Camino via Podiensis (Tag 17)

 

Cahors → Montcuq


 → 32 Kilometer
↑ 180 Meter

Freitag, der 23.07.2010

 

Brücke von Cahors
Brücke von Cahors

Nach unserem gestrigen Gelage haben wir es heute Morgen nicht wirklich eilig, aufzubrechen. Und so wundert es uns auch nicht, dass wir offenbar die letzten Bewohner dieser Gîte sind – so denn da überhaupt andere waren!? Im Speiseraum verschaffen uns erst mal einen Überblick. Es gibt – oh Wunder: Toast und Marmelade. Ein paar Überraschungen erwarten uns dann doch noch – aber eher welche abenteuerlicher Natur: Der Toaster verrichtet seinen Dienst nur, wenn man dessen Hebel festhält bzw. mit einem Tetrapack beschwert – und nach Möglichkeit rechtzeitig wieder runter nimmt… Der Kaffee ist kalt und kann nur mit Hilfe der immerhin vorhandenen Mikrowelle aufgewärmt werden. Und als wir die letzte Weißbrotscheibe zu fassen haben, empfiehlt Steffi den Verzicht auf die Marmelade, da dort bereits schon andere Sachen drauf entstanden sind…
Morgen frühstücke ich wieder in einem Café!
Es dauert nicht lange, da überschreiten wir die eindrucksvolle Brücke mit ihren drei Wehrtürmen und haben die Stadt damit wieder verlassen. Es folgt direkt auf der anderen Straßenseite ein steiler Aufstieg, der aber nur kurz darauf einen sehr schönen Ausblick zurück auf Cahors mit sich bringt.
Da jeder sein eigenes Tempo hat, ergibt es sich, dass ich die Beiden nach einiger Zeit hinter mir lasse und in einem der nächsten Dörfer in einem Café einkehre, welches sogar über einen kleinen Ladenteil verfügt (→ SV). Als ich bereits einige Zeit auf der Terrasse sitze, treffen auch Steffi und Andreas ein und gesellen sich dazu.
Nur kurz nachdem wir wieder aufgebrochen sind stoßen wir auf ein neues, sehr junges Pilgergesicht. Er ist Deutscher und in Freiburg gestartet. Er erzählt uns unter anderem, dass ihm nach zwei Wochen sein Rucksack gestohlen wurde, so dass er wieder zurück musste, um sich alles noch mal neu zu besorgen.
Mit der Zeit ergibt es sich, dass ich mich etwas zurück fallen lasse, Steffi ist mit unserer neuen Bekanntschaft in einigem Abstand vor mir, während Andreas inzwischen außer Sichtweite voraus läuft. Aber irgendwann ziehe ich mein Tempo an und ziehe wieder an allen vorbei. Diese Führungsposition gebe ich allerdings nach nur kurzer Zeit wieder ab – und zwar deutlich. Denn vor mir erstreckt sich das erste größere Sonnenblumenfeld des Weges…! Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, was mich in diesem Punkt noch erwartet, wäre das exzessive Fotoshooting wohl nicht so umfangreich ausgefallen.

malerische Landschaft
malerische Landschaft

Kurz vor unserem Zielort Montcuq hole ich wieder auf. Da unser neuer Begleiter noch etwas weiter will, verabschieden wir uns von ihm und suchen die Herberge auf (→ SV). Sie liegt bereits vor dem eigentlichen Ort und ist leider mal wieder ausgebucht! In diesem Fall ist es aber keine Reisegruppe, sondern eine Hochzeitsgesellschaft. Aber kein Problem. Es gibt hier noch ein Mannschaftszelt mit Etagen-Feldbetten. Die Übernachtung darin ist sogar kostenlos. Allerdings für die Benutzung der sanitären Anlagen und Küche zahlen wir 5,- €. Der Internetzugang steht einem wiederum frei zur Verfügung. Als ich in meinen Facebook-Account gucke, erwartet mich dort eine Überraschung: Jennifer hat mir geschrieben und das bereits vor einigen Tagen. Sie entschuldigt sich tausend Mal für unseren missglückten Abschied. In der Touri-Info hatte sie erfahren, dass sie gerade mal noch 9 Minuten hat ihren Zug zu erwischen… Also war es genauso, wie ich es mir bereits dachte.
Steffi hat seit einigen Tagen Probleme mit ihren Schuhen. Und als sie mit der Herbergsmutter darüber ins Gespräch kommt, kramt diese kurzerhand ein Paar aus ihrem Schrank. Eine andere Pilgerin hatte sie wohl nicht mehr gebraucht und hier in einem sehr guten Zustand zurückgelassen.
Wir ziehen gemeinsam in den Ort und besorgen uns etwas zum Kochen sowie noch die eine oder andere Dose mit etwas Trinkbarem…
Nach dem Essen, packen wir uns alle in die Liegestühle auf der Terrasse des Hauses und plaudern bis nach Mitternacht, was die anschließende Rückkehr ins enge und stockfinstere Zelt zu einer kleinen Herausforderung macht.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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