Westernhausen → Neudenau
→ 43 Kilometer
↑ 178 Meter
Montag, der 15.07.2013
Nur wenige Kilometer von Westernhausen entfernt, soll es ein Kloster mit einem Café geben. Dementsprechend habe ich beschlossen, dort zu frühstücken. Zuvor nutze ich aber noch die Gelegenheit, mir hier im Rathaus endlich mal wieder einen Stempel zu holen. Wieder einmal überfordere ich die Mitarbeiterin des Büros damit ein wenig, weil sie befürchtet, dass sie dafür einen speziellen Stempel brauchen würde. Aber nachdem ich sie dahingehend beruhigen konnte, landet mal wieder eine Ortsmarkierung in meinem Pass.
Es muss an einer vermutlich sehr günstigen Windrichtung liegen, dass plötzlich vor mir auf einem Wirtschaftsweg ein Fuchs einschert und eine ganze Zeit lang nur wenige Meter vor mir herläuft, ohne mich zu bemerken, bis er schließlich wieder ganz entspannt im Feld verschwindet.
Irgendwie bin ich nicht überrascht, als ich um kurz nach 10 Uhr das Kloster erreiche und auf einem Schild lese, dass das Café jeden Tag ab 9, aber montags erst ab 11 Uhr geöffnet hat! Zwar sieht das hier alles sehr einladend und nett aus, aber eine ganze Stunde will ich hier dann doch nicht totschlagen. Zumindest hat das Pilgerbüro geöffnet. Also hole ich mir einen zweiten Stempel, damit ich hier nicht ganz unverrichteter Dinge von dannen ziehe.
Im benachbarten Ort hätte ich keine Probleme, mir meine Räume ausstatten zu lassen oder eine Versicherung abzuschließen. Ein Frühstück hingegen bekommt man hier leider weit und breit nicht. Also weiter in das gut 3 km entfernte Jagsthausen. Auch hier stoße ich noch einmal auf ein paar weitere Ruhetage, ehe ich dann aber einen Hofladen mit angeschlossenem Café erreiche. Hier kann ich mir direkt am Tresen zwei Körnerbrötchen sowie frischen Aufschnitt aussuchen. Dazu gibt es natürlich einen Kaffee und das alles für sage und schreibe 2,85 €! Mein Glück ist vollkommen und die frustrierende Suche vergessen, als ich das alles draußen unter ein paar Sonnenschirmen genießen kann.
Kurz hinter Jagsthausen hole ich wieder den Konvoi aus diversen Schulklassen ein, an dem ich bereits vorm Frühstück schon einmal vorbeizog. Und wieder beantworte ich geduldig einige der Fragen, die die Kinder vor allem wegen der Muschel an meinem Rucksack haben, bevor ich mich erneut nach vorne absetzen kann. Dieser Vorsprung verpufft allerdings abermals, als ich plötzlich ein spektakuläres Sonnenblumenfeld erreiche, das natürlich in Bildern festgehalten werden muss.
Es ist bereits nach 16 Uhr und es liegen 30 km hinter mir, als ich das ziemlich malerische Möckmühl erreiche. Also der perfekte Zeitpunkt und Ort für einen Eiskaffee – oder besser zwei! Diese bekomme ich vor einem gemütlichen italienischen Eiscafé. Außerdem gibt es hier auch noch eine Information, die ich doch tatsächlich mit einer Broschüre über Distanzen und Infrastruktur für den verbleibenden Abschnitt bis Speyer verlasse. Aber auch zwischen den Ortschaften herrscht heute ein sehr umfangreiches Versorgungsangebot – in diesem Fall in Form von einer Unmenge an reifen Kirschen, die in alten Bäumen am Wegesrand hängen!
