Camino Deutschland (Tag 29)

 

Speyer → Hördt


 → 33 Kilometer
↑ 17 Meter

Donnerstag, der 18.07.2013

 

Spyer

Es ist bereits 9:40 Uhr, als ich mein Hotel verlasse und beschließe, noch einmal durchs Zentrum zu ziehen. Zum einen will ich noch einen Stempel bei der Touri-Info kassieren, und da es im Hotel kein Frühstück gab, gilt es, auch das irgendwo noch nachzuholen.
Der Stempel stellt sich als äußerst nüchtern heraus und bezieht sich allgemein auf den Pfälzer Jakobsweg und nicht direkt auf die Stadt Speyer. Dafür hatte die Dame hinter dem Tresen einen ganz guten Tipp für mich, wo ich etwas günstiger frühstücken kann als direkt im Altstadtkern. Das Café befindet sich an einer Hauptstraße und bietet tatsächlich ein gutes und umfangreiches Frühstück, was aber meine heute Morgen etwas ausgebremste Moral nicht so wie erhofft anhebt.
Der Grund für diesen Hänger liegt wahrscheinlich hauptsächlich darin, dass es nur noch runde 120 km bis Straßburg und damit bis zum Ende dieses Caminos sind. Das entspricht bei meinem bisherigen Pensum gerade mal noch drei Tagen! Und ich habe noch zehn Tage! Und dabei war ich mir am Anfang der Reise noch sicher, den Abschnitt bis Straßburg auf zwei Reisen aufteilen zu müssen.
Aber auch meine Beine und Füße sind heute offenbar der Meinung, dass ich mal ein wenig auf die Bremse treten könnte. Ich versuche mich mit verlockenden Plänen für die Zeit zu Hause zu motivieren. Kaltgetränke auf dem Balkon genießen. Sich auf die Couch packen und eine DVD gucken … Aber ich bin mir sicher, dass ich mich spätestens nach drei Tagen auch wieder auf den Weg machen könnte. Obwohl ich mir andererseits gar nicht sicher bin, ob es noch mal einen weiteren Camino geben wird.
Mit solchen und anderen Gedanken durchstreife ich heute die recht unspektakuläre Landschaft, bis ich kurz nach 16:00 Uhr Germersheim erreiche. Ich habe zwar noch keine 20 km auf der Uhr, aber da ich inzwischen genug Zeit habe und etwas kürzer treten will, bin ich durchaus offen dafür, hier eventuell für heute Schluss zu machen.
Da kommt es mir doch sehr gelegen, dass die Kirche im Ortskern ganz offensichtlich im Zeichen des Jakobsweges steht. Die großen Griffe des Haupteingangs bestehen aus Jakobsmuscheln. Dementsprechend motiviert klingle ich beim benachbarten Pfarramt, und es wird mir auch geöffnet. Allerdings gibt es hier offenbar keine Unterkünfte, sondern nur den Tipp, es doch mal beim Hotel zur Post zu probieren. Dieses befindet sich nur eine Straßenecke weiter. Allerdings macht es von außen keinen wesentlich besseren Eindruck als “der Prinz” vor zwei Tagen. Trotzdem beschließe ich, dieses Mal zumindest nachzufragen. Als die Frau dann an der Rezeption dann aber eher widerwillig reagiert („Sie sind allein? Sie haben keine zweite Person dabei?“) und mir einen Preis von 46 € nennt, beschließe ich, mir das doch noch mal zu überlegen. Ich mache dies bei einem obligatorischen Eiskaffee und entscheide mich ziemlich schnell, doch noch etwas weiterzuziehen.

