Camino Deutschland (Tag 01)

 

Hamburg → Hittfeld


 → 44,2 Kilometer
↑ 77 Meter

Donnerstag, der 20.06.2013

 

Pilgerziele vor der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg

Das erste Mal muss ich für einen Camino nicht rechtzeitig am Flughafen sein, um zu meinem Standort zu fliegen. Es ist kein Bustransfer nötig, keine Gepäckaufgabe, kein Warten aufs Boarding. Einfach den bereits gepackten Rucksack gegriffen und los!
Nicht einmal um das Frühstück muss ich mich kümmern, denn das soll es, ganz camino-like, unterwegs geben. Und so kommt es, dass ich bereits um 7:20 Uhr die Tür ins Schloss ziehe, abschließe und in Richtung Straßburg aufbreche.
Logischerweise werde ich mich vor allem heute noch auf vertrautem Terrain bewegen. Besonders die ersten Kilometer  kenne ich in- und auswendig, da es sich um meinen täglichen Arbeitsweg handelt.
Schon nach meinem ersten Camino im Jahr 2008 habe ich die liebgewonnene Gewohnheit übernommen, unterwegs in ein Café einzukehren, um zu frühstücken. Diese Routine ließ ich auch im Alltag weiterleben, indem ich gelegentlich vor der Arbeit verschiedene Cafés besuchte. Eines davon ist das Café May (→ SV) unweit meiner Firma. Leider ist dessen Besitzerin, die mich inzwischen gut kennt, ausgerechnet heute nicht da. Eigentlich war es mein Plan, mir von ihr meinen ersten Stempel in meinen Pass geben zu lassen. Nun wird diese Ehre also meiner Kollegin zuteil. Und so stehe ich kurze Zeit später in komplett in Pilgermontur mitten im Büro und lasse das nüchterne Firmenlogo den ersten Platz in meinem Pilgerpass einnehmen.
Es geht direkt an den Alsterlauf in Richtung Innenstadt, wo schon mein nächster Stopp angesagt ist: Die Kirche St. Jacobi. die Hamburger Pilgerkirche. Nun bin ich ja nicht besonders gläubig und bestreite auch die Caminos nicht unbedingt aus spirituellen Gründen. Aber so einige Rituale finde ich dann doch ganz stimmungsvoll. Und tatsächlich treffe ich auch auf den durch die Medien bekannten Pastor Lohse, der sich einige Minuten Zeit für mich nimmt und mir am Ende seinen Segen für den Weg mitgibt.
Noch habe ich keine Ahnung, wo ich heute Abend unterkommen werde. Von daher kann es unter Umständen noch ein langer Tag werden!

Der Camino führt über die alte Elbbrücke nach Harburg

Die Temperaturen sind inzwischen jenseits der 30-°C-Marke und die Luftfeuchtigkeit lässt keinen Zweifel daran, dass es heute noch gewaltig krachen wird! Aber aktuell scheint die Sonne noch ungestört vom Himmel. Dementsprechend wirkt der Beach-Club in Harburg, an dem ich nach gut 30 km vorbeikomme, unwiderstehlich, und ich nehme mir die Zeit für eine weitere Einkehr.
Während ich dort im Schatten bei einem alkoholfreien Hefeweizen sitze, spricht mich eine ältere Dame auf den Weg an, und wir kommen kurz ins Gespräch. Auch die Bedienung zeigt sich sehr interessiert und fragt mich zum Abschluss nach meiner Wasserflasche, um diese noch einmal aufzufüllen.
Außerdem hole ich mir noch in einem Supermarkt ein paar Sandwiches, ehe ich die Stadtgrenzen Hamburgs hinter mir lasse.
Aber während sich meine Heimatstadt immer mehr von mir entfernt, rückt das schon erwartete Gewitter mit großen Schritten näher.
Laut Pastor Lohse soll es in Fleestedt eventuell eine geeignete Unterkunft geben. Als ich den Ort erreiche, zieht der Camino hier zwar eine ziemlich umständliche Schleife, aber von einer Herberge ist weit und breit nichts zu sehen.
Dafür hat das Gewitter zwischenzeitlich mich gefunden! Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig unter das Vordach eines Weinkontors (→ SV), das an einer Landstraße liegt.
Ich nutze die Gelegenheit, und frage den Verkäufer in dem Weinladen nach dem Weg zum Sunderhof, einem Tagungszentrum, bei dem man nach meinen Informationen auch übernachten kann.
Wirklich viel kann er mir dazu aber nicht sagen. Auch das Wälzen einiger Karten bringt keine hilfreichen Ergebnisse.
Obwohl das Regenradar weiterhin Weltuntergangszenarien anzeigt, ist der Regen erstaunlicherweise deutlich weniger geworden, und ich ziehe weiter.
Es braucht noch 3,5 km und dann erreiche ich endlich die Einrichtung, bei der ich hoffentlich für heute Nacht Station machen kann!
Und tatsächlich bekomme ich ein Zimmer für knappe 20 € + 5 € Einzelnachtzuschlag.
Das Gebäude ist eindeutig schon etwas betagt und dementsprechend auf dem Niveau einer Jugendherberge der 80er Jahre. Aber ich habe ein Dreibettzimmer für mich, wobei sich Dusche und WC auf dem Gang befinden.
Zu essen gibt es hier heute leider nichts mehr. Allerdings habe ich das Glück, einigen Monteuren, die es sich im Aufenthaltsraum gemütlich gemacht haben, noch eine Flasche Bier abzuluchsen zu können.
Auf den ersten Tag!

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