Camino via Podiensis (Tag 12)

 

Livinhac-le-Haut → Figeac


 → 26 Kilometer
↑ 201 Meter

Sonntag, der 18.07.2010

 

Feldweg
Feldweg

Selten hatte ich auf einem Camino eine so erholsame Nacht! Keine Schnarcher, gute Luft und ein vernünftiges Bett. Offenbar sind Stefanie und Andreas bereits unterwegs. Bevor ich den Ort ebenfalls verlasse, muss ich noch mal in der städtischen Herberge vorbeischauen, da ich dort gestern offenbar meine Bananen in der Küche habe liegen lassen. Aber leider sind weder diese noch die drei Französinnen zu finden. Also kehre ich noch mal kurz in die kleine benachbarte Boulangerie ein, um mir eine Kleinigkeit zu besorgen. Dummerweise habe ich außer einem 50,- €-Schein lediglich noch 0,73 € bei mir. Und tatsächlich verlangt die Dame hinter dem Tresen exakt 0,73 € für das von mir gewünschte Schokocroissant.
Das Wetter und die Landschaft zeigen sich wieder von einer sehr freundlichen Seite.
Es dauert nicht lange, da taucht vor mir das französische Trio auf.
Wir begrüßen uns alle und Fabienne greift in ihren Rucksack, um mir meine vermissten Bananen zu überreichen. Dann fragt sie mich, ob ich auch mit in „deren“ Herberge unterkommen wolle. In dem Fall würde sie dort für mich anrufen und ein weiteres Bett reservieren. Nun bin ich ja eigentlich gegen diese Reservierereien, aber da es sich um eine etwas größere, angeblich auch recht attraktive Stadt handeln soll, ist es vielleicht doch mal angebracht. Außerdem ist es ja auf diese Art auch ein wenig von Schicksal. Also macht sie diesen kurzen Anruf und meine Bleibe ist gesichert. Kurz darauf ziehe ich voraus.
Landschaftlich hat der heutige Abschnitt zwar wieder einiges zu bieten, aber in Sachen Infrastruktur lässt er doch ein wenig zu wünschen übrig. Umso glücklicher bin ich, als der Camino mich dann plötzlich mitten über die ausgedehnte Terrasse einer Bar führt (→ SV). Ich setze mich unter einen der Sonnenschirme und bestelle mir ausnahmsweise mal einen Café Crema, und da ich nun aufgrund der Reservierung noch mehr Zeit habe als sonst, folgt einige Zeit später auch noch ein Bier.
Als ich gerade im Begriff bin langsam weiter zu ziehen, taucht plötzlich Stefanie auf. Ich lade sie ein, sich zu mir zu setzen. Sie zögert kurz, da sie nichts weiter bestellen möchte. Ich versichere ihr, dass man hier offenbar noch ganz andere Dinge nicht so eng sieht (der etwas umstandliche Weg zu den Toiletten scheint hier für einige nicht in Frage zu kommen…).
Also sitzen wir noch eine Weile da und ziehen anschließend gemeinsam weiter bis an unser heutiges Ziel Figeac.
In der Touri-Info der Stadt versuche ich herauszufinden, wo sich denn meine Herberge überhaupt befindet. Dummerweise gibt es da ein paar mehr. Unter anderem auch eine auf Spendenbasis. In dieser hat Andreas bereits wieder eingecheckt und auch für Stefanie mit reserviert. Das hatte er sie – wie auch gestern – vorab per SMS wissen lassen. Und so begleite ich sie noch dahin. Das Gebäude befindet sich auf der anderen Seite des Flusses (→ SV) und als wir dort ankommen, treffen wir auch direkt auf Andreas. Wir unterhalten uns noch ein paar Minuten. Unter anderem frage ich die Beiden, welche Richtung sie denn morgen einschlagen werden. Denn ab hier gibt es für gute 130 km zwei Möglichkeiten weiterzuziehen. Ich habe mich bereits für die alternativ-Route entschieden, da es sich um die Landschaftlich attraktivere, aber auch etwas längere Strecke handeln soll. Und so wie es aussieht, schwenken die Beiden eventuell auch in diese Richtung um.
Ich ziehe wieder zurück ins Zentrum. Noch kurz vor der Herberge treffe ich auf Fabienne und Suzanne, die es sich vor einer Bar gut gehen lassen. Ich setze mich dazu.

