Klingenmünster → Weißenburg
→ 26,3 Kilometer
↑ 199 Meter
Samstag, der 20.07.2013

Draußen auf der Terrasse des Hotels nutze ich das ziemlich umfangreiche Frühstücksangebot und mache mir auch noch ein Brötchen für unterwegs fertig. Danach breche ich auf in eine Landschaft, deren Gesicht sich spürbar verändert hat. Der Weg schlängelt sich an kleinen Bächen vorbei. Die Gegend wird wieder hügeliger und die Orte pittoresker. Die Abschnitte, bei denen man an langen Geraden, gern auch mal Straßen, entlang durch gesichtslose Orte zieht, scheinen hinter mir zu liegen. Frankreich ist offenbar in greifbarer Nähe …! Natürlich weiß ich, dass es auch in Deutschland sehr malerische Regionen gibt. Aber wenn man das Land einmal konsequent vertikal durchläuft, hat es doch hier und da seine Längen.
Und gerade die letzten Tage waren doch von einer recht starken Tristesse geprägt, die auch sehr an meiner Motivation gezerrt hat.
Das wird heute umso deutlicher, weil mich dieses plötzlich wieder so fotogene Umfeld geradezu beflügelt! Wie weggeblasen sind die Trägheit und die Wehwehchen, die mich noch bis gestern begleitet haben! Aber auch das aktuelle Klima trägt sicherlich seinen Teil dazu bei. Es ist nicht mehr so dunstig und drückend, zumindest noch nicht. Und tatsächlich dauert es nicht mehr lange und es herrschen gegen Mittag wieder 30° im Schatten. Dementsprechend gelegen kommt mir die gemütliche Altstadt von Bad Bergzabern, in deren Mitte es mal wieder den obligatorischen Eiskaffee gibt.
Kurz hinter der Stadt bekomme ich die Gelegenheit zu einer weiteren, recht ungewöhnlichen Energiequelle. Auf einer Lichtung entdecke ich einen Imker, der gerade dabei ist, sich um seine Bienen zu kümmern. Ich frage ihn, ob ich ein paar Fotos machen darf, worauf er mir anbietet, gern heranzutreten. Er versichert mir, dass die Bienen sehr friedlich sind. Während er mir so einiges Wissenswertes über die Bienen erzählt, bietet er mir an, einfach mal mit dem Finger tief in die Waben einzubrechen und den Honig zu probieren. Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile. Es stellt sich heraus, dass er ebenfalls bereits 300 km des klassischen Jakobsweges gelaufen ist.
Noch während unseres Gesprächs taucht ein weiterer Wanderer auf und gesellt sich dazu. Irgendwann fragt er mich, ob wir einfach ein Stück gemeinsam weiter gehen wollen. Und so bestreiten wir gleich mehrere Kilometer und unterhalten uns buchstäblich über Gott und die Welt, denn er ist viel auf Reisen und beschäftigt sich mit allen möglichen Religionen – vor allem aber mit dem Islam, den er offenbar nicht so sehr zu schätzen weiß. Zum Glück gleitet das Gespräch aber nie ins Belehrende oder gar Missionarische ab. Da hatte ich auf diesem Weg ja schon ganz andere Begegnungen!

Als ich mit Schweigen den letzten Ort vor der Grenze erreiche, bin ich schon wieder eine ganze Weile allein unterwegs. Hier gönne ich mir noch einmal den letzten deutschen Eiskaffee, der erstaunlich lange auf sich warten lässt. Das könnte mir eigentlich egal sein, hätte ich nicht kurz vorher bei der örtlichen Touri-Info erfahren, dass das Office de Tourisme in meinem Zielort um 18:00 Uhr schließen wird – also in gut 1,5 Stunden. Zum Glück sind es bis dahin aber auch nur noch 2 km.
Noch in Schweigen durchschreite ich das spektakuläre Weintor. Der Grenzübergang am Ortsausgang hingegen ist so unauffällig, dass ich ihn fast übersehen hätte. Nur ein altes Schild, das nur knapp aus dem hohen Gras ragt, weist darauf hin, dass ich nun Frankreich betrete.
Nur 20 Minuten später erreiche ich Weißenburg (frz. Wissembourg) und mich überkommt fortwährend eine Gänsehaut nach der anderen! So schön ist dieser Ort und so sehr freue ich mich, endlich mal wieder in Frankreich zu sein. Im Office du Tourisme, welches ich noch rechtzeitig erreiche, versucht die Dame hinter dem Tresen telefonisch eine Unterkunft für mich zu finden. Nach einigen Fehlversuchen fällt ihr ein, dass es da noch eine private Pension für 35 € mitten in der Altstadt gibt. Es folgt noch ein kurzes Telefonat und dann darf ich mich einer älteren Dame nur ein paar Häuser weiter vorstellen. Auch sie spricht, wie bereits die Frau im Touri-Office, Deutsch und erzählt mir, dass sie mir auch noch ein einfaches Zimmer für 27 € anbieten kann. Da einfach sicher mehr als gut genug ist, nehme ich dankend an und sehe anschließend zu, dass ich noch schnell einen Stempel im Rathaus bekomme. Denn auch das schließt um 18:00 Uhr und wird morgen erst wieder öffnen, wenn ich bereits unterwegs sein werde.
Ganz elsässisch gibt es zum Abendessen einen Flammkuchen sowie gleich zwei große Biere. Danach genieße ich bei einer kleinen Abendrunde noch einmal den Charme dieser Stadt und beschließe: Mein nächster Camino wird wieder ein französischer sein!
(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)






