Camino Deutschland (Tag 32)

 

Wissembourg → Hagenau


 → 39 Kilometer
↑ 111 Meter

Sonntag, der 21.07.2013

 

Cleebourg

Trotz des geöffneten Fensters war die Nacht unangenehm warm. Aber da durch eben dieses Fenster am Morgen kein Sonnenlicht fällt, vermute ich bereits, dass es heute vielleicht mal nicht ganz so heiß werden könnte. Allerdings liegt das nur daran, dass man von hier aus in den Innenhof blickt und die Sonne diesen noch nicht erreicht hat. Der Himmel ist wieder so wolkenfrei wie in den ganzen letzten Tagen. Und so breche ich nach einem guten Frühstück und einem sehr kräftigen Kaffee wieder auf in eine Etappe, die sehr heiß zu werden verspricht. Zum Glück habe ich noch genug Wasser dabei. Ansonsten weist mein Proviant deutliche Defizite auf. Dummerweise ist heute aber Sonntag, und die Möglichkeit, sich einzudecken, hält sich stark in Grenzen. Dementsprechend große Hoffnungen liegen auf Soultz-sous-Forêts, das sich auf der Hälfte meiner heutigen Etappe befindet. Da ich aber ja inzwischen genug Zeit habe, spiele ich zumindest mit dem Gedanken, eventuell dort sogar für heute Schluss zu machen. Voraussetzung dafür ist aber, dass dieses Städtchen in etwa so attraktiv ist wie Wissembourg.
Völlig unerwartet stoße ich aber bereits vor dem Ort auf eine sehr gute Energiequelle: Parallel zu meinem Weg stehen zahlreiche alte Kirschbäume, deren Kronen voll sind mit großen, reifen Früchten!
Es stellt sich heraus, dass Soultz-sous-Forêts, das eventuell sogar etwas größer ist als Wissembourg, diesem nicht annähernd das Wasser reichen kann, was es die Attraktivität und Infrastruktur angeht. Selbst Menschen scheint es hier kaum zu geben. Nur eine stark befahrene Hauptstraße. Dementsprechend nutze ich bei der einzigen Person, die ich antreffe, die Gelegenheit und bitte sie darum, meine Wasserflasche aufzufüllen, was sie gern macht. Danach stelle ich mich darauf ein, dass die bereits gegessenen Kirschen sowie die verbleibenden Schoko-Croissants in meinem Rucksack erst einmal ausreichen müssen. Zum Glück habe ich bei dieser Hitze ohnehin keinen so großen Hunger. Als ich aber kurz davor bin, die Stadt wieder zu verlassen, stoße ich tatsächlich doch noch auf ein geöffnetes Café.

Haguenau

Kurz darauf gibt es für mich ein Croque-Monsieur (in Frankreich Toastbrot mit Salami) sowie einen Café au Lait und ausreichend neuen Strom für mein Handy!
Gegen 19:00 Uhr erreiche ich dann endlich Hagenau, mein für heute erklärtes Ziel, und bin damit theoretisch zwei Stunden zu spät für das Touri-Office. Praktisch hat es sonntags aber ohnehin nicht geöffnet.
Auch ein Gastwirt, den ich kurz darauf nach einer Unterkunft frage, kann mir nicht wirklich weiterhelfen. Also greife ich mal wieder zu meiner “AroundMe”-App. Da drin finde ich ein Hotel, das Zimmer für 45 € haben soll. Als ich dieses erreiche, freue ich mich schon, als mir die Rezeptionistin scheinbar einen Preis von 40 € nennt. Dummerweise leide ich aber unter einer „Fifty-Forty-Schwäche“ und zahle mit 50 € – ohne Frühstück – den höchsten Preis für ein Zimmer auf diesem Camino. Aber was soll’s. Dafür ist es immerhin auch das letzte auf der Strecke.
Als ich das Zimmer betrete, schlägt mir als Erstes gefühlt eine Eisfront entgegen! Ein Blick auf die Klimaanlage sagt mir aber, dass das immer noch 22° sind. Der Tag heute war wirklich sehr heiß!
Auch die Dusche stellt sich als sehr leistungsfähig heraus. Einen so starken Wasserdruck habe ich in Hotels bisher nur selten erlebt. Ansonsten ist das Zimmer einfach, aber völlig ausreichend.
Nachdem ich mich buchstäblich akklimatisiert habe, folge ich der Empfehlung der Rezeptionistin und gehe noch mal gute 1,5 km der Strecke zurück, um dort ein Restaurant aufzusuchen.
Es handelt sich um eine Pizzeria, deren Preise mich aber ähnlich überraschen wie der des Hotels. Von daher sehe ich mich noch mal ein wenig um und entdecke zum Glück noch eine Pizzeria mit “normalen” Preisen.
Wieder zurück beim Hotel, habe ich mit dieser Extra-Runde schon wieder die 40-km-Marke geknackt. An diesem Pensum hat sich also bis zum Ende des Caminos nicht wirklich etwas geändert.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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