Gaukönigshofen → Rothenburg ob der Tauber
→ 42,9 Kilometer
↑ 184 Meter
Freitag, der 12.07.2013

Es überrascht mich natürlich nicht, dass ich, nachdem ich gestern Abend so früh ins Bett gegangen bin, heute Morgen sehr früh wach werde. Dementsprechend verlasse ich noch deutlich vor 8 Uhr das Haus und steuere noch einmal das Hotel an, in der Hoffnung, dort ein Frühstück zu bekommen. Als ich den Gastraum betrete, scheint es aber so, als wäre ich dafür noch etwas zu früh dran. Es stellt sich aber heraus, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Es ist inzwischen alles bereits wieder abgeräumt! Der Wirt erklärt mir, dass hier immer bereits ab 6 Uhr gefrühstückt wird. Aber er kann mir gerne noch ein bisschen Aufschnitt bereitstellen. Brötchen hat er leider keine mehr, dafür aber noch etwas Graubrot und natürlich Kaffee.
Ich nehme das Angebot dankend an. Er setzt sich an einen Tisch weiter, und wir kommen ein wenig ins Gespräch. Dabei bestätigt er, was auch schon aus dem Wanderführer hervorgeht: Die Strecke bis Rothenburg ob der Tauber ist, vor allem in Sachen Infrastruktur, ziemlich spartanisch. Da ja auch dieses Hotel meine Herberge der letzten Nacht mitbetreut, kassiert er die Übernachtung gleich zusammen mit dem Frühstück ab. Ich zahle die gewünschten 15 € und stelle dabei fest, dass ich mich auch dringend mal wieder um neues Bargeld kümmern sollte. Zum Glück verfügt dieser kleine Ort über eine Sparkasse.
Auf den vergangenen Caminos wusste ich die Unterstützung durch einen Wanderführer immer sehr zu schätzen. Dementsprechend hatte ich mich auch gefreut, endlich wieder einen solchen Begleiter dabei zu haben. Trotzdem ist es mal wieder Google Maps, dessen Empfehlung ich folge. Denn die hier vorgeschlagene Route bis Rothenburg ist so viel kürzer als die im Buch, dass ich den Abschnitt bis dahin bereits heute schaffen und damit eine ganze Tagesetappe sparen könnte! Das bedeutet aber auch, dass ich heute wieder auf über 40 km kommen werde. Von daher wäre eine Pause unbedingt mal angesagt! Vor allem, weil ich heute noch keine Chance auf neuen Proviant hatte! Wie passend, dass ich gegen 13 Uhr in Auernhofen einen Gasthof erreiche. Allerdings wirkt er nicht gerade so, als sei er gerade in Betrieb. Trotzdem treffe ich drinnen auf zwei Frauen, ich vermute Mutter und Tochter. Ich erfahre, dass es hier zurzeit wirklich nichts gibt, aber sie geben mir zwei Tipps mit auf den Weg: ein Restaurant auf einem Campingplatz sowie einen Gasthof in Simmershofen, der aber einen 3 km weiten Umweg bedeuten würde. Leider stellt sich auch das Restaurant auf dem Campingplatz als geschlossen heraus. Als ich dann den Gasthof erreiche, sehe ich bereits das Schild mit der Aufschrift “Ruhetag” – allerdings mittwochs! Dann betrete ich den Innenhof und komme an die nächste Tür, an der ebenfalls ein Schild dieses Mal mit der Überschrift “Urlaub” hängt – aber erst im August. Also drücke ich die Klinke und betrete eine geöffnete Gaststube!

Ich bestelle mir ein Jägerschnitzel, ein alkoholfreies Hefeweizen und anschließend noch einen Kaffee.
Ich komme mit der Wirtin ins Gespräch und irgendwann auch auf die Preise der Jugendherberge in Bad Kissingen. Auch sie fällt aus allen Wolken und erzählt mir, dass sie für ein voll ausgestattetes Zimmer gerade mal 25 € nimmt. Da ist es ja fast schade, dass hier für heute noch nicht Schluss ist. Aber ich erfahre auch, dass hier am Abend noch 300 Hochzeitsgäste angesagt sind. Aber die gerade mal rund 10 € für meine Bestellung sind ja auch schon sehr erfreulich.
Gut gestärkt setze ich den Rest meines heutigen Weges fort und erreiche ohne Probleme Rothenburg ob der Tauber, auch wenn die Wirtin nicht so recht glauben wollte, dass das heute noch mein Ziel sein soll. Ich steuere als Erstes die Touri-Info an, die aber leider bereits geschlossen hat. Also suche ich die zentral gelegene St.-Jakobs-Kirche auf. Direkt gegenüber entdecke ich das evangelische Gemeindehaus, vor dem auf einer Treppe ein paar Jugendliche sitzen, die gerade Pizza essen.. Ich spreche sie an und frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Einer von ihnen fragt mich: „Als Pilger?“
„Ja.“
„Warte mal, ich rufe mal eben meinen Chef an.“
Als er wieder auflegt, bittet er mich, ihm zu folgen. Er führt mich in einen größeren Aufenthaltsraum, in dem auch Matratzen liegen, und meint, dass ich mich hier breitmachen könne. Dann gibt er mir noch einen Schlüssel und bittet mich, den morgen wieder im Briefkasten nebenan einzuwerfen.
Großartig! Da habe ich mal eben nach einem kurzen Wortwechsel eine Unterkunft inmitten der Altstadt von Rothenburg ob der Tauber klargemacht! Laut Wanderführer handelt es sich bei ihr um DIE Touristenattraktion überhaupt in Deutschland! Bei meiner anschließenden Abendrunde brauche ich nicht lange, um festzustellen, warum das so ist! Die Stadt ist wirklich malerisch!
Abgesehen von zahlreichen Fotos gibt es außerdem noch eine Lasagne bei einem Italiener.
(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)






