Soltau → Hodenhagen
→ 41,5 Kilometer
↑ 84 Meter
Sonntag, der 23.06.2013

Das prasselnde Geräusch des Regens auf dem Dachfenster über mir war der Grund dafür, dass ich in der Nacht immer wieder mal wach wurde. Jetzt sorgt es dafür, dass ich nicht wirklich motiviert bin aufzustehen. Irgendwann raffe ich mich dann aber doch auf, dusche und packe meine Sachen. Gerade als ich das Hotel durch die Gastwirtschaft im Erdgeschoss verlassen will, lädt mich die Dame des Hauses noch zu einem Kaffee ein. Da ich die Übernachtung aber ohne Frühstück gebucht habe, gilt es, als Nächstes noch ein Café aufzusuchen.
Tatsächlich erreiche ich bald darauf ein Stadtcafé, das ich aber wegen seiner stolzen Preise auch direkt wieder hinter mir lasse. Ein paar Häuser weiter komme ich an der Stadtschenke vorbei. Ich zögere, weil es ja eigentlich kein Café ist. Dann frage ich aber doch die Frau, die gerade dabei ist, drinnen Klarschiff zu machen. Wie erwartet, lehnt sie zuerst ab. Dann überlegt sie aber kurz und fragt, ob sie mir einfach zwei Brote und einen Kaffee fertig machen soll. Ich finde das Angebot so camino-like, dass ich es natürlich direkt annehme. Noch während ich meine Schinken- und Käsebrote esse, taucht ein Mann auf, von dem ich vermute, dass es sich um ihren Ehemann handelt. Mit ihm komme ich noch eine Weile ins Gespräch und dann ziehe ich weiter gen Süden.
Der heutige Abschnitt ist überhaupt nicht mit dem von gestern zu vergleichen! Vor allem, weil er über weite Strecken an Hauptstraßen entlangführt. Dementsprechend froh bin ich, als ich Fallingbostel erreiche! Das ist zwar auch nicht besonders attraktiv, aber immerhin gibt es hier die Chance auf eine Einkehr! Im Ortskern stehen vor einem Eiscafé Straßenaufsteller, auf denen auch Sandwiches angeboten werden. Das klingt doch gut!
Dummerweise ist die Bedienung der deutschen Sprache allerdings so wenig mächtig, dass es mir zunächst einfach nicht gelingt, so ein belegtes Brot zu bekommen! Immer wieder vermutet er, dass ich irgendetwas mit meinem ebenfalls bestellten Cappuccino gemacht haben möchte. Erst als ich das Sandwich als Toast bezeichne, habe ich endlich Erfolg!
Also, wenn ich mich auf etwas bei diesem Camino durch Deutschland gefreut habe, dann darauf, ohne Probleme etwas zu essen bestellen zu können!
Im Gegensatz zur Landschaft ist der Himmel heute sehr abwechslungsreich. Zwischen strahlend blauem Himmel und starker Bewölkung ist alles drin. Aber es ist seit meinem Verlassen des Hotels heute Morgen trocken geblieben und damit optimales Wanderwetter.
Es ist bereits nach 19 Uhr, und ich habe noch einige Kilometer bis zu meinem Zielort vor mir, da führt mich der Camino über das Gelände des sogenannten „Geistlichen Rüstzentrums“. Ich bleibe einen Augenblick stehen, um mich zu orientieren, da kommt plötzlich eine ältere Dame von hinten und fragt, ob sie mir helfen könne. Ich kläre sie kurz über meinen Weg auf und lasse natürlich nicht unerwähnt, dass ich langfristig auch auf der Suche nach einer Unterkunft bin.
Sie zeigt sich sehr interessiert und fragt weiter, ob ich denn wüsste, um was es sich denn bei dieser Anlage handeln würde und ob sie mich ein Stück meines Weges begleiten könne.
Sie entpuppt sich sehr schnell als erzkonservative und streng katholische Missionarin, die offenbar hofft, mit mir ein neues Schaf gefunden zu haben!
Ich bin ja absolut offen für Begegnungen auf dem Weg! Aber dieser missionarische Eifer ist dann doch ein bisschen zu viel des Guten! Und als sie mich dann auch noch bittet, etwas langsamer zu gehen, halten mich nur meine gute Erziehung und ihr angekündigter, absehbarer Wendepunkt davon ab, sie einfach zurückzulassen.
Interessant, finde ich ja, dass ausgerechnet sie noch nie etwas vom Jakobsweg gehört hat, geschweige denn, dass dieser genau über ihr Gelände verläuft.
Endlich erreichen wir die Autobahnbrücke, auf der sie wieder umdrehen will, und sie lässt mich mit den besten Wünschen weiterziehen.
Zeit wird es aber auch langsam! Es ist inzwischen nach 19 Uhr und ich habe immer noch einige Kilometer vor mir!
Um 20:30 Uhr erreiche ich dann endlich Hodenhagen, von dem ich hoffe, für heute Nacht eine Bleibe zu finden. Ich durchquere fast den gesamten Ort, bis ich endlich bei einem Italiener ankomme, von dem ich mir zumindest einen Tipp erhoffe. Leider kann er mir nicht wirklich weiterhelfen. Im sogenannten Café am Deich erfahre ich dann schon mehr: Es soll da einen Bastelladen-Runge geben, der im Besitz eines älteren Ehepaares ist, das auch ein Zimmer vermietet. Nachdem ich den Laden gefunden habe, gehe ich zu dem Haus im Hinterhof. Von drinnen höre ich deutlich einen Fernseher, was unter anderem der Grund dafür sein kann, dass mein Klingeln leider nicht gehört wird.
Also versuche ich es noch einmal im Café am Deich und die nette Dame ruft noch mal direkt bei den Runges an. Aber der Fernseher ist wohl auch lauter als das Telefon. Sie gibt jedoch nicht auf und schlägt jetzt noch einmal im Gastgeberverzeichnis nach.
Und tatsächlich findet sie noch eine weitere Unterkunft, die auch noch etwas günstiger ist. Diesmal ruft sie gleich dort an und erreicht auch jemanden. Sie beendet das Gespräch mit: „Das ist aber schön, dann schicke ich ihnen den jungen Mann mal direkt vorbei.“
Leider gilt es nun noch einmal, fast 2 km quer durch den Ort zurückzulaufen. Aber am Ende erwartet mich eine freundliche ältere Dame, die mir direkt mein Zimmer in der ersten Etage zeigt und es mir dann überlässt.
Das war jetzt auch höchste Zeit! Am Ende waren es schon wieder über 40 km! Ich bin so kaputt, dass mich eine Art Schüttelfrost überfällt und ich ohne Zähneputzen direkt ins Bett falle.
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