Camino via Tolosana (Tag 03)

 

St. Gilles → Gallargues-le-Montueux


 → 35 Kilometer
↑ 95 Meter

Sonntag, der 06.07.2014

 

in der Nähe von St. Gilles
in der Nähe von St. Gilles

Der Spanier war nicht nur tagsüber sehr geräuschvoll…!
Leider hatte ich aber meine Ohropax noch nicht im Anschlag sondern in den Tiefen meines Rucksacks.
Ich schätze, es war dem Wein zu verdanken, dass ich trotzdem irgendwann einschlafen konnte.
Andererseits hatte ich es dem Mann wiederum zu verdanken, dass es beim Frühstück nicht nur Marmelade zum Baguette gab. Er besaß noch diversen herzhaften Aufschnitt, den er mit mir teilte.
Danach verabschiedeten wir uns alle voneinander. Das wir uns wiedersehen ist nahezu ausgeschlossen: Die Französin läuft Richtung Arles, und der Spanier ist halt per Rad unterwegs.
Abgesehen von Vegetation und Klima war die Landschaft heute ein wenig wie in Schleswig-Holstein – nur noch flacher…!
Von daher war die Gefahr einer Reizüberflutung relativ gering und ich entsprechend froh, als nach knapp 30 km mein Ziel in Sichtweite kam.
Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der Camino wurde wegen was-auch-immer kurz darauf umgeleitet, und es kamen noch mal gute 6 km hinzu!
Als ich es dann doch endlich geschafft hatte, verriet mir ein Zettel an der geschlossenen Rathaustür, dass man als Pilger sich vor eben dieser zwischen 16:30 und 17:30 Uhr einfinden soll, wenn man eine Bleibe sucht.
Es war genau 16:30 Uhr. Sehr gut!
Also bestellte ich mir ein Bier in der Bar nebenan und setzte mich auf die Terrasse (→ SV).

bescheidende Behausung
bescheidende Behausung

Als sich vor dem Rathaus nix tat, fragte ich den jungen Mann hinter den Tresen nach der Herberge. Seine Antwort war so konfus, sicherlich auch sprachlich bedingt, dass ich beschloss, den nahe gelegenen Campingplatz aufzusuchen. (→ SV) Auf einem Schild davor prangten 4 Sterne, was für mich bei Campingplätzen eher eine Warnung ist. Bisher standen die Sterne immer für „Schachbrett-Parzellen“, Animation, merkwürdiges Publikum und natürlich hohe Preise. Und ich sollte in allen Punkten Recht behalten.
23,- € erwartete die Dame an der Rezeption von mir für mich und mein 1-Mann-Zelt. Ich frage sie mit hochgezogenen Augenbrauen und dicken Backen, ob sie etwas über die Pilgerherberge wüsste.
„Ja, die ist geschlossen. Aber ich kann Ihnen den Platz auch zum Nebensaison-Tarif anbieten: 16,50 €.“
Na gut. Wo sie mir schon so entgegen kommt. Und so bekomme ich meine „Parzelle“ in der buchstäblich hintersten Ecke des Platzes. Die sanitären Anlagen sind gute 300 m entfernt! Von daher hatte ich mir, nach dem erfolgreichen Erstaufbau meines Zeltes, besser nur ein kleines Bier an der Bar bestellt…
Als ich dann mit offenbar hungrigem Gesichtsausdruck nochmal an den Tresen trete, fragte mich der Mann dahinter : „Pizza?“
„Oui.“
Darauf erklärte er mir, dass diese leider aus seien, weil sie vorab immer von extern bestellt werden und sie heute nur 12 Stück hatten.
Später hakte ich noch mal nach, ob sie denn wenigstens ein Baguette mit irgendwas hätten, und die sehr nette junge Dame, die da inzwischen bediente, organisierte eines für mich.
Als es anfing zu regnen, sah ich zu, dass ich zu meinem Zelt kam.
Und da drin liege ich nun und lausche dem sich langsam nähernden Grollen am Himmel…
Dann will ich doch mal sehen, was mein Zelt, das billiger war als dessen Stellplatz für eine Nacht, so aushält.

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