Camino Deutschland (Tag 33)

 

Hagenau → Straßburg


 → 36,7 Kilometer
↑ 51 Meter

Montag, der 22.07.2013

 

Zum Glück ist wieder Montag und mir steht direkt ein größerer Supermarkt zur Verfügung. Am Ende sind es dann aber doch wieder die obligatorischen zwei, drei Utensilien, die ich aus dem Laden mit auf den Weg nehme. Ein paar Bananen und einen Trinkjoghurt. Die obligatorische Tüte mit Schokocroissants ist dieses Mal schon gar nicht mehr dabei, da sie sich nicht mehr lohnt. Denn es sind schätzungsweise noch etwas mehr als 30 km bis Straßburg!
Und wenn auf dem Weg dahin nicht noch ein ganz bezauberndes Örtchen auftaucht, das mich mit einer sehr idyllischen Unterkunft zu einer außerplanmäßigen Übernachtung verleitet, ist dies heute mein allerletzter Wandertag auf diesem Camino!
Leider scheint sich der Abschnitt dieser Bedeutung aber nicht bewusst zu sein. Die Landschaft ist überraschend dröge – vor allem für französische Verhältnisse. Zu allem Überfluss erreichen die Temperaturen noch mal neue Rekordwerte und bewegen sich inzwischen weit über 30°. Dafür ist von Schatten keine Spur. Streckenweise habe ich den Eindruck, durch eine Wüste zu laufen.
Gegen Mittag nimmt die Besiedlungdichte langsam zu. Ganz offensichtlich erreiche ich so langsam den Dunstkreis von Straßburg. Einkehrmöglichkeiten sind allerdings eine ganze Zeit lang nicht zu entdecken. Irgendwann komme ich dann aber doch an einer Bar vorbei, vor der Tische und Stühle unter Sonnenschirmen stehen. Da ich bei dieser Hitze absolut keinen Appetit entwickle, bin ich einfach mal so unvernünftig und gönne mir ein kaltes Bier. Außerdem lasse ich mir noch meine Wasserflasche auffüllen und ziehe dann weiter.
Es dauerte nicht mehr lange, und der Camino stößt auf einen Kanal, dessen Verlauf er von nun an folgt. Bei einem Blick auf die Karte stelle ich fest, dass dies konsequent die verbleibenden 15 km bis Straßburg hinein macht. Mir ist natürlich klar, dass das auf Dauer ebenfalls ziemlich eintönig werden kann, aber zunächst freue ich mich erst einmal über diese landschaftliche Abwechslung. Außerdem bietet eine Baumreihe auf der anderen Seite des Weges genügend Schatten, um die inzwischen gnadenlos hohen Temperaturen etwas erträglicher zu machen. Als der Camino, aber irgendwann über eine Brücke hinweg die Seite wechselt, ist es vorbei mit dem Schatten! Von nun an bleibe ich unter jeder Brücke hängen, um in deren Schatten etwas abzukühlen. Diesen wieder zu verlassen, kostet mich jedes Mal große Überwindung!

Strassburg

Gegen 16:30 Uhr entdecke ich in der Ferne eine große Kirche, von der ich mir sicher bin, dass es sich dabei um das Straßburger Münster handelt. Nicht weniger imposant sind die Cumulonimbus-Wolken, die sich zu meiner Linken auftürmen und auch immer mehr zu werden scheinen.
Es ist sicherlich nicht unwahrscheinlich, dass ich aufgrund der Hitze langsam Gefahr laufe, zu fantasieren, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Schildkröte, die ich da parallel zu mir im Wasser schwimmen sehe, noch real ist.
Kurz darauf spricht mich ein älteres Paar, das auf Rädern unterwegs ist, an. Zunächst auf Französisch, aber es stellt sich heraus, dass Deutsch genauso geht. Er erzählt mir, dass er bereits den Camino von Le Puy nach Saint-Jean-Pied-de-Port gelaufen ist und demnächst den spanischen Weg angehen möchte. Und er musste mich jetzt einfach mal ansprechen, da sie hier noch nie einen Pilger gesehen haben, obwohl sie hier wohnen und auch wissen, dass der Camino hier entlang führt. Außerdem lässt er mich noch wissen, dass es noch gute 15 km bis Straßburg sind, aber auch, wenn die beiden hier wohnen, hoffe ich doch sehr, dass Google Maps mit seinen 8 km da besser Bescheid weiß. Allerdings ziehen auch die sich noch ganz schön hin.
Um 18:20 Uhr ist es dann aber schließlich soweit: Ich stehe vor den imposanten Türmen des Straßburger Münsters!
Es ist mal wieder geschafft!
Ich lasse diesen Moment eine Zeit lang auf mich wirken. Danach betrete ich die Kathedrale und steuere zielstrebig die hintere Ecke des Kirchenschiffes an, von der ich bereits aus dem letzten Jahr weiß, dass es dort den Stempel für meinen Pass gibt. Dieses Mal wird es der letzte sein.
Der freundliche Mann hinter dem Tresen greift bereits zu dem Stempel, als er mich kommen sieht und platziert ihn in meinem Pass. Danach sagt er auf Englisch zu mir: „Dann bis nächstes Jahr für den nächsten Abschnitt!“ Ich erzähle ihm, dass daraus leider nichts wird, da ich diesen Teil bereits im letzten Jahr schon gemacht habe, und ich hier und heute die Lücke von Hamburg bis Santiago geschlossen habe.

Ich lasse mir von ihm noch einige Tipps zu Unterkunft und Einkehrmöglichkeiten geben. Ich steuere die von ihm empfohlene Herberge direkt danach an. Die 39 € für die Nacht überraschen mich nicht wirklich. Trotzdem will ich auch noch mal im Office de Tourisme fragen, ob es da eventuell noch ein erschwingliches Hotelzimmer gibt. Für die letzte Nacht wäre das ja durchaus angemessen. Tatsächlich wird der junge Mann in dem Büro nach einigen Recherchen fündig und macht für mich eine Unterkunft mitten in der Altstadt klar, die bei 52 € liegt. Allerdings müsste ich mich etwas beeilen, da dort eigentlich genau jetzt geschlossen wird. Man würde aber noch auf mich warten. Gut fünf Minuten später erreiche ich den schicken Altbau und werde von gleich drei Personen in Empfang genommen, die mir den Schlüssel für ein ebenfalls nettes Zimmer im zweiten Stock übergeben. Nachdem dies bezogen ist, mache ich mich noch mal auf, um etwas essen zu gehen. Selbst zu dieser fortgeschrittenen Stunde sind die Temperaturen immer noch kaum zu ertragen. Natürlich gibt es in der Hauptstadt des Elsass noch mal einen Flammkuchen.
Wieder zurück auf meinem Zimmer buche ich die Bahntickets für morgen. Ich bekomme eine Verbindung, die mittags in Straßburg startet und keine 6 Stunden später in Hamburg endet. Andere brauchen für diese Strecke 6 Wochen …!

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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