Der Rhein

Der Camino führt mich anschließend eine ganze Zeit direkt am Rhein entlang. Und als ich an einem Hotel vorbeikomme, das sich direkt in dieser idyllischen Lage befindet, bin ich sofort bereit, den vor kurzem noch unattraktiven Preis von über 40 € für die Nacht zu zahlen. Dummerweise ist aber kein Zimmer mehr frei. Die Rezeptionistin meint noch, dass ich in Germersheim sicherlich bessere Chancen hätte, vermutet aber auch direkt, dass ich da wahrscheinlich gerade herkomme. Also weiter.
Die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit sind nach wie vor unverändert hoch. Dementsprechend dankbar bin ich, als ich endlich mal wieder ein Waldgebiet betrete. Dass dies aber bei dem aktuellen Klima sowie einem Hochwasser, das erst vor kurzem wieder zurückgegangen ist, kein Grund zur Freude ist, muss ich sehr schnell feststellen! Ich bewege mich von nun an durch eine geschlossene Mückenwolke und bin nur noch damit beschäftigt, Arme, Beine und Kopf möglichst schnell in Bewegung zu halten, um nicht komplett aufgefressen zu werden! Erst mit dem Erreichen des Waldrandes hat dieser Albtraum ein Ende!
Meine aktuellen Hoffnungen auf eine Unterkunft liegen auf dem Ort Hördt. Wirklich gute Chancen rechne ich mir aber nicht aus, da es sich offenbar um ein reines Wohndorf handelt. Das ändert sich allerdings, als ich am Ortseingang auf eine Tafel stoße, die auf gleich mehrere Unterkünfte im Ort hinweist. Gerade, als ich den Ortskern erreiche, hält vor mir ein Transporter. Ich nutze die Gelegenheit und frage dessen Fahrer, ob er mir einen Tipp für eine Unterkunft geben kann. Offenbar kann er das und greift direkt zu seinem Handy. Er wechselt ein paar Worte und fragt mich zwischendurch, was ich denn zahlen wolle. etwas überrascht von dieser Frage, meine ich, dass der Gastgeber einfach sagen soll, was er haben möchte. Kurz darauf übergibt er mir das Handy. Ich erfahre, dass die Nacht bei 35 € liegen würde. Das Angebot ist zwar nicht schlecht, trotzdem bin ich irgendwie noch etwas unschlüssig, auch wegen der anderen Möglichkeiten hier im Ort. Wir verbleiben so, dass ich ihm zeitnah meine Entscheidung wissen lasse. Und als ich so nach und nach die anderen Unterkünfte aufgespürt, dort aber niemanden angetroffen habe, steuere ich die Adresse an, wo ich mehr oder weniger schon erwartet werde. Es öffnet mir eine freundliche Frau mit den Worten: „Na, das ging aber schnell!“, woraufhin ich sie wissen lasse, dass sie noch etwas Zeit hätte, da ich erst mal noch etwas essen gehen würde.
Sie beschreibt mir den Weg zu einem Bistro. Dort esse ich draußen vor dem Haus ein mit Käse überbackenes Schnitzel und bin gerade schon im Begriff, wieder zu gehen. Da sprechen mich wieder mal ein paar Leute vom Nachbartisch an. Und wieder mal heißt es, ich solle mich doch noch auf ein Bier zu ihnen rüber setzen und mehr von meiner Reise erzählen. Ich erkläre Ihnen aber, dass ich die Geduld meines Gastgebers nicht überstrapazieren möchte. Daraufhin fragen sie mich, wo ich denn untergekommen sei. Und als ich es ihnen erkläre, wird kurzerhand zum Handy gegriffen, ein paar Worte gewechselt und mir gesagt, dass das kein Problem sei, ich könne noch ein bisschen bleiben. Man kennt sich hier offenbar!
Mitten im Gespräch ruft einer der beiden Männer plötzlich einen Namen zu einem von zwei Fahrradfahren, die gerade vorbeikommen und meint, dass sein Gast hier am Tisch sitzen würde. Da er davon nichts wusste, war das Telefonat vorher offenbar mit seiner Frau. Daraufhin verabschiedet er sich von seinem Begleiter und gesellt sich auch noch zu uns an den Tisch. Kurz darauf bricht er aber wieder auf in Richtung Heimat und lässt mich noch wissen, dass ich mir gern Zeit lassen kann.
So viel länger bleibe ich dann aber natürlich trotzdem nicht mehr. Trotzdem ist es 23:45 Uhr, als ich dann endlich meine heutige Unterkunft ansteuere. Als ich dort ankomme, steht die Haustür offen, und ich klopfe an. Von drinnen höre ich, die mir inzwischen vertraute Stimme „Moment“ sagen, und kurz darauf erscheint mein Gastgeber, der mich bittet, ihm ums Haus herum zu folgen.
Wir betreten über eine Treppe nach unten eine Souterrain-Wohnung, die überraschend modern und gut ausgestattet ist.
Er fragt mich noch, wann ich morgen etwa aufbrechen wolle. Woraufhin ich ihm antworte, gegen 8:30/9 Uhr und dann verabschiedet er sich bis morgen.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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