Camino Deutschland (Tag 30)

 

Hördt → Klingenmünster


 → 29,2 Kilometer
↑ 74 Meter

Freitag, der 19.07.2013

 

Rülzheim

„Willst du schon los?“ fragt mich mein Gastgeber etwas überrascht, als ich gegen 8:15 Uhr startklar vor der Tür stehe. „Ich wollte dich eigentlich noch zum Frühstücken einladen!?“
„Ach so!? Da sage ich doch nicht nein!“
Gestern am Telefon hatte ich es noch so verstanden, dass es hier keine Verpflegung gäbe. Wir setzen uns draußen auf der Terrasse an einem reichhaltig gesteckten Tisch und sitzen dort über 1 Stunde. Gegen 10 Uhr ist es aber dann doch an der Zeit, aufzubrechen.
Während die Temperaturen sich weiterhin auf hohem Niveau um die 30 °C halten, baut die Attraktivität der Landschaft immer weiter ab. Auch bei den Orten, durch die ich komme, handelt es sich in der Regel nur um unspektakuläre kleine Wohndörfer. Dementsprechend mache ich kaum noch Fotos und auch meine Moral schleicht irgendwo hinter mir her. So eine kurze Einkehr, im Idealfall mit einem Eiskaffee, würde da vielleicht ein wenig helfen. Aber selbst, als ich gegen 15:30 Uhr einen größeren Ort erreiche, der sogar zwei Kirchen hat, ist auch da von Gastronomie keine Spur. Das bestätigt mir auch eine Frau, die ich in ihrem Garten antreffe. Allerdings fragt sie mich auch, ob sie mir einfach einen Kaffee machen oder ein Radler geben soll. Wenn ich etwas auf den Caminos gelernt habe, dann Ja zu sagen. Vor allem, wenn die Verzweiflung groß ist.
Sie sagte mir, dass sie selbst jetzt leider weg müsse, aber ihr Mann würde mir gleich etwas rausbringen. Und tatsächlich kommt dieser kurz darauf mit gleich zwei gekühlten Radlern – eines davon für sich – und setzt sich zu mir an den Gartentisch. Nachdem wir uns eine ganze Zeit lang unterhalten haben und mein Radler ausgetrunken ist, bedanke ich mich herzlich und ziehe weiter.

Blick auf Steinweler

Nicht allzu viel später beschließe ich, in Klingenmünster mal zu gucken, ob ich hier in Sachen Übernachtung fündig werde. Tatsächlich gibt es hier sogar einen Schaukasten mit diversen, sehr unterschiedlichen Unterkünften und neben jeder eine rote bzw. grüne Lampe. Je nachdem, ob noch Betten frei sind. Bei zwei der grünen Lampen erreiche ich leider niemanden und alle weiteren gehören zu Ferienwohnungen, die erst ab zwei Personen vergeben werden. Eine Frau, die direkt neben dieser Information ihren Obststand hat, gibt mir den Rat doch es doch einfach mal bei dem Hotel am Stift (→ SV) zu probieren. Das mache ich und erfahre dann an der Rezeption, dass es tatsächlich noch freie Zimmer gibt. Allerdings liegt das günstigste bei 57 €! Ich gestehe der jungen Frau, dass das nicht unbedingt in meinen Budgetplan passen würde, auch wenn der Preis sicherlich gerechtfertigt ist und frage sie, ob sie noch eine andere Idee hätte. „Es gibt da noch eine Herberge in Bad Bergzabern. Da kann ich gern mal für Sie anrufen.“
Da das auf meinem weiteren Weg liegt, nehme ich das Angebot gern an. Zunächst erreicht sie dort niemanden, aber kurz darauf klingelt das Telefon wieder und am anderen Ende ist die Jugendherberge, die aber nur sagen kann, dass sie völlig ausgebucht ist.
„Was lässt Ihr Budget denn zu?“ fragt sie mich anschließend.
„Naja… Normalerweise so um die 30 €. Bei Hotels auch schon mal 40.“ antworte ich wahrheitsgemäß.
„Na gut. Dann gebe ich Ihnen das Zimmer für 40 €.“
„Wow! Vielen Dank!“
Kurz darauf beziehe ich mein Zimmer, dusche, wasche meine Wäsche und nutze die Gelegenheit eines sehr guten WLAN-Zugangs, vor allem zum Laden von Kartenmaterial für die Strecke bis Straßburg. Denn ab morgen werde ich in Frankreich sein und keine mobilen Daten mehr nutzen können!
Danach ziehe ich nochmal in den Ortskern und hole den tagsüber so vermissten Eiskaffee nach und gehe anschließend in einer Gaststube noch ein Jägerschnitzel essen.

weiter →

(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.