Wanfried → Eisenach
→ 40,9 Kilometer
↑ 344 Meter
Dienstag, der 02.07.2013

Das Hotel war wirklich eine gute Wahl! Hier stimmte alles! Das Abendessen (Schnitzel und Bratkartoffeln draußen auf der Terrasse), das Zimmer und auch das Frühstück. Gut geschlafen habe ich allerdings trotzdem nicht. Aber das lag an einem wirklich spektakulären Gewitter, das sich offenbar direkt über dem Ort entlud.
Trotzdem starte ich kurz nach 9 Uhr bemerkenswert fit in den Tag, was sicherlich auch der mal etwas kürzeren Etappe von gestern zu verdanken ist.
Da ich ja erst frühestens ab Eisenach wieder mit meinen blau-gelben Schildern rechnen kann, versuche ich, eine möglichst attraktive Route mit Google Maps auszuarbeiten. Als ich aber an einem Radwanderwegweiser komme, der eine Strecke nach Eisenach weist, bin ich kurz in Versuchung. Allerdings konkurrieren die dahinterstehenden 44 verbleibenden Kilometer mit den 30, die Maps angibt. Und so folge ich weiter der digitalen Wegführung. Leider scheint in der App aber irgendwo die Einstellung “Luftlinie bevorzugt” aktiviert zu sein. Anders kann ich mir zumindest nicht erklären, warum ich mich regelmäßig im hüfthohen Gras wiederfinde, die nach dem Gewitter der letzten Nacht natürlich zudem noch klatschnass sind! Von Wegen ist hier buchstäblich keine Spur!
Aber als ich nach einem recht strammen Aufstieg plötzlich vor einer fast senkrechten Bergwand stehe, durch die angeblich mein Weg weiterführen soll, ahne ich, dass der Radweg vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre.
Es folgen noch einige weitere Irrwege und vor allem Auf- und Abstiege, ehe ich endlich den nächsten Ort erreiche. Er verfügt über gleich drei Einkehrmöglichkeiten, die aber alle geschlossen sind. Bei einer steckt aber zumindest ein Schlüssel in der Tür und ich klopfe einfach mal an. Von drinnen höre ich nur ein „Ja”.Ich trete vorsichtig ein und treffe auf eine Frau.
„Haben Sie geöffnet?“
„Nein. Heute ist Feiertag. Möchten Sie etwas trinken?“
„Ja. Ein Bier wäre toll.“
Daraufhin bietet sie mir gleich drei Sorten zur Auswahl und gibt mir eine Flasche meiner Wahl in die Hand, kassiert einen Euro und bietet mir einen Platz auf der Terrasse an. Anschließend schließt sie die Gaststätte hinter sich ab und verschwindet. Das nenn ich mal Glück im Glück!

Gegen 16 Uhr rufe ich vorsichtshalber mal bei der Jugendherberge in Eisenach an, um mich dort anzukündigen. Leider stellt sich aber heraus, dass es dort nicht mal mehr einen Schlafplatz in einem Mehrbettzimmer gibt, und die Karten sind mal wieder neu gemischt.
Umso mehr gilt es, meinem Handy noch einmal ein wenig Strom zu organisieren. Der nächste Ort, den ich erreiche, verfügt aber über keinerlei Infrastruktur. Am Ortsausgang komme ich aber an einem Hof vorbei, an dem ein Banner mit der Aufschrift “Rastgarten” hängt. Außer ein paar leeren Tischen und Stühlen im Garten ist aber nichts und niemand zu sehen. Und so nimmt das Déjà-vu seinen Lauf: Ich klopfe an eine Tür, werde hineingebeten, erfahre, dass eigentlich geschlossen ist und werde zugleich gefragt, was für ein Bier ich denn haben möchte. Ich entscheide mich ausnahmsweise für ein alkoholfreies und setze mich in den Garten. In diesem Fall gesellt sich meine Gastgeberin aber dann dazu, und wir unterhalten uns gut eine halbe Stunde lang. Unter anderem erfahre ich, dass das Hochwasser, dessen Spuren man hier überall noch sehen kann, erst vor gut zwei Wochen zurückgegangen ist. Da wäre hier definitiv noch kein Durchkommen gewesen! Außerdem bekomme ich von ihr noch einen Tipp für eine Unterkunft in Eisenach sowie den besten Weg dorthin mit.
Kurz vor Eisenach komme ich an einem Schild vorbei, das auf eine private Unterkunft hinweist, in der man ab 15 € übernachten kann. Da es inzwischen kurz vor 20:30 Uhr ist, greife ich direkt zum Handy und erfahre, dass es nur noch Doppelzimmer gibt, die bei 25 € liegen. Das ist natürlich völlig ok. Allerdings befindet sich die Adresse gut einen Kilometer abseits des Caminos – ganz im Gegensatz zu dem Tipp meiner letzten Gastgeberin: Das Hotel liegt direkt im Zentrum am Marktplatz und damit auch am Startpunkt meines dann wieder gültigen GPS-Tracks. Es stellt sich aber heraus, dass dort für heute kein Zimmer mehr frei ist – wobei die Dame am Telefon fast enttäuschter wirkte, als ich es war. Also gebe ich die Anschrift der Privatunterkunft in mein Handy ein.
Wie sich herausstellt, ist mein Doppelzimmer Teil einer großen Wohnung im Erdgeschoss einer Villa. Nachdem die Dame des Hauses die Formalitäten geklärt hat, frage ich sie, wo ich denn eventuell noch eine Chance auf etwas zu essen habe. Immerhin ist es inzwischen nach 21 Uhr. Daraufhin ruft sie kurzerhand bei einem Restaurant um die Ecke an und bestätigt mir, dass ich dort noch etwas bekommen könne, wenn ich mich direkt auf den Weg mache. Und so sitze ich nur kurz darauf im Garten eines Restaurants bei einer Gulaschsuppe und einem Bier und beschließe diesen Tag.
(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)






