Camino Deutschland (Tag 22)

 

Würzburg → Gaukönigshofen


 → 28,7 Kilometer
↑ 95 Meter

Donnerstag, der 11.07.2013

 

Festung Marienberg

Um kurz vor 8 Uhr klingelt plötzlich das Telefon in meinem Zimmer. Am anderen Ende fragt mich mein Gastgeber, ob er mich zum Frühstück abholen dürfte. Klar darf er!
Also begleitet er mich wieder gut gelaunt durch die Gänge des Klosters zum Speisesaal, wo er mich dann der Gesellschaft zahlreicher Franziskaner überlässt und sich verabschiedet.
Noch kurz vor 9 Uhr verlasse ich das Kloster und lasse mich das erste Mal auf dieser Tour von einem Wanderführer leiten. Allerdings muss ich ziemlich schnell feststellen, dass dessen Wegführung sich deutlich von meinem GPS-Track unterscheidet. Vor allem führt seine Route im weiteren Verlauf Richtung Straßburg nicht über Speyer, obwohl diese Stadt fest auf meiner Agenda stand – vor allem, weil ich mich dort mit Isabell, die ich auf meinem ersten Camino kennengelernt habe Camino Francés (Tag 36), treffen will. Mal schauen.
Der Camino scheint hier in dieser Region eine relativ hohe Popularität zu genießen. Von einer der Mainbrücken rufen plötzlich zwei Radfahrer „Buen Camino“ zu mir herunter, und kurz darauf spricht mich ein Angler an, der vermutet, dass ich heute wohl noch bis Ochsenfurt laufen will. Und tatsächlich ist das kein unrealistisches Ziel für heute.
Zwischenzeitlich habe ich mich gegen die Routenführung im Wanderführer und noch einmal für meinen GPS-Track entschieden. Abgesehen davon, dass letzterer einen weniger umständlichen Verlauf hat, wird er auch durch zahlreiche Wegweiser bestätigt. Außerdem folgt er fast 20 km direkt dem Lauf des Mains und ist damit für diese Zeit idiotensicher – allerdings nach einiger Zeit auch etwas eintönig. Dafür gibt es auf der Strecke mehr Einkehrmöglichkeiten als auf der gesamten bisherigen Tour! Nur, dass ich bislang noch keinen Bedarf habe.
Immer wieder werde ich unterwegs – vom Radfahrer bis hin zur Skaterin – auf meinen Camino angesprochen und kurz interviewt.

Centturm in Ochsenburg

Auch wenn ich heute nicht dem Routenverlauf des Wanderführers gefolgt bin, finde ich seinen Hinweis auf eine Pilgerherberge in Gaukönigshofen, die 20 € kostet, sehr reizvoll!
Von daher nutze ich Ochsenfurt nur für eine Einkehr, allerdings für eine recht umfangreiche! Auf meinen Eiskaffee folgen noch kurz entschlossen eine Calzone und ein Bier, ehe ich die verbleibenden rund 8 km angehe. Eigentlich würde meine Kondition es durchaus zulassen, die laut Wanderführer auf 3 Tagesetappen eingeteilte Strecke nach Rothenburg ob der Tauber auf zwei Tage zu verkürzen. Aber als ich vor der im Wanderführer angegebenen Unterkunft stehe, die laut Buch nur 10 € kosten soll und zudem recht einladend aussieht, beschließe ich, hier für heute Schluss zu machen. Dafür gilt es aber erst einmal, den Schlüssel zu organisieren. Das Hotel, in dem es diesen geben soll, hat heute, wie könnte es auch anders sein, Ruhetag. Aber es gibt noch eine alternative Privatadresse, die sich sogar direkt gegenüber befindet. Ich klingle und höre von oben aus dem Fenster ein „Moment!“, und kurz darauf tritt mir eine sehr junge Frau entgegen. Sie geht direkt mit mir hinüber zur Herberge, schließt mir die Tür auf und bittet mich nur noch, den Schlüssel morgen einfach wieder in den Briefkasten zu werfen. Danach verschwindet sie direkt wieder und überlässt mich den Räumlichkeiten.
Als Erstes betrete ich einen größeren Aufenthaltsraum. Über eine Treppe nach oben gelange ich in einen Dachboden, in dem mehrere Matratzen ausgebreitet sind. Also lasse ich mich hier erst einmal häuslich nieder. Kurz darauf entdecke ich aber, dass sich hinter einer weiteren Tür im Erdgeschoss noch ein richtiger Schlafraum mit Betten verbirgt. Also ziehe ich kurzerhand wieder um. Anschließend dusche ich und nutze danach den ebenfalls vorhandenen Raum zum Wäschewaschen.
Nachdem ich damit fertig bin, suche ich noch einmal das Restaurant mit Biergarten auf, das ich bereits vorhin neben dem Hotel entdeckt hatte.
Dieses hat zum Glück heute keinen Ruhetag! Da ich ja bereits in Ochsenfurt eine Calzone hatte, gibt es hier jetzt nur noch eine Kleinigkeit zu essen: einen Toast Hawaii und dazu zwei Oechsner
Schwarzbier aus dem besagten Nachbarort.
Von meinem Nachbartisch sprechen mich aufgrund des vor mir liegenden Wanderführers zwei Herren auf den Camino an. Wie sich herausstellt, waren auch sie schon auf dem Jakobsweg in Spanien unterwegs. Allerdings – als Turigrinos. Aber seit dieser Tour weiß ich ja, dass auch diese durchaus nicht nur Fluch, sondern auch Segen sein können!
Gegen 21:45 Uhr bin ich wieder in meinem Domizil und falle auch direkt ins Bett.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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