Camino Deutschland (Tag 25)

 

Herrentierbach → Westernhausen


 → 38,8 Kilometer
↑ 255 Meter

Sonntag, der 14.07.2013

 

Um 7:45 Uhr klopft es an meine Tür, und ich höre meine Gastgeberin von draußen sagen: „Brötchenlieferdienst! Ich stelle die Tüte einfach vor die Tür. Legen Sie das Geld einfach auf den Tisch. Oder soll ich eventuell in gut 30 Minuten nochmal wiederkommen?“
Allein schon, weil ich mir nicht sicher bin, was ich überhaupt zahlen muss, nehme ich ihr Angebot an, uns in einer halben Stunde noch einmal kurz zu treffen.
Und so sitzen wir kurz nach meinem Frühstück eine Weile am Küchentisch und unterhalten uns. Unter anderem zeige ich ihr, dass ich vor lauter Begeisterung über ihre Unterkunft ein paar Bilder davon in meinem täglichen Facebook-Post untergebracht habe.
Als sie zum Schluss 25 € für die Übernachtung haben möchte, informiere ich sie, dass da noch zwei Hefeweizen, der Aufschnitt und natürlich die Brötchen dazukommen. Daraufhin winkt sie nur ab und meint: „Das geht aufs Haus.“
Es ist gar nicht die Ersparnis, sondern vor allem das Gefühl, ein gern gesehener Gast gewesen zu sein, das mich an dieser Geste begeistert. Nachdem ich bereits schon wieder ein paar Kilometer hinter mir habe, wird dieser Eindruck noch verstärkt, als ich eine Freundschaftsanfrage via Facebook von ihr bekomme.
Nach knapp 10 km erreiche ich die Jagst und mit ihr einen landschaftlich mal wieder sehr attraktiven Abschnitt. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahne: In exakt zehn Jahren (-5 Tage) werde ich die Strecke der nächsten beiden Tage noch einmal mit dem Fahrrad fahren – allerdings ohne zu realisieren, dass ich hier bereits zu Fuß unterwegs war. Auch mein endgültiges Ziel Straßburg werde ich zufällig auf den Tag genau 10 Jahre später noch einmal besuchen – allerdings gemessen an meinem dortigen Start im letzten Jahr.
Nach weiteren 10 km kommt mir ein älteres Ehepaar entgegen, und er fragt mich, ob ich Jakobspilger sei und ob ich schon etwas gegessen habe.
„Nein. Noch nicht.“
Daraufhin informiert er mich in seinem fränkischen Dialekt, dass es gleich in Hohebach ein Fest gibt, auf dem ich auf jeden Fall etwas bekommen werde.
Das kommt mir doch sehr gelegen!

Die Jagst in Dörzbach

Als ich den Ort erreiche, wirkt dieser relativ ruhig. Nur ein paar vereinzelte Personen, die irgendwelche verpackten Lebensmittel durch die Gegend tragen, lassen erahnen, dass hier vielleicht doch etwas los ist. Also frage ich mich durch und werde schließlich am Fluss fündig. Es folgen ein Brötchen mit Schnitzel, ein großes, alkoholfreies Bier sowie gleich zwei Eiskaffees, da ich bei einem Preis von 1,50 € einfach nicht widerstehen kann. Währenddessen komme ich mit einem Ehepaar ins Gespräch, das nicht glauben will, dass ich aus Hamburg komme. Damit meint es aber nicht die gelaufene Distanz, sondern meine ursprüngliche Herkunft, schließlich würde ich ja keinen Dialekt sprechen.
Kurz vor 19 Uhr erreiche ich Winzenhofen. Nur wenige Kilometer vorher verrät mir jemand, dass es hier auf jeden Fall eine Unterkunft gäbe. Allerdings fühle ich mich noch so fit, dass mir noch gar nicht so richtig nach einem Abschluss für heute ist. Und da die Ortsdichte hier relativ hoch ist, beschließe ich, zumindest noch einen Ort weiter zu laufen. Diesen erreiche ich bereits knappe 2 km weiter. Eigentlich könnte ich immer noch weiter, allein schon, weil ich diesen doch sehr schönen Tag noch nicht beenden möchte. Also mache ich es einfach davon abhängig, ob mir hier ein Gasthof buchstäblich vor die Füße fällt. Und das tut er, wenn auch erst am Ortsausgang. So richtig will ich immer noch nicht. Aber ich beschließe, hier zumindest schon mal etwas zu essen.
Ich bestelle mir Cordon bleu mit Bratkartoffeln sowie ein großes Bier. Noch während des Essens frage ich die sehr junge und sympathische Bedienung mal vorsichtshalber, ob es hier eine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Sie gibt die Frage an ihren Chef weiter, und dieser informiert mich, dass man hier zwar für 40 € ein Zimmer bekommen könne, aktuell aber alles belegt sei.
Ich kann nicht behaupten, wirklich enttäuscht zu sein. Trotzdem kommt er kurz darauf noch mal wieder an meinen Tisch und meint, dass er da doch irgendwie etwas hinbekommen würde, indem er mir noch irgendwo eine Matratze klarmacht. In dem Fall wäre ich dann mit 20 € dabei. Obwohl ich mich eigentlich schon auf ein Weiterziehen eingestellt hatte, nehme ich das Angebot an. Allein schon wegen dieses Entgegenkommens. Als ich mit dem Essen fertig bin, setzt sich die junge Bedienung noch zu mir an den Tisch und fragt, ob es okay sei, wenn sie dort eine rauchen würde. „Klar!“ Wir kommen noch kurz ins Gespräch, bei dem sie mich in erster Linie zu meinem Weg befragt.
Anschließend zeigt mir ihr Chef noch die Dusche, die offenbar für die Mitarbeiter ist, und führt mich danach zu meinem Zimmer in einem Nebengebäude. Die Matratze stellt sich zum Glück als normales Bett heraus, während der Rest des Zimmers wirklich sehr spartanisch ist und offenbar wenig genutzt wird …

weiter →

(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.