Zeit später tun wir uns alle zusammen, um ein gemeinsames Abendessen zu organisieren. Geht doch!
Die drei haben sich, wie vermutet, in der städtischen Herberge niedergelassen, die sich direkt neben dem Supermarkt befindet. Wir sitzen draußen in deren Garten und lassen es uns gut gehen. Dabei taut sogar Catherine etwas mehr auf. Da sie nur französisch spricht, hatte ich bislang ein wenig den Eindruck, dass sie über meine Gesellschaft nicht so erfreut war. Aber da Fabienne jetzt immer übersetzt und genaugenommen die drei wesentlich mehr in ihrer Sprache sprechen, passt es offenbar doch. Nun ist ausgerechnet Catherine die einzige, die genau wie ich bis nach St. Jean läuft. Von Fabienne erfahre ich, dass sie bereits morgen den Camino verlassen wird. Noch jemand weniger! Blöd!
Zu fortgeschrittener Stunde mache ich mich wieder auf den Weg zurück zu meinem Etablissement, wo Stefanie und Andreas immer noch draußen sitzen und sich unterhalten. Ich setzte mich noch für einige Zeit dazu.
Als es Zeit ist schlafen zu gehen, begebe ich mich in mein nettes Zimmer ganz oben in dem kleinen Turm.

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