Camino Deutschland (Tag 05)

 

Hodenhagen → Mariensee


 → 42,8 Kilometer
↑ 22 Meter

Montag, der 24.06.2013

 

Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie über Nacht alle Energiereserven nahezu vollständig aufgetankt werden. Von meinem völlig desolaten Zustand gestern Abend spüre ich heute Morgen nichts mehr.
Meine Gastgeberin leistet mir beim Frühstück noch einen Augenblick Gesellschaft, ehe sie sich zurückzieht und mich mit dem wirklich umfangreich gedeckten Tisch allein lässt.
Es ist bereits 9:30 Uhr, als ich aufbreche und nun ein viertes, aber nun wohl auch letztes Mal durch Hodenhagen laufe.
Gegen 13 Uhr erreiche ich nach gut 16 km Schwarmstedt und nutze die Gelegenheit, mich im Supermarkt mit den obligatorischen Lebensmitteln einzudecken. Außerdem suche ich ein Tourismusbüro auf, nachdem ich in Frankreich sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe.
Allerdings dauert es eine gute Viertelstunde, bis ich dran bin, weil zwei Mitarbeiterinnen mit den Buchungsproblemen der Ferienpässe zweier Mädchen beschäftigt sind.
Wirklich weiterhelfen kann mir die Dame leider auch nicht, da sich die Vermittlung von Unterkünften auf Schwarmstedt selbst beschränkt. Aber hier soll mein heutiger Tag dann doch noch nicht enden. Und so bleibt es bei einem Stempel für meinen Pass, und ich ziehe weiter.

Mühle bei Bothmer

Im Gegensatz zu meinen bisherigen Caminos habe ich diesmal keinen Wanderführer dabei, einfach weil es für die Strecke Hamburg–Straßburg keinen gibt. Genau genommen existiert gar kein Camino, der diese beiden Städte direkt verbindet. Deshalb habe ich vorab in akribischer Kleinarbeit verschiedene Caminos zusammengestellt, die diese Strecke abdecken, und sie in meine GPS-App geladen. Das ist natürlich eine große Hilfe beim Finden des Weges, vor allem, wenn die Ausschilderung mal aussetzt. Doch die App gibt mir keine Orientierung, was die Distanzen betrifft. Diese kann ich nur mit Hilfe des Maßstabs schätzen. Von daher habe ich auch heute wieder nur eine grobe Vorstellung, wie weit es bis zu meinem Wunschziel Mariensee ist. Mit der Zeit wird klar, dass meine anfängliche Einschätzung sehr ungenau war. Am späten Nachmittag taucht Mariensee noch nicht einmal auf den Wegweisern auf.
Dafür erreiche ich irgendwann Mandelsloh. Dort gönne ich mir einen Kaffee und lade mein fast leeres Handy wieder auf. Kurz darauf besorge ich mir in einem Getränkemarkt eine Dose Bier für den eigenen Energiehaushalt. Als ich wenig später an einem Hähnchenimbiss vorbeikomme, sagt mir ein Blick auf die Uhr, dass dies eine sehr gute Idee ist. Es ist nach 18 Uhr, und wer weiß, ob es am Zielort noch etwas zu essen gibt.
Allerdings esse ich von dem halben Hähnchen erst mal nur die Keule. Den halben Liter Bier hingegen sehe ich als dringend notwendige Medizin und vernichte ihn direkt. Immerhin fing meine Verfassung langsam wieder an, der von gestern Abend zu gleichen! Und bei weit über 30 km in den Beinen, aber so gut wie nichts im Magen, wirkt so eine Dose wahre Wunder! Regelrecht euphorisiert genieße ich die schöne Landschaft im Abendlicht. Manchmal ist Alkohol halt doch eine Lösung!
Kurz nach 20 Uhr und gute 2 km vor Mariensee komme ich an einem Gasthaus vorbei, das ein Schild “Bett & Bike” im Fenster stehen hat. Ich betrete eine völlig leere Gastwirtschaft und klopfe auf den Tresen. Der ältere Herr, der kurz darauf erscheint, erklärt mir, dass alles belegt ist. Er bestätigt aber, dass es in Mariensee noch Unterkünfte gibt, darunter das Kloster selbst. Das klingt doch sehr vielversprechend! Und so betrete ich um kurz nach 21 Uhr die heiligen Mauern von Mariensee (→ SV). Zunächst kann ich niemanden Zuständiges finden. Doch schließlich treffe ich auf eine Schwester, die mir kurz darauf für 20 € den Schlüssel zu einem Zimmer übergibt – besser gesagt zu einer Art Apartment!

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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