Oldershausen → Göttingen
→ 45,8 Kilometer
↑ 178 Meter
Samstag, der 29.06.2013
Ähnlich wie das Abendessen gestern fällt auch das Frühstück heute sehr gut und reichhaltig aus, sodass ich mir Zeit lasse. Dementsprechend spät verlasse ich gegen 9:30 Uhr das Haus und muss feststellen, dass beim Wetter in den letzten Tagen nicht nur nach oben deutlich Luft war! Aber wenigstens stellt sich jetzt nicht einmal mehr die Frage, ob es sich lohnt, den Regenponcho auszupacken. Trotzdem bin ich erstaunlich gut gelaunt und energiegeladen. Das scheint allerdings nicht unbedingt in das Konzept des heutigen Tages zu passen! Neben dem schlechten Wetter werde ich immer wieder zu Umwegen gezwungen: Mal, weil ich mich auf meiner digitalen Karte verguckt habe, mal, weil ich plötzlich vor einer meterhohen Graswand stehe, die selbst bei Trockenheit kaum durchdringbar gewesen wäre. Auch die nasse Fahrbahnoberfläche der stark befahrenen A7, an der ich streckenweise entlanglaufen muss, trägt nicht gerade dazu bei, die gute Laune vom Morgen zu bewahren.
Gegen 13 Uhr erreiche ich nach rund 16 km Northeim. Die Stadt, die ich eigentlich bereits gestern als meinen Zielort angedacht hatte. Aber ich bin mir sicher: Das hätte ich nicht mehr geschafft!
Der Altstadtkern ist selbst bei diesem grauen Wetter recht attraktiv. In der Fußgängerzone wage ich es, mich unter einen der Sonnenschirme vor einem Café zu setzen. Als der Regen aber wieder stärker wird, ziehe ich doch nach drinnen. An einer der Wände steht der Spruch: „Fühl Dich wie zu Hause.“ Genau das mache ich. Bei einem Salami-Käse-Gebäck und zwei Tassen Kaffee lade ich mein Handy auf und versuche außerdem, das Innenleben meiner Schuhe etwas zu trocknen, indem ich sie lüfte. Viel Erfolg habe ich damit allerdings nicht. Trotzdem muss ich natürlich irgendwann mal wieder aufbrechen – und vor allem sollte ich mich mal um meine Unterkunft kümmern. Da ich heute vorhabe, Göttingen zu erreichen, und es dort eine Jugendherberge gibt, rufe ich direkt dort an. Der Mann am anderen Ende der Leitung bestätigt mir, dass es kein Problem sei, sofern ich mit einem Mehrbettzimmer einverstanden bin. Natürlich bin ich das.
Im Laufe der weiteren Strecke verlassen mich leider die Muschel-Wegweiser. Zum Glück verfüge ich ja noch über meinen GPS-Track. Das wird allerdings ab morgen leider für längere Zeit erst einmal nicht mehr der Fall sein. Aber auch heute drehe ich so einige Ehrenrunden, da das Kartenmaterial in meiner App relativ grob ist. Zum Auffinden der Jugendherberge muss ich schließlich Google Maps bemühen.

Kurz vor 20 Uhr erreiche ich das Randgebiet von Göttingen. Trotzdem liegen noch über 2 km vor mir. Da ich nicht weiß, wie die Chancen auf ein Abendessen in der Jugendherberge – besonders zu dieser späten Stunde – stehen, hole ich mir unterwegs einen Döner.
Irgendwie wird die Gegend durch die ich laufe, immer industrieller. Als ich schließlich auf einen Güterbahnhof stoße, überprüfe ich erneut mein Ziel in Maps. Tatsächlich lotst mich die App schon seit geraumer Zeit nicht mehr zur Jugendherberge, sondern pauschal ins Zentrum von Göttingen! Und das liegt 2,2 km abseits meiner Unterkunft!
Kurz vor 21 Uhr habe ich es dann endlich geschafft und stehe an der Rezeption der Herberge (→ SV). Der große Vorteil daran, völlig erledigt zu sein, ist, dass einen so schnell nichts mehr aus der Ruhe bringt. Und so reagiere ich auch völlig gelassen, als die Dame an der Rezeption etwas verwundert darüber ist, dass mir ein Zimmer zugesagt wurde – die Herberge sei nämlich voll. Doch ich bin absolut sicher, heute keinen Schritt mehr zu machen. Da ich eine Zusage erhalten habe, liegt der Ball jetzt bei ihnen. Nach kurzer Absprache mit einer Kollegin stellt sich heraus, dass ich in einem Vierbettzimmer unterkommen kann. Vermutlich war man wieder davon ausgegangen, dass ich ein Einzelzimmer wollte.
Das Zimmer ist offenbar bereits von mindestens zwei Personen belegt, die jedoch aktuell nicht anwesend sind. Etwas später taucht ein Mann auf, der ungefähr in meinem Alter ist. Er ist Lehrer, und wir unterhalten uns noch eine Zeit lang. Der zweite Mitbewohner erscheint gegen 23 Uhr. Ich grüße ihn nur kurz aus dem Bett heraus, und dann geht das Licht aus.
Aus irgendeinem unfairen Grund sind Schnarcher auch immer schnelle Schläfer. Aber inzwischen greife ich schon routiniert zu meinen Ohropax, und danach habe auch ich meine Ruhe.
(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)