Blick zu rück auf Conques
Blick zu rück auf Conques

Später in der Herberge (→ SV) beziehe ich dann eines von 9 Betten im Erdgeschoss, während die Damen im ersten Stock untergekommen sind.
Frischt geduscht mache ich mich einige Zeit später wieder auf den Weg in die Stadt. Weit komme ich allerdings nicht, da ich abermals auf die beiden Frauen treffe. Catherine ist offenbar weitergezogen. Ich setze mich wieder dazu und erfahre, dass es hier einen Internetzugang gibt. Allerdings muss ich mich ziemlich in Geduld üben, ehe Suzanne diesen frei gibt. Als man mich dann durch einige Türen über eine Treppe nach unten gelotst und an einer Art Hotel-Empfang platziert hat, merke ich ziemlich schnell, dass auch ich so meine Zeit brauchen werde. Ich sehe mich nicht nur mit einer französischen Tastatur konfrontiert, sondern obendrein auch noch mit einem Mac! Und wenn man u.a. keine Ahnung hat, wie man zwischen den Programmen hin und her springt, kann beispielsweise eine Banküberweisung zu einer echten Geduldsprobe werden! Zu allem Überfluss muss ich zwischendurch auch noch immer wieder diversen Hotelgästen verständlich machen, dass ich hier nicht zum Personal gehöre. Einige werden sich wohl bis heute wunden, warum die Rezeption dieses Hauses nicht französisch sprechendes Personal an so zentraler Stelle beschäftigt.
Als ich gefühlte Stunden später endlich fertig bin, sind die Frauen nicht mehr da. Also kehre ich zurück in die Herberge. Dort treffe ich zwar auch nicht auf die Beiden, dafür auf eine ältere Schweizerin. Ich habe gerade ein paar Worte mit ihr gewechselt, da stürmt eine weitere junge Frau mit einem „Oh, Deutsch!“ aus dem Bad. Wie sich herausstellt, kommt sie sogar ursprünglich aus Hamburg, verbringt allerdings heute ihren letzten Tag auf dem Camino und reist morgen von hier ab. Schade. Zumal sich das Pilgerfeld doch deutlich lichtet. Und da sich der Weg ja morgen auch noch teilt, sollte ich mich eventuell auf ein paar Tage mit mir allein einstellen. Und damit kann ich auch direkt anfangen, denn da ich Fabienne und Suzanne nicht wieder gefunden habe, wird es wohl ausgerechnet an unserem letzten gemeinsamen Tag kein gemeinsames Abendessen geben.
Nach einiger Zeit frage ich mich, ob es überhaupt noch etwas zu Essen geben wird. Denn in ein Restaurant möchte ich nicht, aber was auf die Hand gibt’s hier irgendwie auch nicht so viel. Da entdecke ich die Damen plötzlich doch noch vor der Bar vom Nachmittag. Leider sind sie allerdings gerade fertig mit essen. Sie hatten ebenfalls vergeblich gehofft, mich noch irgendwo zu finden. Bevor ich weiter ziehe fragen sie mich noch, ob man sich denn morgen früh noch mal sehen wird. Ich sage, dass ich davon einfach mal ausgehe.
Einige Straßen und Gassen weiter entdecke ich doch noch so etwas wie einen Pizzadienst mit Ladenverkauf. Und für 5,- € bekomme ich die offenbar letzte leicht unterkühlte Pizzahälfte. Aber viel mehr wollte ich auch gar nicht. Ich verzehre meine Beute direkt am Flussufer und mach mich dann wieder auf den Weg zurück in die Herberge. Als ich den Schlafraum betrete, stelle ich fest, dass nur die Deutsche und die Schweizerin draußen sitzen und in philosophische Gespräche vertieft sind.
Ich hoffe, noch mal auf Fabienne und Suzanne zu treffen. Und tatsächlich sind sie noch am gleichen Ort. Allerdings zahlen sie gerade und so ziehen wir gemeinsam zurück in unsere Unterkunft. Sie lassen mich noch wissen, dass sie morgen gegen 7/7:30 Uhr in einem Café unweit der Herberge frühstücken werden, und wir gehen alle in unsere Betten.

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