Dementsprechend ist mir, wie auch schon gestern, noch gar nicht so richtig nach Aufhören zu Mute, als ich den Ort erreiche, bei dem es langsam mal angesagt ist, eine Unterkunft zu finden. Das Problem ist halt, dass es laut meiner neuen Broschüre in den nächsten 10 km erst einmal nichts mehr geben soll. Und ich habe bereits über 40 km hinter mir. Aber nachdem ich schon wieder vor diversen “Ruhetag-Schildern” ende bzw. einem Hinweis, dass ausgerechnet heute wegen der Teilnahme am Dorffest geschlossen ist, beschließe ich, heute gegebenenfalls den Rekord von 50 km zu knacken.

Allerdings wäre es nicht schlecht, hier noch einmal irgendwo etwas zu essen zu finden. Auch, wenn das meine Ankunftszeit am Ziel natürlich nicht gerade optimiert. Da aber auch die Restaurants alle dicht sind, sehe ich meine letzte Chance im Bierzelt des besagten Dorffestes. Tatsächlich kann ich mir dort am Tresen einen großen Wurstsalat sowie ein alkoholfreies Bier bestellen. Außerdem frage ich den Mann hinter dem Tresen, ob oben im Ort wirklich alle Gasthäuser geschlossen sind.
„Brauchst ‘ne Unterkunft?“
„Ja. Das wäre nicht schlecht!“
„Ok. Kein Problem. Mache ich dir klar! Aber iss erst mal was!“
Kurz darauf kommt er zu mir an den Tisch und meint, er hätte mit dem Wirt gesprochen. Da sei wirklich alles belegt, aber es gäbe am Bahnhof noch eine weitere Unterkunft.
„Ja. Da war ich bereits. Aber da ist alles dunkel und geschlossen!“
Daraufhin greift er zu seinem Handy, verschwindet kurz nach draußen und kommt wieder mit den Worten: „So. Der ist jetzt da! Kannst jetzt rüber gehen! Das Essen und Trinken gehen aufs Haus!“
Tatsächlich wird mir bei dem Gasthaus dieses Mal die Tür geöffnet, und ich bekomme ein Zimmer für 30 € inkl. Frühstück.
Nachdem ich mich kurz akklimatisiert habe, beschließe ich, noch einmal das Festzelt für ein alkoholfreies Bier als Schlummertrunk aufzusuchen. Ich setze mich damit wieder an einen der langen Tische, und es dauert nicht lange, da ruft jemand vom anderen Ende: „Die Damen würden gerne wissen, ob Sie ein Jakobus-Pilger sind!“
Ich bestätige das, woraufhin ein anderer meint: „Sie müssen da nicht alleine sitzen. Kommen Sie doch zu uns rüber!“ Also rückt eine der beiden Sitzreihen kurzerhand so auseinander, dass ich genau in deren Mitte Platz nehmen kann. Natürlich folgt ein angeregtes Gespräch über das Thema Jakobswege. Irgendwann frage ich, wo ich denn hier im Ort einen Stempel für meinen Pass bekommen könnte. Es stellt sich heraus, dass der Wirt der heute geschlossenen Pension darüber verfügen würde. „Warte! Das haben wir gleich!“ meint einer der Männer, steht auf, greift sich den Besitzer vom besagten Gasthaus und fährt mit ihm kurz hoch in die Altstadt, um den Stempel zu organisieren. Wieder zurück, wird dieser feierlich in meinem Pass platziert.
Es stellt sich heraus, dass bei Restaurierungsarbeiten des historischen Gebäudes, in dem sich das Gasthaus befindet, eine Jakobsmuschel in der Fassade entdeckt wurde. Es dauerte eine ganze Weile, bis man herausfand, dass dieses Haus schon früher als Pilgerunterkunft gedient hat.
Natürlich bleibt es nicht bei meinem alkoholfreien Bier, da ich immer wieder zu weiteren Bieren und auch Weinen eingeladen werde. Gegen 1 Uhr verlassen wir als so ziemlich die Letzten das Zelt.
(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)







