Dühren → Speyer
→ 40,8 Kilometer
↑ 138 Meter
Mittwoch, der 17.07.2013

Bereits um 8:15 Uhr höre ich, wie mein Gastgeber das Haus betritt. Kurz darauf erscheint er bei mir vor der Tür und fragt, ob wir noch gemeinsam frühstücken wollen. Während ich mich im Bad fertig mache, deckt er bereits unten den Tisch. Beim Frühstück erzählt er mir so einiges über die Querelen der verschiedenen Konfessionen hier in der Gegend und dass er es als evangelischer Pastor nicht immer leicht hat. Zwischendurch sehen wir draußen zwei Frauen mit Rucksäcken vorbeiziehen. Sie wirken in dem Augenblick etwas orientierungslos. Aber dann sehen wir, dass ein Mann, den mein Gastgeber offenbar auch kennt, sich ihrer annimmt. „Der wird den beiden wahrscheinlich jetzt die Kirche zeigen. „Wollen wir da dann auch gleich mal hingehen?“
„Ja, gern.“
Tatsächlich treffen wir dort wieder auf die drei, die ihren Rundgang aber offenbar gerade beenden. Wir unterhalten uns alle noch kurz, und dann ziehen die Damen weiter, während ich meine Führung jetzt noch bekomme. Tatsächlich erfahre ich einige durchaus interessante Fakten zu dem historischen Gebäude. Also es an der Zeit ist, sich zu verabschieden, besteht der Pastor darauf, dass er für die Übernachtung nichts von mir bekommt, auch keine Spende. „Heben Sie sich das lieber für die teureren Unterkünfte auf!“
Ich bedanke mich herzlich und trete meinen Weg nach Speyer an, wo ich inzwischen mit Isabell grob um 19:00 Uhr verabredet bin.
Gegen Mittag feiere ich das Überschreiten meines 1.000. Kilometers auf diesem Camino mit einer Pizza und zwei Radlern.
Wie der Zufall es will, geht das einher mit meinem 500. Tagebucheintrag!

Die Strecke heute stellt sich als äußerst eintönig und unspektakulär heraus. Sie führt über lange Strecken an Straßen entlang und durch eher unscheinbare Ortschaften. Zu allem Überfluss zieht es sich auch wieder zu, was an den hohen Temperaturen und vor allem an der Schwüle nichts ändert. Zwischendurch muss ich die Verabredung mit Isabell um eine Stunde nach hinten korrigieren.
Noch kurz vor Speyer bemühe ich wieder meine App bei der Recherche nach einer Unterkunft und werde auch ziemlich schnell fündig: Für gerade einmal 35 € bekomme ich ein Zimmer mitten in der Altstadt. Aber noch bevor ich deren Zentrum erreiche, passiere ich den Dom und den davorliegenden Platz. Und genau dort werde ich bereits erwartet. Isabell sitzt auf einer der Bänke und springt auf, als sie mich entdeckt. Wir begrüßen uns herzlich und gehen gemeinsam als erstes zu meiner heutigen Unterkunft. Auf dem Weg dahin erzählt sie mir, dass sie jetzt erst einmal bis März arbeitsunfähig ist. Da sie in der Vergangenheit häufiger gesundheitliche Probleme hatte, vermute ich, dass diese auch hierfür der Grund sind. Genaueres erzählt sie mir im Augenblick nicht.
Als ich mein Hotel erreiche, checke ich ein und mache mich frisch, während Isabell draußen im Biergarten wartet. Anschließend suchen wir einen schräg gegenüber gelegenen Italiener auf, um dort etwas zu essen. Das erste Mal, als wir beide zusammen essen gegangen sind, hatte ich auch 1.000 km Camino hinter mir – in dem Fall traf das sogar auf uns beide zu! Aber auch dieses Mal hat sie ebenfalls einen Anlass anzustoßen! Der Grund für ihre arbeitsfreie Zeit: Sie ist schwanger! Was bei ihrer medizinischen Vorgeschichte fast ein kleines Wunder ist!
Dementsprechend überrascht bin ich, und wir stoßen auf diese tolle Nachricht an!
Als es schon ziemlich spät ist, begleite ich sie noch einmal durch die Altstadt zu ihrem Wagen und schleiche dann langsam wieder zurück in mein heiß ersehntes Bett! Die Etappe heute hat doch ganz schön geschlaucht!
(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)






