Camino Nordfrankreich (Tag 35)

 

La Chapelle-en-Lafaye → Saint-Georges-Lagricol


 → 22 Kilometer
↑ 258 Meter

Freitag, der 17.08.2012

 

in Montarcher
in Montarcher

Als ich den Gemeinschaftsraum betrete, hat Michaela bereits abgewaschen und Kaffee gekocht. Als Aufschnitt gibt es hier leider nur Nutella, aber besser als gar nichts!
Nach dem kleinen Frühstück brechen wir gemeinsam auf. Unsere Wege trennen sich allerdings schon kurz darauf. Während Michaela keine große Lust verspürt, die Wegvariante über den nächsten Berg zu machen, beschließe ich, trotz der gestrigen Erfahrung diesen etwas kleineren Berg noch mal auf mich zu nehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns im Laufe des Tages oder heute Abend wieder sehen, ist ja trotzdem relativ groß.
Eine Zeit lang bereue ich meine Entscheidung, heute schon wieder einen steilen Hang hochzuziehen. Aber im Gegensatz zu gestern wird diese Strapaze am höchsten Punkt von einem phänomenalen Ausblick belohnt. Und da mein endgültiges Ziel Le Puy von hier keine 50 km Luftlinie mehr entfernt ist, bin ich mir nicht sicher, ob man es nicht sogar schon da am Horizont erkennen kann.
Die Bodenlinie nach Le Puy ist natürlich noch etwas länger. Bis hier bin ich von noch 2 verbleibenden Tagesetappen ausgegangen. Allerdings gibt es da noch eine Variante, für die man 3 Tage benötigt. Und die entsprechende Verzweigung soll genau hier am Fuße des Berges folgen. Ich entscheide mich für den längeren Abschnitt. Zum Einen soll dieser landschaftlich noch etwas spektakulärer sein, und zum Anderen habe ich einfach auch noch 3 Tage Zeit, die ich lieber unterwegs als an einem Ort verbringe. Allerdings scheint der Camino da andere Pläne zu haben. Irgendwann muss ich nämlich feststellen, dass ich den entsprechenden Abzweig offenbar verpasst habe und ärgere mich eine ganze Zeit darüber, dass ich nun um einen Camino-Tag geprellt wurde.
Hinzu kommt, dass sowohl mein Buch als auch der von mir vor der Reise angelegte GPS-Track den anderen Weg beschreiben. Von daher bin ich ab jetzt zu 100 % auf die Wegweiser angewiesen! Und sollte ich doch mal einen verpassen und mich verlaufen, wird es sehr schwierig, wieder auf den Pfad zurückzufinden. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht wirklich gering, zumal die aktuellen Temperaturen die Konzentration nicht gerade fördern.

zur Herberge
zur Herberge

Es gelingt mir aber ohne Umwege, den Ort zu erreichen, der zumindest in der engeren Wahl für die heutige Übernachtung ist. Als ich aber sehe, dass selbst für Pilger die Übernachtung ab 50,- kostet, beschließe ich, noch weiter zu ziehen, obgleich mir die Hitze und die Steigungen langsam ganz schön zu schaffen machen. Trotzdem gelingt es mir, auch den nächsten Ort mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit zu erreichen. In der örtlichen Gîte (→ SV) treffe ich auf eine Frau, die mir erklärt, dass hier nur Gruppen unterkommen. Es stellt sich aber schnell heraus, dass die Unterkunft für Pilger nur einen Anruf und danach noch gute 100 m entfernt ist. Der Mann, der das hier alles verwaltet, spricht ein wenig englisch und zeigt mir die Räumlichkeiten. Danach besorge ich mir schnell noch ein wenig Verpflegung in einem kleinen Geschäft, das direkt nach mir seine Pforten schließt.
Außerdem suche ich noch die örtliche Bar auf, in der ist sogar einen Internet Zugang gibt. Also nutze ich die Gelegenheit, und schreibe bei 2 Bieren, die leider doch langsam angesagte “Camino-Abschluss-Mail” an meinem Dunstkreis.
Die Dusche meiner kleinen Wohnung verfügt endlich mal wieder über einen ordentlichen Wasserdruck, wie ich ihn schon lange nicht mehr hatte. Außerdem gibt es eine kleine Küche, in der ich mir mal wieder eine Dose Ravioli fertig mache. Auch, wenn man nicht den Eindruck hat, es ist tatsächlich erst die 3. auf der gesamten Reise.

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(über die Sitemap lassen sich die Tage gezielt aufrufen)

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