Binsbach → Würzburg
→ 31,7 Kilometer
↑ 178 Meter
Mittwoch, der 10.07.2013
Ich mache mich gerade an einem Waschbecken, das sich mehr oder weniger auf dem Flur befindet, frisch, da taucht einer der Handwerker auf. Er grüßt mich und fragt, ob sein Kollege schon da sei, was ich nicht bestätigen kann. Offenbar gibt es immer noch ein paar Restarbeiten zu erledigen. Kurz vor 8 Uhr erscheint dann auch mein Gastgeber, um mich abzuholen. Wir gehen zu seinem Haus, das sich nur 200 m die Straße hinauf befindet. Gemeinsam mit seiner Frau frühstücken wir zusammen in ihrem idyllisch gelegenen Garten.
Bevor ich aufbreche, gilt es noch, eine Spende für die Übernachtung zu entrichten, und einen kurzen Fototermin mit der lokalen Presse wahrzunehmen, für einen Artikel über die Einweihung der Herberge und deren ersten Gast.
Danach mache ich mich auf den Weg nach Würzburg.
Inzwischen ist nicht nur die Hitze erbarmungslos, sondern auch die Insekten attackieren mich so permanent, dass ich fast mehr mit deren Abwehr als mit dem Gehen beschäftigt bin!
Dementsprechend froh bin ich, als ich kurz vor 15 Uhr Oberdürrbach erreiche. Der Ort ist so groß, dass es hier doch irgendeine Art von Einkehrmöglichkeit geben muss. Noch am Ortseingang frage ich einen Mann in seinem Garten, nach einem Tipp. Er beschreibt mir eine relativ umständliche Route zu einer auf einer Anhöhe gelegenen Gastwirtschaft. Ansonsten, so meint er, könnte ich aber auch bei ihm ein Glas Wein haben. Da mir aber eher nach einem Eiskaffee ist, lehne ich dankend ab und folge seiner Beschreibung.
Leider stellt sich aber heraus, dass ich den recht anstrengenden Umweg auf den Berg umsonst gemacht habe, denn wieder einmal erwische ich einen Ruhetag!
Wieder im Ortskern frage ich eine junge Frau, die ebenfalls in ihrem Garten sitzt, ob sie eine Idee zur Einkehr hat. „Nein. Das sieht hier ziemlich schlecht aus. Aber wenn Sie wollen, kann ich Ihnen gern eine Flasche Bier mitgeben!?“
„Oh! Das ist sehr nett! Aber aktuell wäre es mir fast lieber, wenn Sie mir einfach meine Wasserflasche auffüllen könnten!?“
„Klar!“ Während sie dafür reingeht, taucht eine weitere junge Frau auf, die mich ein wenig zu meinem Weg interviewt. Zwischenzeitlich kehrt auch die Dame mit der Wasserflasche wieder zurück und meint, dass der Jakobsweg bei ihr auch ganz oben auf der To-do-Liste steht. Sobald ihr aktuell zehnjähriger Sohn aus dem Haus ist, will sie das Projekt angehen – genauso wie die Anschaffung eines Bullys!
Das nenne ich mal die richtigen Prioritäten!
Tatsächlich bietet sich die Möglichkeit zur Einkehr erst an meinem Ziel in Würzburg. Dafür gibt es dort in einem Eiscafé in der Altstadt ein Schokoladen-Spaghettieis und anschließend auch noch einen Eiskaffee.
Entsprechend gestärkt steuere ich als Nächstes direkt mal den Dom an, um dort zum einen den Stempel für meinen Pass und eventuell einen Tipp für eine Unterkunft zu bekommen.
Die Dame an der Info, die sich darum kümmert, findet heraus, dass es hier auf der anderen Mainseite eine Jugendherberge gibt, von der meine Jugendherbergs-App komischerweise nichts wissen will. Außerdem meint sie, dass ich natürlich auch mal beim Franziskanerkloster anfragen könne. Sehr optimistisch ist sie da allerdings nicht. Trotzdem steuere ich das historische Gemäuer zuerst an, da es sich direkt in der Altstadt befindet (→ SV).

Ähnlich wie schon in Mariensee, komme ich als Erstes in den Kreuzgang, treffe zunächst aber niemanden an. Dann entdecke ich plötzlich eine Frau, die gerade ein Büro abschließt. Ich spreche sie an und frage sie nach einer Übernachtungsmöglichkeit für Pilger.
„Für Pfleger!?“
„Nein. Eine Pilgerunterkunft.“
„Eine Pflegerunterkunft?“
Nachdem sie mich richtig versteht, sagt sie, dass sie darauf nicht eingestellt seien. Sie kann aber gern mal nachfragen, möchte mir da aber keine großen Hoffnungen machen. Dann verschwindet sie für eine Zeit lang wieder im Büro und kommt wieder mit der Info, dass da gleich jemand käme. Die Chancen stünden allerdings weiterhin schlecht, denn eigentlich wird hier niemand aufgenommen.
Es dauert nur drei Minuten, da taucht auf dem Gang ein Mann in Mönchskutte auf. Auch er bestätigt noch einmal, dass das Haus darauf nicht ausgelegt sei und auch die Damen, die die Gästezimmer herrichten, inzwischen nicht mehr da seien.
Ich versichere ihm, dass das kein Problem ist. Es gibt da ja auch noch die Jugendherberge.
„Haben Sie denn da schon etwas?“
„Nein. Noch nicht.“
„Ja, dann kommen Sie einfach mal mit.“
Auf unserem Weg durch die Gänge stößt dann noch ein weiterer Ordensbruder hinzu, der mich sehr herzlich begrüßt. Gemeinsam erreichen wir ein Gästezimmer, das entgegen der anfänglichen Bedenken doch hergerichtet ist.
Also bekomme ich einen Schlüssel in die Hand gedrückt, und der zweite Bruder fragt den ersten noch, ob denn das Abendessen schon geklärt sei.
„Noch nicht.“
Dann wendet er sich an mich und schlägt mir vor, mich um kurz vor 19 Uhr dafür abzuholen.
Ich nutze die Zeit bis dahin noch, um mich frisch zu machen und dann klopft es auch schon ziemlich bald wieder an meine Tür.

Auf dem Weg durch die Gänge interviewt er mich noch ganz begeistert, und dann betreten wir den Speisesaal.
An langen Tischen sitzen zahlreiche Franziskaner jeglichen Alters, von denen einige gerade noch ihre Notebooks zusammenklappen und beiseite legen. Nach einem kurzen Gebet werde ich von meinem Gastgeber, der hier offenbar auch eine leitende Funktion hat, allen als besonderer Gast vorgestellt, und er erzählt, was es mit mir auf sich hat.
Danach beginnen wir mit dem Essen in erstaunlich lockerer Atmosphäre.
Da ich nicht nur den Schlüssel zu meinem Zimmer, sondern auch den zum Haupttor bekommen habe, verlasse ich die Anlage noch einmal, um ein wenig durch die Altstadt zu ziehen.
Als Erstes steuere ich eine Buchhandlung an und finde auch direkt, was ich suche: einen Rother-Wanderführer über die Südwestdeutschen Jakobswege, der auch die Strecke von hier nach Straßburg beinhaltet. Danach besorge ich mir noch eine Dose Bier, um diese unten am Mainufer zu genießen. Dabei befinde ich mich in bester Gesellschaft: Überall an der Promenade und auch auf der historischen Brücke haben sich unzählige Menschen bei Wein oder Bier zusammengefunden, um diesen herrlichen Sommerabend zu genießen.
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