Mariensee → Hannover
→ 36,9 Kilometer
↑ 26 Meter
Dienstag, der 25.06.2013
Meine Sammlung aus GPS-Tracks von deutschen Caminos, die in Summe die Verbindung zwischen Hamburg und Straßburg ergeben, weist für heute eine Lücke auf! Für die Verbindung zwischen Mariensee und Hannover habe ich partout nichts gefunden! Nun sollte das eigentlich kein Problem sein, immerhin habe ich die ersten Caminos alle komplett ohne Smartphone bewältigt! Und in der Regel sind die Wege ja auch ausreichend ausgeschildert! Das setzt allerdings voraus, dass es überhaupt einen Camino von hier nach Hannover gibt!
Tatsächlich habe ich den letzten Muschel-Wegweiser vorm Kloster gesehen! Nun sollten eigentlich alle Jakobswege langfristig nach Santiago führen und nicht zu einem Kloster in der Pampa. Doch ab hier entdecke ich keinen einzigen Hinweis mehr.
Das andere Problem: Ich habe – noch weniger als in den letzten Tagen – keine Ahnung, wie lang der heutige Abschnitt sein wird! Allein die Luftlinie kommt schon auf 25 km!
Und so verlasse ich Mariensee zwar gut gefrühstückt, aber doch ziemlich orientierungslos in Richtung Hannover.
Natürlich könnte ich mich auch von Google Maps leiten lassen. Doch das würde bedeuten, den größten Teil der Strecke entlang von Hauptstraßen zu laufen. Stattdessen halte ich mich an Radwegweiser, die Orte angeben, die mehr oder weniger auf meiner Route liegen.
Diese Strategie bewahrt mich allerdings nicht davor, große Teile der Strecke entlang von stark befahrenen Bundesstraßen zu marschieren. Abgerundet wird diese Tristesse noch vom grauen Wetter und den gerade einmal 13 °C bei starken Windböen. Wie Mitte Juni fühlt sich das wirklich nicht an!

Trotzdem erreiche ich Hannover irgendwann – nicht ohne die fast obligatorische Unterstützung einer Dose Bier. Nun ist diese Stadt ja ohnehin nicht unbedingt für Farbenfreude oder pittoreske Stadtteile bekannt, aber das Viertel, durch das ich nun einlaufe, ist selbst für die niedersächsische Hauptstadt bemerkenswert trostlos!
Aber genau hier soll ich demnächst laut “Around me“ meine heutige Unterkunft finden. Um 18:30 Uhr stehe ich schließlich vor einem unscheinbaren Gebäude an der Hauptstraße, in dem sich die Rezeption befindet. Nach kurzem Zögern trete ich ein. Der Mann hinter dem Tresen bietet mir ein Zimmer für 44 € an – oder eines für 33 €, wenn ich auf den Fernseher verzichten kann. Ich glaube, ich hatte auf all meinen Caminos zusammen gerade einmal 3 Fernseher, die ich dann noch nicht einmal genutzt habe…
Nachdem ich noch 20 € Kaution für den Schlüssel (!) entrichtet habe, führt er mich über einen Innenhof zu einem Block aus Wohncontainern. Einer davon ist für heute Nacht meiner! Das offenbar in erster Linie für Monteure gedachte Zimmer ist an Schlichtheit nicht zu überbieten, aber sauber! Und im Bad liegen sogar Zahnpasta, Deo und Duschgel parat.
Kurz gesagt: Die Unterkunft passt hervorragend zum heutigen Tag: schlicht, grau und zweckmäßig!
Zum Abendessen hole ich mir noch aus einem der zahlreichen Take-away-Restaurants eine Pizza!
Kleiner Fun Fact: Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass sich gut 1.500 Meter von hier entfernt ein Unternehmen befindet, das meine aktuelle Art zu reisen sehr bald für viele Jahre verändern wird: CustomBus.
(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)







