Camino Nordfrankreich (Tag 17)

 

Banne → Mont Roland


 → 36 Kilometer
↑ 211 Meter

Montag, der 30.07.2012

 

Thervay
Thervay

Dafür, dass heute mindestens 35 km anstehen – genau genommen steht das heutige Ziel noch nicht einmal fest – breche ich relativ spät auf. Es ist 9:15 Uhr, als ich das Anwesen verlasse. Hinter mir liegt eine eher unangenehme Nacht. Mein angehender Husten hielt mich immer wieder vom Schlafen ab. Und trotz erstaunlich kühler Außentemperaturen, wurde ich am Morgen in einer buchstäblichen Pfütze wach!
Das Frühstück stand für mich in so einer Art Arbeitszimmer bereit. Als Grundlage für den leider obligatorischen Aufschnitt, bestehend aus Butter und Marmelade, standen zwei Scheiben Toast in einer angebrochenen Packung zur Verfügung. Außerdem gab’s noch einen Joghurt und eine Banane. Die neue Packung Toast, die sie mir später noch dazu legten, habe ich dann aber nicht mehr angebrochen.
Während ich da saß, tauchte immer wieder der Mann auf, von dem ich annehme, dass er der Herr des Hauses ist. Er macht allerdings einen sehr schüchternen Eindruck. Weniger schüchtern war aber, der mir bereits bekannte Preis von 30,- €, den er abschließend von mir kassierte.
Der heutige Abschnitt weist absolut keine Infrastruktur auf, was nicht gerade zu meinem verbleibenden Proviant passt: 2 Bananen und einige Schokocroissants.
Und trotzdem bestreite ich den heutigen Tag erstaunlich motiviert. Auch die angehende Erkältung und die nicht gerade erholsame letzte Nacht ändern daran nichts.
Vielmehr sind es offenbar die tolle Landschaft mit ihren beeindruckenden Fernsichten, das schöne Wetter sowie eine dann doch noch aufgetauchte Einkehrmöglichkeit, die mich meinen möglichen Zielort fast wie im Fluge erreichen lassen.
Ich hätte sogar kein Problem damit, noch weiter zu ziehen, sollte ich hier jetzt keine Übernachtungsmöglichkeit bekommen!
Und die Chancen dafür stehen offenbar nicht schlecht!

Blick vom Mont Roland
Blick vom Mont Roland
Ich betrete gerade das Grundstück des auf einem Bergkamm gelegenen Klosters, da ruft mich eine ältere Dame von hinten.
Ich wende mich ihr zu und frage sie nach einem Bett für die Nacht. Daraufhin möchte sie wissen, ob ich reserviert habe. Da das natürlich nicht der Fall ist, kann sie leider nichts für mich tun, außer mich auf das Hotel im Ort hinzuweisen. Irgendwie funktionieren die Kloster hier etwas anders als auf den bisherigen Caminos!
Laut Wanderführer soll es in gut 7 km eine weitere Herberge geben, die aber nur über zwei Betten verfügt. Also steuere ich das besagte Hotel an (→ SV). Der Mann an der Rezeption frag mich, ob es eher etwas günstiges sein soll. Ich bestätige das natürlich. Daraufhin bietet er mir für 28,- € einen Wohnwagen an, der sich im Garten des Hotels befindet. Ich nehme dankend an. Als ich den in die Jahre gekommenen Caravan betrete, schlägt mir erst einmal eine etwas muffige Luft entgegen. Nachdem ich die Fenster zum Lüften geöffnet habe, schalte ich den zuvor beschriebenen Schalter für den Strom ein. Passieren tut allerdings nichts. Mit genau dieser Info, kehre ich wieder zu dem Mann an der Rezeption zurück. Er zögert kurz, greift zu einem Zimmerschlüssel und gibt ihn mir mit den Worten, er habe gerade keine Zeit, sich darum zu kümmern. Ich könnte das Zimmer zum gleichen Preis haben. Ich bin begeistert und frage ihn noch, wie ist denn so mit dem Essen aussieht.
Es gibt ein Menü für 12,50 €, bei dem ich zwischen Vor- und Hauptspeise oder Haupt- und Nachspeise wählen kann.
Wow! Bei dem Preisniveau, das die Speisekarte hier sonst so hergibt, ist das ein super Angebot!
Das Essen selbst stellt sich dann als so lala heraus. Ist aber ok. Und der Ober erfüllt tatsächlich mal ein wenig das Klischee des etwas reservierten Franzosen.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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