Camino via Tolosana (Tag 21) (Auch – Pouylebon / 42 km)

Eigentlich sprach heute alles gegen eine längere Etappe: mein später Aufbruch, meine Lust mehr als 25 km zu laufen und vor allem das Wetter!
Es war so gnadenlos schwül, dass man es regelrecht sehen konnte.

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Dementsprechend hielt sich meine Fotoausbeute in Grenzen.
Aber trotzdem scheint gerade so ein Wetter irgend etwas in mir zu mobilisieren.
Ich habe festgestellt, dass fast alle meine längeren Trips bei so einem Klima stattfanden.

Noch vorm Verlassen von Auch, traf ich plötzlich Dominique in der ansonsten noch menschenleeren Fußgängerzone. Sie war gerade mit dem Bus angekommen und wird noch einen Tag hierbleiben, bevor sie dann morgen nach Hause fährt.
Dann ist also auch sie jetzt weg.

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Ansonsten blieb der Weg erst mal ereignislos, bis plötzlich an einer Feldweg-Halbkreuzung ein Mann recht zügig um die Ecke kam und irgendetwas zu mir sagte, während er in die Richtung wies, aus der ich kam.
Nun war ich mir aber sicher, dass ich nicht falsch war und gab ihm zu verstehen, dass ich ihn nicht verstehe. Da packte er mich an meinem Oberarm und geleitete mich zurück. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Hatte ich irgendwas falsch gemacht? Oder wollte er mir, wenn auch ungewöhnlich offensiv, eine Übernachtungsmöglichkeit zeigen?
Dann blieb er stehen, deutete an, dass ich dort warten und leise sein möge.
Aha. Also geht es wohl um irgendwelche scheuen Tiere.
Und so war es: Kurze Zeit später tauchte eine Herde von Kühen, Kälbern und stattlichen Bullen auf, die mich aber trotz meiner Platzierung völlig irritiert anstarrten, ehe sie sich auf ihre Weide trauten.

Im Fenster der Unterkunft in meinem Zielort, bestätigte ein Aushang den Preis, der auch in meinem Wanderführer steht. Er hatte sich offenbar seit 2010 nicht mehr geändert. Trotzdem waren mir die 110,- € nur für die Nacht deutlich zu viel! Und eine andere Möglichkeit tat sich leider nicht auf.
Aber zum Einen hatte ich schon damit gerechnet, und zum Anderen hatte ich nach inzwischen 34 km immer noch überraschend viel Energie.

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Leider war die nächste Gite, für die ich einen 1 km Umweg machen musste, bereits voll belegt (aber nicht mit Pilgern).
Also kam jetzt erst mal nur noch ein Campingplatz in Frage, der da noch kommen sollte. Auch für den musste ich ein Stück vom Camino weg.
Aber dieses Mal lohnte es sich!
Ich traf über einen schmalen Pfad auf einem völlig abgelegen Areal ein. Hier und da stand ein Zelt an einem leichten Hang unter Bäumen.
Gegenüber der Rezeption saßen gut 20 Leute unter einem Dach an einer langen Tafel und aßen.
Als ich die zuständige Frau nach einem Platz für mein Zelt fragte, sagte sie nur: „Ja, klar. Such dir eine Stelle aus. Und wenn du was brauchst, sag Bescheid.“
Das nenne ich mal unkompliziert!

Nachdem mein Zelt stand und ich die übernötige Dusche genommen hatte, gab es auch für mich noch Essen am besagten Tisch.
Und so saß ich noch bis in den späten Abend zusammen mit den Gastgebern und den anderen Gästen dort. Übrigens allesamt Niederländer.

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